Die Umgestaltung des Elbenplatzes und der Herrenberger Straße nennt die Stadt als gelungene Beispiele, um die Hitzebelastung zu senken (Archivbild Sommer am See). Foto: tefanie Schlecht

Böblingen ist beim jüngsten Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe durchgefallen. Die Stadt nimmt das Ergebnis offenbar ernst. Was sie jetzt tun will.

Die Lufttemperatur im Kreis Böblingen liegt derzeit über 30 Grad. Besonders heiß ist es in Städten, zwischen Beton und Asphalt schwitzen die Menschen. Da sollte es ein Alarmsignal sein, dass die Stadt Böblingen beim jüngsten Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe durchgefallen ist und eine rote Karte bekommen hat. Die Hitzebelastung ist in der Stadt stellenweise sehr hoch. Das kann die Gesundheit von Menschen gefährden. Man nehme die Ergebnisse des Hitze-Checks sehr ernst, teilt Stadtsprecher Peter Lausch mit. Sie unterstreichen demnach die „Dringlichkeit, Klimaanpassung konsequent weiterzuverfolgen.“

Welche Stadtteile besonders von der Hitze betroffen sind

Die DUH hat in ihrem Check einen „Hitzebetroffenheitsindex“ erstellt. Er setzt sich aus dem Grünanteil, dem Versiegelungsgrad, der Oberflächentemperatur – nicht die Lufttemperatur, die in der Regel niedriger ist – und der Einwohnerverteilung zusammen.

Böblingen hat laut DUH zwar viel Grün, doch der Versiegelungsgrad ist hoch, ebenso die Oberflächentemperatur und die Anzahl der Einwohner, die von Hitze betroffen sind. So ermittelte die DUH, dass in Böblingen mehr als die Hälfte der Einwohner (54,4 Prozent) in Stadtteilen leben, in denen die Hitzebelastung groß ist. 

Das sind vor allem Bereiche in der Innenstadt, rund um den Schlossberg, den Postplatz, den Bahnhof und im Flugfeldquartier. Entspannter stellt sich die Situation – wenig überraschend – in den Wohnvierteln am Stadtrand dar. Sie sind lockerer besiedelt, mit großen Gärten und nahe am Wald.

Temperaturen werden wohl weiter steigen

Blickt man nur auf die Höhe der Oberflächentemperatur, so stechen andere Bereiche in Böblingen und im benachbarten Sindelfingen noch stärker hervor: die Hulb und das Daimler-Werk in Sindelfingen mit über 42 Grad. Die Temperaturdaten liefert das Projekt „Urban Green Eye“, auf das sich auch die DUH bezieht. Allerdings fallen die Hulb und das Daimler-Werk beim Hitze-Check der DUH kaum ins Gewicht, die Bevölkerungsdichte ist dort zu gering.

Nimmt man die Ergebnisse des Hitze-Checks ernst, ist jetzt vor allem die Stadt gefragt. Mehr Grün, mehr Wasser und weniger versiegelte Flächen könnten ein Teil der Lösung sein. Denn von alleine wird die Hitzebelastung aller Voraussicht nach nicht sinken. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) prognostiziert in ihrem Klimaatlas für Böblingen einen Anstieg der Durchschnittstemperatur um 1,1 Grad zwischen 2021 und 2050 und eine Zunahme der heißen Tage, an denen die Temperaturen bei 30 Grad oder höher liegen.

Die Stadt Böblingen ist sich dieser Entwicklungen bewusst und will der Hitzebelastung entgegenwirken. „Wir ringen um jeden Baumstandort“, nennt Lausch als Beispiel. „Denn jeder Baum zählt im Kampf gegen die urbane Erhitzung.“ Tatsächlich haben sich Stadtverwaltung und Gemeinderat in der Vergangenheit trotz höherer Kosten für den Erhalt von Bäumen stark gemacht.

Was die Stadt tun will

Lausch listet eine Reihe weiterer Maßnahmen auf, darunter die Refill-Aktion, bei der Bürgerinnen und Bürger bei teilnehmenden Unternehmen in Böblingen kostenlos Trinkwasser auffüllen können, oder die Cool-Map des Landkreises, die kühle Rückzugsorte verzeichnet. Außerdem nennt Lausch die Pflanzung klimaresilienter Baumarten und die Berücksichtigung von Kaltluftschneisen – Aspekte die in der modernen Stadtplanung allerdings selbstverständlich sein sollten.

Der Stadtsprecher erklärt deshalb auch, dass darüber hinaus weitere „gezielte Schritte“ erforderlich seien. „Ein besonderer Fokus liegt dabei auf stark versiegelten Quartieren, die wir auf Entsiegelungs- und Beschattungsmöglichkeiten prüfen.“ Auch gewerbliche Flächen wolle die Stadt stärker in den Blick nehmen. Für einen Hitzeaktionsplan fehlte der Stadt vergangenes Jahr allerdings das Geld. Verwaltung und Gemeinderat einigten sich auf einen „Hitzeplan light“.

Studierende sollen Lösungen liefern

Vier studentische Projektgruppen der Hochschule Nürtingen-Geislingen bearbeiten dieses Sommersemester Fragestellungen zur Hitzeaktionsplanung in Böblingen. Themen sind laut Lausch unter anderem ein Katalog für Hitzeschutzmaßnahmen, die Begrünung von Bushaltestellen und ein Hitzekonzept für eine Schule.

Außerdem wollen sich die Studierenden anhand einer weiteren Schule in Böblingen anschauen, welches Potenzial die Begrünung von Fassaden in Hitze-Hotspots bringt. Eine Masterarbeit beschäftigt sich laut Lausch damit, wie Niederschlagswasser zur Bewässerung neu gepflanzter Bäume genutzt werden kann. Die Ergebnisse der studentischen Arbeiten werden voraussichtlich im Herbst im Gemeinderat vorgestellt.

Was Hitzeaktionspläne sind

Hitzeaktionsplan
Ein solcher Plan soll dazu beitragen, vulnerable Gruppen, die unter der Hitze besonders leiden, besser zu schützen. Es geht darum, überhaupt erst auf das Risiko von Hitze aufmerksam zu machen, Verhaltenstipps zu geben und die Hitzebelastung kurz- und langfristig zu senken. Das Landratsamt entwickelt einen solchen Plan für den gesamten Kreis Böblingen.

Projekt „Urban Green Eye“
Das Projekt wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Zwischen 2019 und 2024 hat es aus Satellitendaten die Oberflächentemperaturen für Deutschland – nicht die Lufttemperatur, die in der Regel niedriger ist – ermittelt. Auf seiner Homepage präsentiert es die Daten.

Temperaturdaten
Bei den Temperaturen auf der Hulb und beim Daimler-Werk handelt es sich um den Median der in den Sommermonaten gemessenen Oberflächentemperatur.