Der Nationaltorhüter dirigiert bei der Heim-EM seine Vorderleute. Foto: AFP/Tobias Schwarz

Der 38-Jährige steht gegen Ungarn vor seinem 17. EM-Einsatz. Das ist Rekord – doch wie geht es für den Nationaltorwart nach dem Heimturnier weiter?

Manuel Neuer vertraut auf die Bilder, die er in der Analyse zu sehen bekommt. Sie sind für den Torhüter entscheidend, um eine Situation zu beurteilen, an der er beteiligt war. Oft genug waren es außergewöhnliche Paraden oder Rettungsaktionen, die vor Neuers Augen abliefen. Zuletzt häuften sich jedoch die Szenen, die für viele andere, die nicht Neuer heißen, einem Fehler gleichkamen. Viermal unmittelbar vor Beginn der Fußball-EM.

Der 38-Jährige lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Er hat die vor dem Heimturnier entbrannte Torwartdebatte nicht an sich herangelassen. „Ich habe das von außen betrachtet, ich habe nichts durchgelesen und mir darüber keine großen Gedanken gemacht“, sagt Neuer in Herzogenaurach.

So hält es der Schlussmann immer. „Wichtig ist für mich das Vertrauensverhältnis zum Trainer und zum Team“, sagt Neuer. Und Julian Nagelsmann hat sich ebenfalls nicht beirren lassen. Neuer bleibt für den Bundestrainer die Nummer eins, in dessen achten Turnier in Folge seit der WM 2010. Das zeigt seine Klasse, wirf aber auch die Frage auf, wie es für den ehrgeizigen Routinier in der Nationalmannschaft weitergeht. „Das kann ich jetzt noch nicht verraten. Ich werde mir nach der EM Gedanken machen.“

Aktuell gilt die Konzentration dem zweiten Gruppenspiel an diesem Mittwoch (18 Uhr/ARD) gegen Ungarn. In Stuttgart will die Nationalelf den beim 5:1 im Eröffnungsspiel eingeschlagenen Weg fortsetzen. „Viele Elemente aus dem Schottland-Spiel helfen uns dabei“, glaubt Neuer, der von einem „unangenehmen Gegner“ spricht. Die Begegnungen zuletzt belegen das. In der Nations League 2022/2023 gab es nichts zu gewinnen (0:1/1:1) und bei der EM 2021 reichte es gerade noch zu einem Unentschieden.

Das ist – trotz der ungarischen 1:3-Auftaktniederlage gegen die Schweiz – Warnung genug für Neuer, der angibt, selbst gut ins Turnier gestartet zu sein – „unabhängig davon, dass ich keine krassen Aktionen hatte“. Kein schottischer Schuss kam auf seinen Kasten. Die Abwehr sei jedoch stabil gestanden. Das Eigentor durch Antonio Rüdiger ärgerte dann die gesamte Mannschaft. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagt Neuer, weil es ihm zeigt, dass die Nationalspieler nicht nur auf Offensive aus sind, sondern ebenso die Defensivarbeit beherzigen.

Neuer versteht sich als verlängerter Arm des Bundestrainers

Wiederholung ausdrücklich gefordert, und Neuer versteht sich dabei nicht nur als Rückhalt hinter der Viererkette, sondern ebenso als verlängerter Arm des Bundestrainers auf dem Platz. Auch ohne Kapitänsbinde, die nach seiner langen Verletzungspause jetzt Ilkay Gündogan trägt.

Wenn Nagelsmann eine Korrektur vornehmen will, holt er sich gerne Neuer an den Spielfeldrand. Erfahren genug ist der Torhüter, der vor einer Bestmarke steht, ja. 120 Länderspiele hat er bestritten und wird nun mit seinem 17. EM-Einsatz mit der italienischen Torwartlegende Gianluigi Buffon gleichziehen: „Das hört sich schön an, der Mannschaftserfolg ist mir aber wichtiger.“