Nebel über dem Boden, Nordlichter am Himmel. Dem Fotografen ist hier ein besonderes Foto gelungen. Foto: Frank Marin Eisele

Ein seltenes Himmelsspektakel verzaubert den Kreis Böblingen: Polarlichter in Rot und Grün tanzen über Dagersheim, Grafenau, Altdorf und Herrenberg. Was Hobbyfotografen dabei erlebten.

Es war zunächst nur ein leichter roter Schimmer, der sich am Montag, 19. Januar, gegen 21 Uhr am Himmel zeigte. Über die nächsten zwei Stunden hinweg tanzten dann breite Bänder in Rot und Grün am Firmament – unter anderem über Altdorf, Darmsheim, Grafenau und Herrenberg. Es waren Polarlichter, die den Kreis Böblingen in ein gespenstisch-schönes Licht tauchten. In ganz Deutschland, von Ostfriesland und Berlin bis in die Alpen, war das Himmelsspektakel zu sehen. Was für viele eine außergewöhnliche Überraschung am Abendhimmel war, dem haben Hobbyfotografen regelrecht entgegengefiebert.

Einer der letzteren ist Frank Martin Eisele aus Sindelfingen. Er sei in diversen Foren unterwegs, die sich mit dem Thema Nordlichter befassen, habe auch Warnapps installiert, die auf das seltene Schauspiel hinweisen. „Ich bin schon um 20 Uhr auf ein Feld bei Darmsheim gefahren“, sagt er. Um 21.14 Uhr habe er dann das erste Polarlicht fotografiert. Bereits im Mai 2024, als ein Sonnensturm dem Kreis Böblingen gut sichtbare Nordlichter bescherte, habe Eisele auf diesem Feld eine gute Aussicht gehabt, wie er erzählt. Damals hatte der stärkste Sonnensturm seit 20 Jahren Nordlichter ausgelöst. „Dieses Mal war es da total überlaufen.“

Nordlichter sind im Kreis Böblingen selten

Polarlichter entstehen in der Regel, wenn es auf der Sonne heftige Stürme gegeben hat. Geladene Teilchen treffen dann auf die Erdatmosphäre und bringen die Atome dort zum Leuchten. Die Farben – rot, grün, lila oder gelegentlich sogar blau – kommen von den verschiedenen Gasen, die dort getroffen werden – und hängen auch von der Höhe ab. Je nach Position auf der Erde werden die Himmelslichter als Nord- oder Südlichter bezeichnet.

„Es gibt nicht tagtäglich Polarlichter in Deutschland“, erklärte der Meteorologe Kai-Uwe Nerding vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „In der Ausprägung, wie in der vergangenen Nacht, war es ein seltenes Ereignis.“ Anders als bei dem Sonnensturm im Mai 2024, rechnet der DWD nicht damit, dass die Nordlichter noch eine weitere Nacht am Himmel tanzen werden.

Für Eisele und die anderen Fotografen, die ihre Fotos an die Zeitung geschickt haben, wurde die Nacht nach dem ersten sanften Rotschimmer am Himmel erst richtig spannend. Ein Nordlichtjäger werde schnell wählerisch, sagt er. „Rote Beamer, die nach links und rechts tanzen, sind schon fast langweilig geworden.“ In der Region Stuttgart könne durch die Lichtverschmutzung das grüne Nordlicht kaum durchbrechen, daher komme ein roter Schimmer am häufigsten vor. Später am Montagabend allerdings prangte ein giftgrünes Band über dem Kreis Böblingen, das lebhaft am Himmel flackerte. „Das war echt was Besonderes“, schwärmt Eisele. „Was da am Ende für eine Show abging, war echt der Wahnsinn.“