Am Sonntag, 8. Februar, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger, wer in Rutesheim die Nachfolge von Susanne Widmaier antritt. Drei Kandidaten haben ihren Hut in den Ring geworfen.
Die Bürgermeisterwahl in Rutesheim am Sonntag, 8. Februar, ist nicht irgendeine Wahl. Sie ist richtungsweisend für die rund 11 200 Einwohner zählende Kommune. Denn nicht nur das Amt der Verwaltungsspitze muss neu besetzt werden. Der Stadtbaumeister Bernhard Dieterle-Bard ist nach drei Jahrzehnten im Rathaus eigentlich schon im Ruhestand – er hat mangels einer passenden Nachfolge aber noch ins Jahr 2026 verlängert. Und im Dezember verabschiedet sich mit Martin Killinger quasi „Mister Rutesheim“. Er ist Erster Beigeordneter, der gefühlt rund um die Uhr für „seine“ Bürgerinnen und Bürger im Dienst ist und mit seinem Wissen und seinem Engagement für so gut wie jede Herausforderung eine Lösung parat hat.
Die amtierende Bürgermeisterin Susanne Widmaier hatte im Sommer des vergangenen Jahres verkündet, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nach einer Amtszeit nicht mehr antreten wird.
Bürgermeisterwahl in Rutesheim: Wer beerbt Susanne Widmaier?
Ein Rückblick in das Jahr 2018. Am 4. Februar, am Abend um 18.45 Uhr, verkündet der damalige Amtsinhaber Dieter Hofmann: Susanne Widmaier ist die neue Bürgermeisterin von Rutesheim und damit seine Nachfolgerin. Mit einem Traumergebnis von 70,8 Prozent der Stimmen hat die Erste Beigeordnete von Weil der Stadt, die dort für das Bau- und das Ordnungsamt zuständig ist, die Wahl gleich im ersten Anlauf gewonnen.
Der unterlegene Jürgen Beck, Leiter des Leonberger Ordnungsamts, gibt sich als fairer Verlierer. Er konnte nur 22,5 Prozent der Wähler überzeugen. Die Wahlbeteiligung liegt bei 57,2 Prozent. Und obwohl im Vorfeld keine Gemeinderatsfraktion eine Wahlempfehlung ausgesprochen hat, herrscht an jenem Sonntagabend Freude über dieses eindeutige Votum. Zumal ein zweiter Wahlgang nicht mehr vonnöten ist.
„Kurs halten, Chancen nutzen“ lautete Widmaiers Slogan während der Wahlkampagne. Und so zeichnete sich die Rutesheimer Politik in den nächsten acht Jahren durch eine aktive aber auch solide Weiterentwicklung der Stadt aus. Mit einigen Schwerpunkten wie dem Schaffen von Wohnraum auf dem ehemaligen Bosch-Areal, der durchaus kontrovers diskutierten Nahwärmeversorgung mit dem Bau einer eigenen Energiezentrale, dem kostenintensiven Umbau der Kläranlage oder der Entwicklung von einem neuen Gewerbegebiet am „Gebersheimer Weg“.
Die Finanzen hat die Stadt dabei immer im Blick. Und auch wenn die fetten Jahre momentan vorbei sind: Die Stadt bleibt weiterhin schuldenfrei. Allerdings verringern sich die Rücklagen, denn der aktuelle Haushalt zeichnet sich durch ein Defizit von 8,4 Millionen Euro aus. Susanne Widmaier hat in ihrer Amtszeit als Kapitänin mit ihrer Crew den Überblick behalten. Die Sitzungen der städtischen Gremien führte sie souverän, unaufgeregt, sie sorgte – wie es in Rutesheim Tradition hat – für einen respektvollen Umgang unter- und miteinander.
Warum dieser Rückblick? Gerade weil Rutesheim auch in finanziellen nicht so einfachen Zeiten solide dasteht, die Stimmung in der Stadt ausgewogen ist, Projekte vorangehen und das ehrenamtliche Engagement großgeschrieben wird, haben drei ernst zu nehmende Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen und wollen die Nachfolge von Susanne Widmaier antreten.
Bürgermeisterwahl in Rutesheim: Das Gesamtergebnis steht am Sonntag voraussichtlich gegen 19 Uhr fest
Diese qualitative Vielfalt gibt es nicht in allen Kommunen, wenn ein Bürgermeisterposten neu zu besetzen ist. Verwaltungserfahrung haben sowohl die Böblinger „Lokalmatadorin“ Bettina Beck (56) sowie der amtierende Bürgermeister von Riederich (Landkreis Reutlingen) Tobias Pokrop (48). Quereinsteiger ist der Dritte im Bunde: der Stuttgarter Diplom-Betriebswirt Alexander Fischer (49) war in den vergangen Jahren in der freien Wirtschaft tätig.
Die Wahlräume der insgesamt sieben Wahlbezirke in der gesamten Ortschaft sind am Sonntag von 8 Uhr am Morgen bis 18 Uhr geöffnet und laden zur Stimmabgabe ein. Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen auf sich vereint. Entfällt auf keine Person mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen, findet zwei Wochen später, am 22. Februar, eine Stichwahl zwischen den zwei Personen statt, die bei der ersten Wahl die meisten Stimmen erhalten haben.
Spannend wird es am Sonntag ab 18 Uhr: Die vorläufigen Wahlergebnisse werden in öffentlicher Sitzung in den sieben Wahlräumen sowie im Briefwahlvorstand ermittelt. Die Bekanntgabe des Gesamtergebnisses ist voraussichtlich gegen 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses geplant. Das Ergebnis der Wahl, eine Analyse und Stimmen gibt es zeitnah hier auf unserer Website.