Alle packen mit an: Katharina Schweizer-Wintermantel aus dem Steueramt und Azubi Abdul Rahman Salfiti. Foto: Eibner-Pressefoto/Sandy Dinkelacker

Aus alt mach neu: Weil das Altdorfer Rathaus saniert wird, muss die Verwaltung vorübergehend umziehen. Für mindestens ein Jahr schaffen Erwin Heller und seine Mitarbeitenden nun nebenan – in einem Gebäude, das einst als Wohnhaus und Stall diente. Mit allen Konsequenzen.

Die Räder des kleinen Transportrollers rattern über das Pflaster vor dem Interimsquartier der Altdorfer Verwaltung direkt neben dem Rathaus. „Da kommt mein Schreibtisch“, ruft Bürgermeister Erwin Heller, und zeigt auf zwei Umzugshelfer des Sindelfinger Unternehmens Derichsweiler, die den großen hellen Holztisch hochkant vom Rathaus herrollen. Ein Jahr lang werden Heller und seine Verwaltung ihren eigentlichen Arbeitsplatz nur von außen sehen – wenn alles nach Plan läuft.

Umzug über den Hof

Wie berichtet, ist das Altdorfer Rathaus in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Das Archiv ist undicht, und in den Büros zieht es – besonders bei Westwind. In dieser Woche sind Heller und die 15 Mitarbeitenden aus dem Verwaltungsgebäude mit der Fachwerkfassade in das Nachbarhaus am Kirchplatz 4/1 umgezogen. „Wir haben schon seit Wochen immer wieder Dinge in Kisten gepackt“, sagt Heller. „Aber am Montag haben wir so richtig losgelegt, und der Dienstag war der Schwerpunkt. Da haben alle mit angepackt und alles in Kartons verstaut.“

Seit 7 Uhr an diesem Morgen sind Mitarbeitende wie Umzugsunternehmen am Werk – und das, obwohl am Tag zuvor Gemeinderat war und viele erst um Mitternacht zu Hause waren. Der Vorteil an dem Umzug sind die kurzen Wege. So braucht es keinerlei Autos oder Möbelwagen, um das Mobiliar zu bewegen; alles wird zu Fuß getragen oder auf Sackkarren gefahren. Immer wieder huschen Hellers Kollegen mit Büroschränkchen, Stehlampen und Schreibtischstühlen hin und her. „Wir wollen die Büromöbel möglichst schnell aufstellen, so kann die EDV möglichst schnell alles anschließen“, sagt der Bürgermeister.

Im Rathaus auf Zeit ist schon alles vorbereitet: Die Kabelstränge für Strom und EDV sind verlegt, die neu angeschafften LED-Lampen stehen in den Büros – und die Badezimmer der Wohnungen hat der Bauhof der Gemeinde in Kopiererräume und Materiallager verwandelt. Badewanne und Dusche sind mit Holzplatten abgedeckt, die Toilette ist verschwunden. In der Küche stehen noch die Postablagen der einzelnen Abteilungen herum, „aber die kommen da noch weg“, sagt der Schultes.

Hilfe zwischen Tür und Angel

Inzwischen haben die Jungs vom Umzugsunternehmen Hellers Schreibtisch in sein neues Büro geschafft – über die Treppe des Balkons. Am Garderobenständer hängt schon ein Feuerwehrhelm, die hohen Regale passen ganz knapp unter die Zimmerdecke. Allerdings ist auch der Besprechungstisch aus dem alten Bürgermeisterbüro im neuen gelandet. Platz hat es dafür im Interimsquartier allerdings nicht, der große weiße Kachelofen in der Zimmerecke fordert mit seiner Sitzbank mehr Raum ein als gedacht. Auch wenn er im Winter ein Pluspunkt sein könnte. Und auch einige Pflanzen haben auf dem Kaminsims schon ihren Platz gefunden. Der Besprechungstisch samt Stühle werden also wohl noch einmal umziehen müssen.

Für die Altdorfer Bürger soll der Umzug so wenig wie möglich zur Behinderung werden. Einen trifft es an diesem Morgen aber doch, dass er nicht wie gewohnt ins Rathaus kann. „Ich habe einen Notfall“, sagt der Bürger dringlich. Wenig später steht er mit Bürgermeister Heller und einer Mitarbeiterin des Bürgerbüros an einem Fenster: Sein Anliegen kann dennoch bearbeitet werden.

Haus soll wieder Wohnraum werden

Während es noch etwas dauert, bis das Interims-Rathaus uneingeschränkt empfangsbereit ist, soll das Bürgerbüro in der ehemaligen Doppelgarage des Wohnhauses schon an diesem Freitag wieder zu den gewohnten Öffnungszeiten zugegen sein. „Am Freitag kommt dann auch noch die Beklebung mit dem Schriftzug Bürgerbüro und den Öffnungszeiten an die Glastüren.

Das Wohnhaus, in dem die Verwaltung nun untergekommen ist, ist in kommunalem Besitz und war bis vor Kurzem vermietet. Wenn das Rathaus saniert ist, so Heller, sollen dort auch wieder Mieter einziehen können. „Wir haben hier relativ wenig gemacht“, so Heller. Die Kanäle mit den Kabeln könnte man nachher auch einfach wieder abnehmen. Die größten Veränderungen sind die Glastüren, wo vorher die Garagentore waren, und der Ausbau des ehemaligen Stalls. Dort sollen vorübergehend Registratur und Archiv untergebracht werden. Bisher hatte hier der Wassermeister sein Lager.

Rathaus bekommt einen Aufzug

Im Rathaus selbst sieht es gespenstisch aus. Umzugskartons stapeln sich an den Wänden bis fast zur Decke, Tastaturen, Computermäuse und Kabel liegen in Knäueln und Häufchen auf den Fensterbrettern – die Schreibtische sind ja schon umgezogen. Und im ehemaligen Sitzungssaal klaffen große Löcher in der Wandverkleidung, sodass das nackte Fachwerk deutlich zu sehen ist.

Im Zuge der Sanierung müssen die Wände zunächst gedämmt werden, damit das Fachwerk nicht fault. Zudem müssen IT, Elektrik, Wasser- und Abwasserleitungen erneuert werden. Um den Keller, in den nach der Sanierung das Archiv einziehen soll, tauglich zu machen, müssen die Wände von außen abgegraben und abgedichtet werden, auch eine Drainage ist nötig. Die Bodenplatte wird erneuert. Komplett neu gebaut wird ein Aufzug – die Barrierefreiheit des Rathaus ist ausbaufähig.

Zwei Chancen zum Ausmisten

Wann genau die Arbeiten im Rathaus losgehen, und wer sie übernimmt, das wird nach einer Sondersitzung des Gemeinderats am Donnerstag, 15. Juni, bekannt. Dann sollen 18 Gewerke für die Arbeiten am Gebäude vergeben werden. Aktuell geht man von Kosten von 3,4 Millionen Euro aus.

Bürgermeister Heller sieht den Umzug positiv. So habe jeder zweimal – jetzt und nach der Sanierung – die Chance, sich von Dingen zu trennen, die nicht mehr gebraucht werden. „Ich bin etwas der Sammler-Typ“, gesteht er. Die letzten Kartons, Topfpflanzen und Seifenspender aus dem Rathaus sollen an diesem Freitag in ihr neues Zuhause einziehen.