Die nasse Fahrbahn verdeutlicht das Problem: Tausalze dringen so in den Beton ein. Foto: Stefanie Schlecht

Betroffen sind 143 öffentliche Stellplätze – für Dauerparker und Kurzzeitparker. Dies sind die Gründe für die Sanierung.

Autofahrer müssen sich ab März in der Böblinger Innenstadt bei der Parkplatzsuche auf Einschränkungen einstellen, Anlieger auf Lärm. Die Tiefgarage Postplatz – gegenüber dem Penny-Markt – wird ab Montag, 9. März, umfassend saniert und für mindestens sieben Monate voll gesperrt, teilen die Stadtwerke Böblingen (SWBB) mit. Die SWBB betreiben das Parkhaus.

Dadurch fallen 143 öffentliche Parkplätze weg, darunter 100 für Dauerparker. Außerdem betroffen sind rund 60 private Stellplätze, die zum Gebäude gehören, und zwei Stellplätze, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) nutzt.

Warum die Tiefgarage Postplatz saniert wird

Als Grund für die umfangreichen Arbeiten nennt Robert Patak, Leiter Liegenschaften bei den SWBB, Schäden in der Betonfahrbahn der Tiefgarage. Vor Ort ist davon mit bloßem Auge kaum etwas zu sehen. Nur die nasse Fahrbahn deutet auf das Problem hin. Es geht, so Patak, vor allem um Tausalze, die über die Jahre in die Fahrbahn eingedrungen sind und langsam aber sicher die Stahlbewehrung im Beton zerfressen. Sprich: Der Beton verliert seine Tragfähigkeit. „Das Gefährliche daran: Man sieht es von außen kaum.“

Die Einfahrt an der Stuttgarter Straße Foto: Stefanie Schlecht

In den vergangenen 15 Jahren seien alle zwei bis drei Jahre Probebohrungen gemacht worden, um den Prozess im Blick zu behalten. Jetzt sei der Moment für die Sanierung gekommen. Aktuell sind demnach 1,5 Millionen Euro für die Arbeiten eingeplant. Den Großteil, nämlich 1,4 Millionen Euro, zahlen laut Unternehmenssprecherin Birte Engel die Stadtwerke, den Rest die Wohnungseigentümergemeinschaft des Gebäudes.

Neuer Anstrich geplant

Die Kosten umfassen demnach auch die Instandsetzung der Stützsäulen und Lärmschutzmaßnahmen während der Bauphase. „Es wird sehr laut werden“, sagt Sabine Kaebert, Technische Geschäftsführerin der Stadtwerke. Damit möglichst wenig Schall nach draußen dringt, würden die Fenster, das Treppenhaus und alle Lichtschächte abgedichtet.

Zum Teil wird der Boden aufgestemmt, zum Teil mithilfe von extrem kräftigen Hochdruckwasserstrahlern entfernt, wie Patak erläutert. Danach soll die Bewehrung überall dort, wo notwendig, ausgetauscht und der Beton neu ausgebracht werden. „Auf den neuen Beton kommt dann eine Beschichtung, die verhindert, das Tausalze eindringen“, sagt Kaebert. Zum Schluss wird das Parkhaus neu gestrichen. „Dadurch wird es heller, ähnlich wie im Parkhaus in der Kongresshalle und im Höfle.“

Parkhaus bereits vor fünf Jahren gesperrt

Der Start für die Sanierung ist für Montag, 9. März, angesetzt, bis dahin müssen alle Autos draußen sein. Für Dauerparker gebe es Ausweichmöglichkeiten im Parkhaus am Marktplatz oder in der Tiefgarage der Kongresshalle. Kurzparker verweist sie auf das Parkdeck „Am Käppele“ sowie ebenfalls das Parkhaus am Marktplatz.

Man könne allen Dauernparkern Alternativen anbieten. Aber: „Wir müssen es nicht schönreden“, sagt Engel, „sie haben in dieser Zeit längere Fußwege als jetzt.“ Die meisten dürften damit bereits Erfahrung haben. Vor fünf Jahren war das Parkhaus rund sechs Monate gesperrt, um die Sicherheitstechnik auszubauen. Hätte in diesem Zuge nicht auch der Boden saniert werden können? Patak verneint. Die Arbeiten hätten beispielsweise nicht parallel durchgeführt werden können und die Sperrung hätte dann statt einem halben Jahr eineinhalb Jahre gedauert.

Erste Stunde im Parkhaus kostenlos

Die Einschränkungen während der siebenmonatigen Sperrung umfassen voraussichtlich vor allem längere Laufwege und Lärm. Parkplätze dürften in den anderen Parkhäusern weiterhin ausreichend zur Verfügung stehen. Die Auslastung der städtischen Tiefgaragen liegt ohnehin unter den Erwartungen.

Vergangenes Jahr hatten Stadtverwaltung und Gemeinderat beschlossen, die Parkgebühren in der Innenstadt anzupassen – ein Grund war der Versuch, die städtischen Tiefgaragen attraktiver zu machen. Auf der Straße kostet das Parken inzwischen mehr, in den Tiefgaragen zahlt man dafür in der ersten Stunde nichts und dann tagsüber für jede weitere Stunde 1,50 Euro.

Die Tiefgarage Postplatz ist laut Patak das letzte Parkhaus der SWBB, das umfangreich saniert wird, alle anderen haben das schon hinter sich. Sofern nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt, sollten die SWBB-Parkhäuser in den kommenden Jahren also ohne größere Unterbrechungen zur Verfügung stehen.

Parkgebühren in Böblingen

Anpassung
Die Stadt hat im vergangenen Jahr in der Innenstadt die Parkgebühren erhöht. Der Brezeltarif (30 Minuten Parken) kostet beispielsweise 50 Cent statt wie bisher zehn Cent. Auch die Höchstparkdauer auf den Straßenparkplätzen wurde verkürzt. In den Tiefgaragen stiegen die Preise ebenfalls, dafür ist die erste Stunde kostenlos.

Minusgeschäft
Parken bleibt für die Stadt beziehungsweise die Stadtwerke, die sich darum kümmern, ein Minusgeschäft. Der Abmangel belief sich vor der Anpassung auf etwas mehr als eine Million Euro.