Das Hauptgebäude des Softwarekonzerns SAP in Walldorf. Foto: Uwe Anspach/dpa

SAP setzt voll auf die Cloud und nimmt für die Wachstumsstrategie viel Geld in die Hand. Das schmälert erst einmal den Gewinn. Auch der Rückzug aus Russland kostet.

Walldorf - Europas größter Softwarekonzern SAP kommt beim angepeilten Wachstum des Geschäfts mit sogenannter Cloudsoftware voran.

Allerdings haben die Investitionen in den Ausbau des Geschäfts mit Software zur Nutzung über das Netz (Cloud) und der Rückzug aus Russland das Ergebnis zum Jahresstart stärker als erwartet belastet.

Konzernchef Christian Klein hatte im Herbst 2020 angekündigt, Wachstum erst einmal über eine höhere Profitabilität zu stellen. Seitdem hat der Konzern am Finanzmarkt einen schweren Stand. Die Zahlen für das erste Quartal hellten die Stimmung nicht auf - im Gegenteil. Der Aktienkurs des Dax-Schwergewichts fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit rund eineinhalb Jahren.

Konzern übertrifft Experten-Erwartungen beim Erlös

Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis ist in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro gefallen, wie SAP in Walldorf mitteilte. Der Umsatz zog dagegen um elf Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Euro an, die Erlöse in der Cloud legten dabei um 31 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Experten beim Erlös, verfehlte sie aber beim Ergebnis deutlich. Die Prognosen für das laufende Jahr wurden bestätigt.

Demnach soll der Umsatz mit Cloudsoftware in diesem Jahr währungsbereinigt um 23 bis 26 Prozent auf bis zu 11,85 Milliarden Euro steigen. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte währungsbereinigt hingegen lediglich stabil bleiben oder sogar um bis zu fünf Prozent schrumpfen.

Konzernlenker Klein hatte mit dem verstärkten Fokus auf die Cloud in seinem Strategieschwenk auch die Gewinnerwartungen seines Vorgängers kassiert. Erst 2023 soll das operative Ergebnis wieder zulegen. Beim Produktumsatz aus Lizenzprogrammen, Wartungsverträgen und Cloudsoftware rechnet SAP 2022 mit einem währungsbereinigten Plus von vier bis sechs Prozent auf 25 Milliarden bis 25,5 Milliarden Euro.

Gewinn bricht um 41 Prozent auf 632 Millionen Euro ein

In den ersten drei Monaten belasteten nicht nur die Investitionen in den Ausbau des Cloudgeschäfts, sondern auch der Rückzug aus dem Geschäft in Russland, nachdem das Land die Ukraine angegriffen hat. Unter dem Strich brach der Gewinn deshalb um 41 Prozent auf 632 Millionen Euro ein.

SAP hatte Anfang März alle neuen Verkäufe in Belarus und Russland gestoppt. Außerdem wurde damit begonnen, den Cloudbetrieb in Russland einzustellen. Zudem sei geplant, Support und die Wartung der On-Premise-Produkte in Russland zu beenden. Die Belastung für das bereinigte Betriebsergebnis im ersten Quartal bezifferte SAP auf 70 Millionen Euro. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der Konzern damit, dass der Rückzug aus Russland den operativen Gewinn mit rund 350 Millionen Euro belastet.

Die Aktie sackte zwischenzeitlich um 5,5 Prozent auf 94,04 Euro ab und war damit so billig wie seit November 2020 nicht mehr. Zuletzt konnte sich die Aktie aber zumindest etwas erholen, blieb aber weiter im Minus. Seit dem Rekordhoch im September 2020 von etwas mehr als 143 Euro ging es für das Papier steil nach unten auf unter 100 Euro. Der Börsenwert sank seitdem um fast 60 Milliarden Euro auf nur noch knapp 120 Milliarden Euro. Damit büßte SAP auch den Rang des wertvollsten deutschen Börsenunternehmens ein - das ist jetzt der Industriegashersteller Linde.