Bosch-Chef Stefan Hartung äußerte sich kürzlich zum Thema Rüstung. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Rüstung wächst, doch das Engagement ist für Bosch ein schwieriges Thema. Das Stiftungsunternehmen hat eine Strategie entwickelt, um Werte und Geschäft in Einklang zu bringen.

Reihenweise Aufträge und Tausende neue Jobs inmitten der angespannten Sicherheitslage: Die deutsche Rüstungsindustrie erlebt einen Boom. Das zeigt sich etwa an Rheinmetall. Der Konzern gab im vergangenen November bekannt, dass er seinen Umsatz bis 2030 auf rund 50 Milliarden Euro steigern will, was etwa einer Verfünffachung im Vergleich zu 2024 gleichkäme.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich dagegen in der Autoindustrie. Deren Krise trifft unter anderem auch den weltgrößten Automobilzulieferer Bosch hart. Doch auch Bosch stellt Technologien her, die für die Rüstung von Bedeutung sind. Dennoch verspricht sich das Unternehmen nicht allzu viel von dem Boom.

Bosch verzeichnete einen deutlichen Gewinnrückgang

Der Gewinn des Stuttgarter Stiftungskonzerns brach 2025 um fast die Hälfte ein – was stark mit den Kosten für den Stellenabbau zusammenhing, die sich auf rund 2,7 Milliarden Euro beliefen. Bosch will in den kommenden Jahren rund 22 000 Arbeitsplätze streichen. Angesichts der wachsenden Rüstungsindustrie stellt sich die Frage: Warum setzt Bosch nicht stärker auf diese Wachstumsbranche?

„Bosch ist kein Rüstungsunternehmen und Militärgeschäft kein strategisches Geschäftsfeld für das Unternehmen“, erklärt eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung. Das Unternehmen „entwickelt, fertigt und vertreibt im Rahmen seiner weltweiten strategischen Ausrichtung und Fokussierung auf zivile Geschäftsfelder selbst keine Waffen“. Aber: Viele der Produkte von Bosch könnten in wehrtechnischen Gütern beziehungsweise für militärische Zwecke zum Einsatz kommen. Die Rede ist dann von sogenannten Dual-Use-Gütern.

Mit diesem Vorgehen leiste Bosch seinen „Beitrag zum erforderlichen Ausbau der Wehrtechnik und zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands, Europas und seiner Partner“. Im Moment sei das Unternehmen „sehr intensiv an vielen Projekten im Verteidigungsgeschäft beteiligt“, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung vor wenigen Tagen. Es sprach von einem „anwachsenden Bedarf“.

Was Bosch für wehrtechnische Anwendungen zuliefert

Allerdings fertigt Bosch keine Panzer oder andere Waffen. Bei den Zulieferungen für wehrtechnische Anwendungen fänden sich vor allem Produkte wieder, die Bosch auch für zivile Fahrzeuge liefert. Die Palette reiche von Zündkerzen und Scheibenwischern über Lenksysteme und Einspritztechnik bis hin zu Anwendungen aus dem Bereich Elektronik oder auch Entwicklungsdienstleistungen, erklärt die Sprecherin.

Bosch steuert als Zulieferer verschiedene Produkte für wehrtechnische Anwendungen bei. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bosch Rexroth, eine Tochtergesellschaft, liefere etwa Systeme und Komponenten der Antriebs- und Steuerungstechnik für Verteidigungsanwendungen sowie entsprechende Produktionseinrichtungen. Die Basis dafür bildeten Systeme und Komponenten aus dem Zivilgeschäft.

Bosch orientiert sich an einem Code of Conduct

Das Unternehmen hat sich für diese Zulieferungen strenge Regeln auferlegt. Sie sind im Code of Conduct niedergelegt, den sich der Stiftungskonzern gegeben hat. Der Verhaltenskodex gelte für alle geschäftlichen Aktivitäten und diene als Leitfaden für das tägliche Handeln. „Gerade in einem anspruchsvollen Geschäftsumfeld hilft er, rechtliche und ethische Standards einzuhalten, faire Arbeitsbedingungen zu fördern und ein respektvolles Miteinander zu gewährleisten“, heißt es vonseiten des Unternehmens.

Stefan Hartung ordnet Bedeutung des Geschäfts für Bosch ein

Das Rüstungsgeschäft funktioniert nach Einschätzung Hartungs wirtschaftlich völlig anders als das Bosch-Stammgeschäft mit der Autozulieferung. Eine Bestellung von beispielsweise 6000 bestellten Panzern sei für Armeen in Europa eine ziemlich große Zahl. Für Bosch dagegen sei es verglichen mit den Millionen Fahrzeugen, die das Unternehmen ansonst beliefert, eine sehr geringe Menge. „Selbst wenn das dann das Zehnfache kostet, weil die Komponente so speziell ist, bleibt das immer noch ein überschaubares Geschäft“, erklärte der 60-Jährige.

Für die Beschäftigten, die das Unternehmen wegen des Sparprogramms verlassen müssen, bietet die wachsende Rüstungsindustrie nach Hartungs Einschätzung aber durchaus Chancen. „Natürlich können unsere Fachkräfte für die Rüstungsindustrie interessant sein: Wo wir umstrukturieren müssen, unterstützen wir Mitarbeiter, die sich für den Wechsel in diese Branche interessieren“, sagte der Bosch-Chef schon vor Monaten.