Joachim Kupke vor seinem Haus in der Sindelfinger Altstadt. Foto: Stefanie Schlecht

Der Sindelfinger Künstler Joachim Kupke hat mit seiner Band „If you wanted to“ ein neues Album aufgenommen, das Malerei und Musik miteinander verbindet. Am Samstag stellt er es im Sindelfinger Pavillon vor.

Joachim Kupke bezeichnet sich selbst als „Dinosaurier der Musik“. Der Sound seiner Rockband If you wanted to ist aber alles andere als alt oder angestaubt. Ganz im Gegenteil: Die Sindelfinger Formation, mit der er seit 46 Jahren auf der Bühne steht, klingt kraftvoller, facettenreicher und tiefgründiger als vieles, was heute so im Radio oder auf Streamingplattformen läuft.

Das gilt auch für das neue Album, das in diesen Tagen herauskommt. „Unfinished Painting“ heißt es. Das „unfertige Gemälde“ spielt auf Joachim Kupkes Doppelbegabung als Maler und Musiker an. Der unter anderem von Popart und Werbeästhetik beeinflusste Sindelfinger ist bekannt für seine augenzwinkernd-modernen Neuinterpretationen der alten Meister – allen voran Jan Vermeer. Der holländische Barockmaler ist bekannt für sein Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“. Eine Arbeit Vermeers lieferte nun auch die Vorlage für das Covermotiv der neuen CD: Das Gemälde „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“.

Schon vor 60 Jahren spielte er mit Ladislaus Weiss in der Liederhalle

Mittlerweile ist Joachim Kupke selbst quasi ein alter Meister. Immerhin hat der Mann, der an diesem Dienstag 77 Jahre alt geworden ist, schon vor 60 Jahren gemeinsam mit seinem mittlerweile verstorbenen Malerei- und Musikkollegen Ladislaus Weiss mit seiner Band Les Masques im Beethovensaal der Liederhalle gespielt – damals bei einem von der Beatles-Mania inspirierten Bandwettbewerb unter dem Motto „Yeah, Yeah, Yeah“.

Allerdings sollte man die Bezeichnung „alt“ bei Kupke und If you wanted to besser nicht leichtfertig verwenden. Dafür steckt einfach noch viel zu viel Spielfreude, Humor und Schaffenskraft in ihm und seiner Combo. „Wir sind die älteste Rockband in Sindelfingen, aber ich würde behaupten, dass wir hier mit die jüngste Musik machen“, sagt er. Das brandneue Album, die pünktlich zum Releasekonzert am kommenden Samstag im Pavillon erscheinen soll, scheint ihm recht zu geben. Kupke nennt es ein „Konzeptalbum“, weil der Texter, Gitarrist und Sänger mit der heiser-melancholischen Reibeisenstimme hier seine Identität als Maler mit der des Musikers zusammenführt. So beginnt das Album mit einem hypnotischen Instrumentalstück namens „Sketch“ – also Skizze – , bei dem die Gitarre wie ein Zeichenstift die Richtung für das folgende Werk vorgibt.

Wie bei den Konzerten spielt auch auf dem Album Kupkes Ehefrau Sarah eine wichtige Rolle. Die gebürtige Britin ist eine feste Größe in Sindelfingens Theaterszene. Auf dem Album spricht sie zu Synthesizerbegleitung von Tontechniker Werner Schumacher die Lyrics zu dem Stück „Dried Moonlight“.

„Ich habe die Musik schon immer als Erweiterung meiner Kunst gesehen und nie als etwas Separates“, erzählt Kupke, wie er immer wieder eigene Ausstellungen für Auftritte mit der Band genutzt hat – wie etwa vor neun Jahren beim Jazz-Festival in Sindelfingens Partnerstadt Corbeil-Essonnes. Der Album-Untertitel „Wanted Covers“ sagt es schon: In gewisser Weise tut Kupke hier genau das, womit er sich schon als Maler einen Namen gemacht hat. Mit seinen Bandkollegen Reiner Pfleiderer (Gitarre), Herbert Renz (Bass) und Nachwuchsschlagzeuger Alexander Schumacher interpretiert er einige bereits veröffentlichte Songs der Band auf ganz neue und teils überraschende Weise.

Der Name Wanted war schon an eine Boyband vergeben

Viele Titel auf dem Album stammen aus der Zeit, als die Band einfach nur Wanted hieß – so bevorzugt ein Großteil der Fans das bis heute. Den längeren Namen mussten die Sindelfinger sich eher aus einem Zwang heraus zulegen. „Als dass mit dem Internet angefangen hat und wir uns eine Homepage zulegen wollten, haben wir festgestellt, dass es in Irland schon eine Boyband namens The Wanted gab“, erzählt Kupke. Also überlegte man sich etwas Andeutungs- und Geheimnisvolles, das zugleich den ursprünglichen Bandnamen aufgriff.

Heute taucht Joachim Kupke beim Malen gerne selbst tief in neue Musik ein und birgt dabei Songperlen von amerikanischen Sängerinnen wie Emma Ruth Rundle oder Phoebe Bridgers aus den unendlichen Weiten des Internets. Angeregt von dieser Inspiration und einem stetig steigendem Bühnenfieber verbrachten er und seine Bandkollegen zuletzt viel Zeit im Ehninger Studio von Werner Schumacher. Der Soundpionier und langjährige Technikchef der Sindelfinger Stadthalle ist der Vater vom aktuellen Wanted-Drummer Alex. Der junge Mann und seine nicht mehr ganz so jungen Mitmusiker können es kaum noch erwarten zu zeigen, wie jung und frisch Sindelfingens älteste Rockband klingt.

Am Samstag, 25. Mai, um 20 Uhr präsentiert die IG Kultur im Sindelfinger Pavillon (Calwer Straße 36) das Release-Konzert der neuen CD „Unfinished Painting – Wanted Covers“ von If you wanted to.