Ringer Marius Braun aus Böblingen hat beim internationalen Turnier in Bulgarien die Bronzemedaille geholt. Es ist seine erste Medaille seit einer lebensbedrohlichen Darmerkrankung vor drei Jahren.
Böblingen - So ganz kann er es immer noch nicht glauben. Marius Braun, der aus Holzgerlingen stammt und inzwischen in Böblingen lebt, hat beim internationalen Turnier des internationalen Ringerverbands UWW in Bulgarien den dritten Platz belegt. Es ist die erste Medaille, die er bei einem solchen Wettkampf seit einer lebensbedrohlichen Darmerkrankung im Jahr 2018 gewonnen hat. „Irgendwie habe ich nicht mehr daran geglaubt, dass so etwas noch einmal möglich sein wird“, sagt er.
2018 musste sich der 28-Jährige insgesamt sechs Operationen am Bauch unterziehen, nachdem bei ihm eine seltene Darmerkrankung diagnostiziert worden war. Wochenlang kämpfte er ums Überleben. In der Ringerszene wurde er damals abgeschrieben. Doch er kam zurück, stand nicht einmal ein halbes Jahr später wieder in der Bundesliga für die Red Devils Heilbronn auf der Matte. Im Januar 2020 folgte der nächste große Rückschlag. Er riss sich im das hintere Kreuz- und das Außenband im Knie. Doch anstatt es so hinzunehmen und die Karriere zu beenden, kommt Braun erneut im Rekordtempo zurück und stieg nur ein halbes Jahr später wieder ins Training ein.
Bis Corona ihn ausbremste. Fast ein ganzes Jahr lang finden keine Wettkämpfe statt. Sein Team, die Red Devils Heilbronn, melden sich nicht zur Corona-Saison in der Bundesliga an. Also startet er für die KSV Köllerbach. Doch für diese stand er nur dreimal auf der Matte, dann wurde die Saison wieder abgebrochen.
Freie Zeit fürs Training genutzt
Also blieb dem 28-Jährigen nur das Training. Als Leistungssportler darf er das auch während des Lockdowns. Nahezu jeden Tag ist er bei seinem Kumpel Frank Stäbler, dem mehrfachen Ringer-Weltmeister, in Musberg, ab und zu auch am Olympiastützpunkt in Heidelberg und fährt mit den Kollegen von der Nationalmannschaft in Trainingslager. Egal in welcher Gruppe, Braun gehört immer zu den fleißigsten. Sein Kumpel Stäbler bezeichnet ihn gerne auch als Freak, weil Brauns Energie im Training unnachahmlich ist, er immer Bock hat, die anderen mitreißen kann und er auch gerne bis an die körperlichen Grenzen geht.
Also fuhr er im April topfit zum ersten Wettkampf seit Langem nach Plovdiv, ging in der 82-Kilogramm-Klasse im griechischrömischen Stil an den Start. Vor dem ersten Kampf machte sich dann die Nervosität breit. „Ich bin sowieso immer einer, der extrem aufgeregt ist“, gibt er zu. Dazu kamen die Umstände. Nach einer so langen Zeit wusste er nicht, wie er im Vergleich zu seinen Konkurrenten steht. „So ein Turnier mit drei Kämpfen an zwei Tagen ist noch einmal etwas ganz anderes als die Bundesliga, in der du nur einen Kampf pro Abend hast und dich gut auf deinen Gegner vorbereiten kannst“, erklärt er. International tritt er zudem eine Gewichtsklasse tiefer an, muss in den Tagen vor den Kämpfen immer „Gewicht machen“, wie es in der Fachsprache heißt. In kurzer Zeit einige Kilos abspecken. Dazu schwirrte ihm die Vorgeschichte mit der Darmerkrankung und dem kaputten Knie durch den Kopf. Er machte sich Sorgen, ob alles hält.
Bei der Siegerehrung kommen Emotionen hoch
Doch all das legte sich ganz schnell, als er im Viertelfinale auf der Matte stand und den Türken Samet Yaldiran bezwang. „Ich konnte den Kopf zum Glück wieder ausschalten.“ Im Halbfinale unterlag er anschließend Bakuri Gogoli aus Georgien. Dafür gewann er den Kampf um den dritten Platz gegen Dogan Kaya (Türkei) und sicherte sich somit Bronze. Die Freude war riesig, der Moment bei der Siegerehrung sehr emotional. „Das letzte Mal, das mir so ein Ergebnis gelungen ist, war kurz vor der ersten Darm-OP“, sagt er. Damals hätte er sich in absoluter Top-Form befunden und um eine Teilnahme an der Europameisterschaft gekämpft.
Diese finden in dieser Woche in Warschau statt. „Davon bin ich im Moment aber noch zu weit weg“, weiß Braun. Die Konkurrenz auf nationaler Ebene sei extrem stark. Das weiß er nicht zuletzt durch die Lehrgänge beim Deutschen Ringerbund, an denen er regelmäßig teilnimmt. In seiner Gewichtsklasse ist Hannes Wagner aktuell gesetzt, der im letzten Jahr bei der EM Bronze holte. „Ich muss mich jetzt erst einmal wieder öfter zeigen“, sagt der Böblinger. Durch das gute Ergebnis hat er noch einmal zusätzliche Motivation geschöpft, es habe ihn erneut darin bestätigt, alles richtig gemacht zu haben. „Das war ein guter Anfang. Mal schauen, wie es in den nächsten Monaten mit Corona und Wettkämpfen weitergeht.“