Mehr als Sonne und Sand: Teneriffa ist ein Wanderparadies. Nationalparks locken mit attraktiven Touren. Die alte Insel-Hauptstadt La Laguna ist ein perfekter Startpunkt.
Im Süden steppt der Bär. In Los Cristianos, in Playa de las Américas und drumherum. Bis zum Flughafen Teneriffa Sur sind es nur ein paar Kilometer. Sonne und Sand, dazu Bars und Einkaufscenter, deren überfüllte Parkplätze ein irritierendes Gewirr aus Kreisverkehren verbindet. Dazwischen schieben nackte, braune Männerbäuche über weiten Tennishosen in Zeitlupe die fleischgewordene Botschaft „Wir haben Zeit, wir haben Urlaub“ über die Zebrastreifen.
Eine gute Autostunde entfernt ist das alles ganz weit weg. Im Nordwesten. Zum Beispiel in La Laguna, seit 1999 Unesco-Weltkulturerbe, der auf kühlen 500 Höhenmetern in der Einflugschneise der Passatwolken zwar die Sonnengarantie fehlt, die aber jene selbstbewusste und gebildete Ruhe ausstrahlt, die sie zu einem idealen Ausflugsort macht, in dem man gern ein paar Tage länger verweilt. In den behutsam renovierten Gassen schlägt nicht nur nach Meinung von Sandra Ramos, der Wanderführerin, das kulturelle Herz Teneriffas.
Im historischen Herzen Teneriffas
Wer sich ein paar ruhige Minuten auf der Plaza del Adelantado im historischen Zentrum gönnt, spürt die Bedeutung und die Geschichte der früheren Insel-Hauptstadt, wo 1701 die erste Universität der Kanaren gegründet wurde und der heute 40 000 Studierende ein junges Gesicht geben.
Noch immer entsprechen die zum Ende des 16. Jahrhunderts angelegten Karrees dem Ordnungsideal der Renaissance. Ihr ursprünglicher Stadtgrundriss ist bis heute fast vollständig so erhalten, wie er von dem Meister Leonardo Torriani in seinem Stadtplan festgehalten wurde.
Wanderungen im Nationalpark Anaga
Die Straßen sind voller Leben. Unzählige Geschäfte, Cafés und Tascas reihen sich aneinander. Die restaurierte Kathedrale, die Kirche La Concepción, das Franziskanerkloster Real Santuario del Santísimo Cristo, das die dunkelhäutige Statue des Santísimo Cristo beherbergt, oder die Casa de los Capitanes sind nur einige Stationen, an denen man nicht vorbeigehen sollte.
Vor allem aber ist La Laguna ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen im Nationalpark Anaga. Am besten bestellt man sich für rund 20 Euro ein Taxi für den Ausflug über eine der beiden serpentinenreichen Zugfahrten zum Mirador Cruz del Carmen (auch die Busverbindungen sind nicht schlecht), weil der Parkplatz in der Regel von Touristen belegt ist, die nur einen schnellen Blick in die Ferne werfen wollen.
Doch von hier führt ein gut ausgeschilderter Pfad durch feuchte Waldgebiete hinterunter bis zu den Höhlenhäusern nach Chinamada, wo das Taxi auf die Rückfahrt wartet. Sandra Ramos, die Wanderführerin, kann sich in der dünn besiedelten Region nicht sattsehen an den Blumen wie dem Natternkopf oder der Kanarischen Glockenblume. Oder an den Lorbeerbäumen und der bizarren Baumheide. Oder an den schwarzen Amseln und den Kanarienvögeln. Oder, oder, oder . . .
Wander-Höhepunkte im Teno
Gut 20 Kilometer weiter warten im Teno, dem zweiten Nationalpark Teneriffas, weitere Wander-Höhepunkte. Von dem Kopfsteinpflaster-Idyll Garachico aus, wo an der Lavaküste bei ruhiger See Naturpools zum Baden locken, führt im Schatten des Teno-Massivs ein Weg nach Buenavista zu Salzsenken, aus denen noch immer Salz geerntet wird.
„Eigentlich hatten die Leute hier immer Pech“, sagt Sandra Ramos und erzählt vom Vulkanausbruch 1706 und von der Pest. Vom Klosterdorf geht es hinauf zur Masca-Schlucht. Auch hier sind Parkplätze rar. Die rund sechsstündige Tour zum und vom Strand (drei Stunden hin, zweieinhalb zurück, maximal 120 Wanderer pro Tag, nur mit Führung und nach Anmeldung) entschädigt aber.
Lange führte keine Straße zu dem an mehrere Hänge gebauten 100-Seelen-Dorf, und manchmal erinnert ein Lanzenspringer (ursprünglich ein Hirte), der mithilfe dreieinhalb Meter langer Stöcke schneller als zu Fuß akrobatisch die Hindernisse an den steilen Hängen überwindet, an die alten Zeiten.
Info: Anreise
Flug ab Stuttgart nach Teneriffa mit Tuifly (www.tui.com) oder Condor (www.condor.com).
Unterkunft
Puerto de la Cruz: Hotel El Botanico (5 Sterne), luxuriöses, kürzlich renoviertes und privat geführtes Stadthotel mit zwei großen Pools und einem ambitionierten Oriental Spa, Doppelzimmer ab 254 Euro, www.hotelbotanico.com.La Laguna: Hotel Nivaria (4 Sterne), zentral in der Altstadt gelegen, stilvolles Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert, DZ ab 90 Euro, www.lagunanivaria.com.Garachico: Hotel La Quinta Roja (4 Sterne), rustikale Zimmer in einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, DZ ab 125 Euro, www.quintaroja.com.Santa Cruz: Albergue Bolico (2 Sterne), einfaches Hostel im Naturpark Teno, DZ ab 50 Euro, www.alberguebolico.com.
Aktivitäten
Wandern in den Nationalparks Teide, Anaga und Teno, verschiedene auch mehrtägige Touren, buchbar bei El Cardon, https://elcardon.com
Essen und Trinken
Typische Spezialitäten der Insel sind Papas Arrugadas mit Mojo – „runzelige Kartoffeln“ mit einer Salzkruste. Dazu grüne oder rote Mojo, eine Soße, die aus Öl, ein wenig Essig und Knoblauch besteht.
Conejo Salmorejo ist Kaninchen in einer Beize aus Wein, Essig und Öl mit diversen Gewürzen.
Natürlich Garnelen, Muscheln und Krebse. Empfehlenswerte Lokale: Meson del Norte in Buenavista, www.restaurantemesondelnorte.es, oder El Obispado in La Laguna, www.tascaobispado.es.
Weitere Infos
Spanisches Fremdenverkehrsamt, www.spain.info
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