Ein Anblick, an den man sich leider gewöhnen muss: Der alte Steg am Bahnhof wird frühestens Ende 2023 abgerissen. Foto: Gottfried / Stoppel

Der geplante Metallsteg am Bahnhof Backnang wird später fertig, teurer und statt mit vier zunächst nur mit zwei Aufzügen ausgestattet. Das bringt Probleme mit sich.

Der Bahnhof in Backnang soll sich in den kommenden Jahren zu einer modernen, funktionstüchtigen „Mobilitätsdrehscheibe“ entwickeln. Um dies zu erreichen, sind zahlreiche millionenschwere Umbauarbeiten geplant. Gleise sollen erhöht, der Zentrale Omnibusbahnhof verlegt sowie eine neue, barrierefreie Überführung mit vier Aufzügen gebaut werden – sie soll den bestehenden Metallsteg ersetzen.

Die Zeit drängt, denn wer mit der Deutschen Bahn, beziehungsweise auf deren Gelände bauen will, muss sich an vereinbarte Sperrzeiten halten, die Jahre im Voraus festgelegt werden und so gut wie keinen Spielraum lassen. Doch die Brücke hat sowohl der Stadtverwaltung als auch den Kommunalpolitikern ordentlich Kopfzerbrechen bereitet. Geplant worden war die rund 60 Meter lange Überführung über die Gleise im Jahr 2019 zunächst als „verglaste Holzbrücke“, erklärt Hochbauamtsleiter Andreas Stier. Diese Brücke hätte damals voraussichtlich knapp sechs Millionen Euro gekostet. Zu teuer, befand der örtliche Gemeinderat vor zwei Jahren und beschloss, nach einer günstigeren Lösung zu suchen. Gefunden wurde sie in Form eines Entwurfs des Architekturbüros Schlaich Bergermann Partner, das den Zuschlag erhielt für einen Steg aus Metall. Er sollte eigentlich rund 1,5 Millionen Euro preiswerter sein als die Holzbrücke.

Mehrkosten wegen Corona und Stuttgart 21?

Eigentlich. Denn daraus wird nichts, wie in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Winterpause deutlich wurde. Aktuell geht man laut Beschlussvorlage von Gesamtbaukosten in Höhe von rund sieben Millionen Euro aus. Auf Antrag der Verwaltung stimmten die Räte einem Beschluss zu, der Mehrkosten für die Arbeiten in Höhe von rund 665 000 Euro vorsieht. In erster Linie geht es dabei um umfangreiche Umbauarbeiten an den Oberleitungen, der Leit- und Sicherungstechnik sowie den elektrischen Energieanlagen – wofür nur spezielle Fachfirmen infrage kämen.

„Es gibt im deutschsprachigen Raum nur ein Dutzend Firmen, die derartige Arbeiten ausführen können“, erklärt Andreas Stier auf Nachfrage. Trotz intensiver Suche und rechtzeitiger Ausschreibung habe man zunächst keine potenziellen Bieter gefunden, wodurch sich die Maßnahme zum einen verzögert und zum anderen auch verteuert hat. Aufgrund der besonderen Marktsituation für bahnspezifische Bauleistungen sowie offenbar zahlreicher anderer Baumaßnahmen (vor allem Stuttgart 21) sei die Vergabe trotz intensiver Begleitung des Verfahrens erfolglos geblieben, so Stier. Diese Verzögerung habe neben dem coronabedingten Anstieg der Materialkosten zu zusätzlich höheren Preisen geführt: Denn statt eines Bieterwettbewerbs um das niedrigste Angebot mussten Firmen direkt angesprochen und für die Arbeiten gewonnen werden.

Immerhin soll es im kommenden Januar endlich mit den Bauarbeiten losgehen. „Die Sperrzeiten hat uns die Bahn zwar schon gekürzt, wir gehen dennoch davon aus, dass wir im Zeitplan bleiben“, sagt Stier. Vorgesehen ist, dass der neue, 62 Meter lange und rund vier Meter breite Steg Ende 2023 fertig sein soll. Das alte Bauwerk könnte dann im Dezember abgerissen werden – vorausgesetzt, alles läuft nach Plan.

Vollständige Barrierefreiheit dauert bis 2025

Absolut nicht nach Plan gelaufen ist die Frage der Barrierefreiheit. Denn laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn werde mit dem Bau von zwei der vier Aufzügen auf dem Bahngelände erst im Jahr 2025 begonnen. „Wir gehen aktuell davon aus, dass das Planrecht, das einer Baugenehmigung entspricht, frühestens Ende 2024 vorliegt.“ Im Anschluss daran könnte mit der Vergabe und Ausführung des Projekts gestartet werden. „Der Baubeginn wäre dann wie geplant im Jahr 2025.“ Die Idee, den Bau der Aufzüge vorzuziehen und im Zusammenhang mit der Errichtung des Stegs umzusetzen, „wurde Anfang 2022 mit der Stadtverwaltung besprochen und als nicht umsetzbar bewertet“, erklärt die Sprecherin.

Stadt Backnang durfte Aufzüge der Bahn nicht vorfinanzieren

Dazu ergänzt Andreas Stier, dass die Stadt Backnang nur die beiden äußeren Aufzüge selbst bauen kann, die nicht auf bahneigenem Grund stehen. „Das sind der Aufzug an Gleis 1 und derjenige, der nach Büttenenfeld führt.“ Die beiden Aufzüge, die zu den Gleisen 2 bis 5 führen, hätte Backnang gern vorfinanziert, beziehungsweise auch vorzeitig bauen lassen. Doch die Bahn habe „mit der geänderten Konstruktion des Stegs gesagt, dass sie die Aufzüge selbst bauen wolle und dass dies nicht durch Dritte erfolgen könne“.

So werden die Bahnkunden in Backnang noch mehr als zwei Jahre lang mit den Treppen vorliebnehmen müssen.