Der Heimatverein Schorndorf macht’s spannend: Er präsentiert neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte. Darunter Anekdoten aus einer Zeit, als Bauknecht noch wusste, was Frauen wünschen.
Offenkundig gibt es noch so manche Geheimnisse in der Schorndorfer (Rems-Murr-Kreis) Stadtgeschichte. Der Heimatverein verspricht jedenfalls für seine Veranstaltung am Montag, 17. November, die Enthüllung so mancher bisher unbekannter, unentdeckter Kapitel der Historie des Fleckens im mittleren Remstal, der von mittelalterlicher Architektur geprägt ist und zudem eines der schönsten Gotteshäuser weit und breit vorweisen kann.
Mit der Baugeschichte der Stadtkirche samt ihrem rund 60 Meter in den Himmel ragenden Turm sowie speziell mit dem Aufbau des spätmittelalterlichen Chors beschäftigt sich denn auch Leonie Mössle. Motto: „Architektur als Illusion? Der Chor der Schorndorfer Stadtkirche und sein besonderer Aufbau“. Warum, so fragt sie, ist dieser in Schorndorf von außen so aufwendig und repräsentativ gestaltet worden?
Die Schorndorfer Bürger am Ende des Mittelalters
Zur Beantwortung dieser Frage zieht sie zunächst andere spätmittelalterliche Kirchen der Region zum Vergleich heran. Sodann beschäftigt sie sich mit den Schorndorfer Kirchenbaumeistern und versucht herauszufinden, wer alles an der Finanzierung der Stadtkirche beteiligt war und somit zu den Auftraggebern gehörte. Der Heimatverein erwartet „überraschende Antworten“ und verspricht: „Leonie Mössle gibt uns neue Einblicke in das Selbstverständnis der Schorndorfer Bürger am Ende des Mittelalters.“
All das ist auch nachzulesen in dem neuen Band 34 der Heimatblätter, des Jahrbuchs für Schorndorf und Umgebung, das im Rahmen der Veranstaltung am Montag der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Gleich zweimal wird in den Heimatblättern die Geschichte der Firma Bauknecht beleuchtet – ein Unternehmen, das für Schorndorf sehr prägend war. Stephan Lawall rekonstruiert die Werksgeschichte von den Anfängen der Waschmaschinen-Herstellung in den 1950er Jahren bis zur Produktion für den amerikanischen Markt unter Whirlpool. Und Nathalie Riegert vom Stadtmuseum widmet sich – ausgehend vom Slogan „Bauknecht weiß was Frauen wünschen“ – der Frage, wie Bauknecht Geschlechterrollen in Deutschland beeinflusste, und welche Arbeitsplätze es für Frauen und Männer in dem Schorndorfer Werk gab.
Mit dem düsteren Kapitel der NS-„Euthanasie“ haben sich Andrea Bergler und Stephan Lawall vom Stadtmuseum beschäftigt. In umfangreichen Recherchen wurden in den vergangenen Jahren die Schicksale der Schorndorfer Opfer rekonstruiert. Die Lebensstationen der zehn Frauen und acht Männer, die dieser Mordaktion der Nationalsozialisten in Grafeneck zum Opfer fielen, werden hier vorgestellt.
Ein Abend für alle Geschichtsinteressierten
Weitere Themen im neuen Jahrbuch behandeln die Erkenntnisse der Ausgrabungen auf dem Gelände des städtischen Spitals. Roland Buggle, offiziell vom Landesamt beauftragter Ehrenamtlicher in der Archäologischen Denkmalpflege für Schorndorf, erhielt im Januar den Archäologiepreis 2024 des Landes Baden-Württemberg. Auch er wird in den Heimatblättern gewürdigt.
Zur Veranstaltung samt Präsentation der Heimatblätter, die um 19 Uhr im Stadtmuseum Schorndorf, am Kirchplatz 7, beginnt, hofft der Heimatverein auf reichlich Zuspruch, denn „alle Geschichtsinteressierten sind herzlich eingeladen“.