Nachhaltig, vielseitig und leiser als viele andere Spielsachen: Korksteine Foto: Stefanie Schlecht

Nachhaltigkeit für die Kleinen: Ayse Görgülü aus Herrenberg-Haslach hat Spielzeug aus Kork entwickelt – und sogar eine Firma dafür gegründet.

Als Ayse und Isa Görgülü 2020 das erste Mal Eltern wurden, sahen sie sich nach passendem Spielzeug um. Sie besuchten viele Messen, aber fündig wurden sie nicht. Die Spielsachen bestanden häufig aus Plastik, waren nicht sicher oder waren pädagogisch ungeeignet. „Wir legen auf Nachhaltigkeit generell viel Wert“, betonen die beiden. Deshalb baute Ayse Görgülü ab Ende 2020 selbst ein Unternehmen für Spielzeug auf: KorkMa. Über das Internet bietet sie nun für Kinder ab drei Jahren kleine Bausteine in verschiedenen Formen, Gedächtnisspiele, Steine mit Buchstaben und Zahlen und ein Legespiel an.

Hohe Investition für kleine Firma

„KorkMa“ ist eine Zusammensetzung aus den Worten „Kork“ und „Mama“. Es gibt aber noch eine zweite und eine dritte Bedeutung. So heißt die Internetseite „www.korkma.de“. Lässt man den Punkt weg, erhält man den Begriff „KorkMade“. Und: Übersetzt man „Korkma“ ins Türkische, ergibt sich die Bedeutung „Fürchte dich nicht!“ Das war auch die Einstellung, mit der sich Ayse Görgülü selbstständig machte. Denn so einfach ist eine Gründung nicht.

„Zuerst muss man sich durch mehrere hundert Seiten mit europäischen und deutschen Richtlinien arbeiten“, sagt sie. Um zu diesen Zugang zu bekommen, benötigt man fünfstellige Beträge, was für Kleinunternehmer und Mittelständler die Firmengründung erschwert. „Für uns war es nicht nachvollziehbar, dass man soviel investieren muss, um Zugang zu erhalten“, sagt Ayse Görgülü. Verständlich mag es nicht sein, aber erklärbar: Die Richtlinien werden in erster Linie von den großen Unternehmen bestimmt. Die bürokratischen Hürden werden auch bei einem Gründungsmeeting mit der Wirtschaftsförderung der Stadt und mit dem Coworking und Gründungszentrum Herrenberg zu Sprache kommen. Der ursprüngliche Termin im Oktober wurde verschoben, der neue steht noch nicht fest.

Kork im Urlaub entdeckt

Begonnen haben Asyse und Isa Görgülü mit Kork-Modellspielzeugen, die sie mit ihren Kindern testeten. Dann erweiterten sie den Probanden-Kreis um Nachbarskinder. „Es kam sehr gut an“, war ihre Erfahrung. Bei der Gründung war den Görgülüs ihr beruflicher Hintergrund eine Hilfe. Als Bankwirtin bei der Sparkasse Altingen kennt sich Ayse mit dem Kaufmännischen aus. Isa arbeitet als Vertriebsingenieur in Ludwigsburg für eine Maschinenbaufirma. Er versteht sich auf die technischen Fragen und erstellte die Homepage. „In der Gründungsphase haben wir uns gegenseitig unterstützt“, sagen sie.

Wie aber kamen sie auf Kork? Das ist vor allem auf Aufenthalte in Portugal zurückzuführen. „Jedes Jahr besuchen wir vier Länder“, sagt Ayse Görgülü. Eines der Ziele war Portugal, wo sich weltweit die meisten Korkwälder befinden, die Montados. Für die trockenheitstolerante Korkeiche, die viel Licht braucht, sind das ideale Klimabedingungen. Die Produktion ist nachhaltig, denn man muss zum Schälen keine Bäume fällen. Außerdem nehmen die geschälten Bäume dreimal so viel Kohlenstoffdioxid auf wie ungeschnittene Bäume, zudem finden bedrohte Tierarten in den Wäldern Schutz. Nach etwa neun Jahren ist die Rinde nachgewachsen. Eine Korkeiche kann bis zu 250 Jahre alt werden. Wie die Görgülüs festgestellt haben, gibt es auch über die Online-Plattform Alibaba Korksteine aus China. Doch diese, mahnen sie, seien nicht nachhaltig, da die gesamten Bäume verwertet würden.

Ihre ersten Testmodelle bezog Ayse Görgülü denn auch aus Portugal. Nach einer sorgfältigen Auswahl entschied sie sich für einen Hersteller. Die Steine mit Motiven zu versehen übernehmen sie und ihr Mann selbst. Im Keller steht ein Lasergerät. Manche Steine sind mit Tierbildern geschmückt, andere zeigen Sehenswürdigkeiten. Darin spiegeln sich die vielen Reisen der Görgülüs wider. Von den Urlauben mit ihren zwei Kindern erzählt Ayse auch in ihrem Blog auf ihrer Homepage und gibt Tipps.

Die Steine können sogar schwimmen

Und wie spielt es sich mit Korksteinen? Für Kinder sind sie wegen der Haptik spannend, sagt Isa Görgülü. Ein weiterer Pluspunkt: „Sie haften untereinander viel besser als Bauklötze.“ Auch dass die Spielzeuge leichter und leiser sind als so mancher elektronischer Krachmacher im Kinderzimmer, ist von Vorteil. Als weitere positive Eigenschaften fiel dem Paar auf, dass die Steine antiallergen, geruchsneutral, abwaschbar und wasserfest sind. Somit können sie auch in der Badewanne oder im Meer schwimmen.

Bis jetzt ist die vielseitige Entwicklung aus Haslach noch nicht allzu bekannt. Doch das soll sich ändern. Görgülüs erwägen Kooperationen mit Bloggern, Kindergärten und Spielwarenläden. Und an neue Produkte denkt Ayse Görgülü auch schon: „Wir wollen in Richtung basteln gehen“. Dann soll man die Steine auch bemalen können.