Pfarrer Andreas Roß hält am kommenden Sonntag einen Gottesdienst über das Einhorn – ein Exemplar hat er schon. Foto: SDMG

Was haben Einhörner mit Religion zu tun? Darüber spricht Pfarrer Andreas Roß in zwei Gottesdiensten am kommenden Sonntag.

Am kommenden Wochenende finden in Rohrau und Hildrizhausen Einhorngottesdienste statt. Ja, richtig gehört, Einhorngottesdienste. Auf die Idee gekommen ist Pfarrer Andreas Roß aus Hildrizhausen im Religionsunterricht für seine Erstklässler: Einhörner – sie sind auf Mäppchen, Schulranzen, auf T-Shirts und Jacken. Was viele Kinder (und Erwachsene) allerdings nicht wissen: Das Einhorn ist nicht nur ein trendiges Fantasiewesen, es ist auch ein altes Symbol für Jesus. Das will Pfarrer Roß in zwei Gottesdiensten – einen für Erwachsene und einen für Kinder – am kommenden Sonntag aufgreifen.

„Es überrascht viele Menschen, dass das Einhorn 2000 Jahre lang in unserer Bibel stand“, erzählt der Hausemer Pfarrer. Doch wie kam es dazu? Glaubten die Menschen so lange an Einhörner? Tatsächlich sei das Einhorn in der Bibel auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen, der sich rund 200 vor Christus eingeschlichen habe, erklärt Andreas Roß. Erst vor rund 60 Jahren wurde das Wort aus der Lutherbibel entfernt und stattdessen mit „Wildstier“ übersetzt. Durch den Übersetzungsfehler kommen die Fabelwesen häufig in religiöser Kunst vor. „Im Dom von Erfurt sind beispielsweise Einhörner abgebildet“, erklärt Andreas Roß.

Das Einhorn ist ein altes Symbol in der Theologie

Das Einhorn stehe dabei immer für Jesus und seine Stärke, sagt der Hausemer Pfarrer. Der aktuelle Einhorn-Trend sei an ihm zunächst vorbeigegangen bis er bei seinen Erstklässern Einhörner in sämtlichen Formen erspähte. Dann kam ihm die Idee, das Thema in einem Gottesdienst aufzugreifen: „Ich habe direkt Feldforschung betrieben“, sagt er scherzhaft. Was verbinden die Kinder mit Einhörnern? Diese Frage interessierte ihn. Es stellte sich heraus, dass die Kinder Einhörner als Helfer und Beschützer sehen. „Ich hatte das Gefühl, dass die Kinder Einhörner mit Eigenschaften verbinden, die frühere Generationen mit Engeln verbunden haben“, sagt der Pfarrer. Das Thema für seinen Gottesdienst war also schnell gefunden.

Immer wieder versucht der Pfarrer aus Hildrizhausen Themen aus der Mitte der Gesellschaft aufzugreifen. Für ihn sei Glaube etwas für den Alltag, nicht nur für Sonntage. In der Vergangenheit gestaltete er unter anderem einen Rosengottesdienst – nun steht eben ein Einhorngottesdienst bevor. „Ich rede halt mit den Leuten und stelle gerne Fragen“, erzählt er. Beim Kindergottesdienst in Hildrizhausen dürfen die Kinder ihre Einhörner mitbringen. Da werden sie in guter Gesellschaft sein: Auch Pfarrer Andreas Roß hat sich nämlich im Zuge der Vorbereitung für den Gottesdienst das ein oder andere Einhorn angeschafft.

Gottesdienste am 1. Juni

Rohrau
Der Gottesdienst in der Rohrauer Christuskirche um 9 Uhr richtet sich an Erwachsene. Pfarrer Andreas Roß wird im Gottesdienst in Rohrau auf die Hintergründe des Einhorns in der Bibel und auf die christliche Deutung dieses Fabelwesens eingehen.

Hildrizhausen
Auch beim Familiengottesdienst um 10.30 Uhr in der Nikomedeskirche in Hildrizhausen geht es um die Verbindungen zwischen dem Einhorn und Gott. Kinder sind aufgerufen, ihr Einhorn mitzubringen. Nach dem Gottesdienst gibt es ein Kirchenkaffee und für die Kinder eine Überraschung.