Sophia Kennedy hat mit ihren melodramatischen Popsongs das Stuttgarter Publikum beehrt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Sophia Kennedy hat mit ihrem musikalischen Partner Mense Reents von den Goldenen Zitronen Songs ihres neuen Albums „Monsters“ präsentiert – zur großen Freude des Livepublikums am Mittwochabend im Hof des Alten Schlosses in Stuttgart.

Stuttgart - Die Livemusik kehrt zurück, die Freude ist groß – auch darüber, dass diese Rückkehr am Mittwochabend im Hof des Alten Schlosses in der Gestalt Sophia Kennedys geschieht. Kennedy war mehrmals schon Gast in Stuttgart, wurde nun wieder eingeladen vom Merlin, wird wieder begleitet von Mense Reents, Mitglied der Goldenen Zitronen, ihrem musikalischen Partner auch auf „Monsters“, dem neuen Album, das seit Anfang Mai im Handel ist.

Das Cover dieses Albums zeigt Sophia Kennedy in einem Studioraum – Licht kommt hier nur vom Smartphone, in das sie blickt, lässig auf einen Hocker gekauert, und vom Signal „Achtung Aufnahme“. Zur Linken, im Halbdunkel, ein Flügel, der den Deckel aufreißt wie ein wilder und grotesker Alligator, der die coole Künstlerin zu verschlingen droht.

Sound zwischen alter Schule und Jazzclub

Genau so, wie auf jenem Album-Cover, tritt Kennedy nun auf die Bühne: In einem grauen Jackett, sehr locker, tanzt sie zu ihren Beats, gleitet ans Keyboard, steht auf, das Mikrofon in der Hand. Mense Reets versteckt sich unter einem großen gelben Hut, schlägt auf dem E-Bass einen Sound an, der sich irgendwo zwischen dem warmen Klang des Keyboards und der kühlen Elektronik platziert. Diese liegt bereit auf einem Tischchen, wird von beiden bedient: Beats und Triller, kleine Schreie, Klangflächen, Orchestersamples, Störgeräusche.

„Loop“ heißt das erste Stück des Abends – Kennedy beginnt eine Melodie auf ihrem Keyboard, die der Auftakt sein könnte zu einem Song der alten Schule, Broadway oder Jazzclub – ein Eindruck, der augenblicklich zerstört wird durch stetige Wiederholung. „Our mothers are insane, cause their mothers are insane “, singt sie, dunkel. Und sie erzählt von all den Menschen, denen sie begegnet, die Geschäfte machen mit der Kunst, die ihre Visionen in Geld verwandeln möchten, und die weiße Sneaker tragen.

Alle Illusionen scheinen längst verloren

Sophia Kennedy bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Trost und Tristesse; alle Illusionen scheinen bei ihr längst verloren, aber die Musik breitet noch immer die Arme aus. „Das sind ja alles große Pop-Songs“ – so sagt sie es einmal selbst, zwischendurch, ganz ohne Anmaßung, denn das genau ist es, was sie möchte: Jeder ihrer Songs entpuppt sich als Chamäleon, zeigt ständig neue Farben, trägt schillernd das Vokabular der Popmusik zur Schau, wandelt sich und wird zum Abenteuer.

Immer wieder aufs Neue fasziniert, wie es Kennedy und Reents gelingt, mit kleinen Gesten, geringsten musikalischen Mitteln, den Stil ihrer Musik zu verändern. Jazz und Soul, Krautrock, Hiphop oder Chanson – sie scheinen hier nur immer einen Takt weit voneinander entfernt zu liegen, einen Beat, einen Akkord, ein Sample, einen Schlag auf den Schellenkranz. Sophia Kennedy und Mense Reents gehen in traumhafter Interaktion durch diese Landschaften. Nach einem langen Applaus kehrt Sophia Kennedy zurück auf die Bühne, singt alleine, am Keyboard „I can see through the Darkness“ – und wieder wähnt man sich am Rande eines großen Melodrams, gut aufgehoben und getröstet.

Weitere Termine im Alten Schloss

9. Juli: Gismo Graf Trio, 19 + 21.15 Uhr

10. Juli: Stuttgarter Philharmoniker, 14.30 Uhr, Studio Theater „Wenn der Abend durch den Schornstein fällt“, 20 Uhr,

12. Juli: Ensemble Ascolta, 20.30 Uhr,

Alles Termine unter: kultur-im-alten-schloss.de/veranstaltungen/

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: