Teilnehmer der 6. Fujian Farmer Sports Games 2007 beweisen beim Sackhüpfen ihr Können. Diese Sportart gehörte auch mal zum Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele. Foto: imago/Imaginechina

Sackhüpfen? Tabak-Weitspucken? Das waren tatsächlich mal olympische Disziplinen. Es gibt noch weitere skurrile Beispiele – wie eine Sportart, die wegen Protesten von Tierschützern gestrichen wurde.

Tokio - Es hat sich viel getan seit den ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen: Immer mehr Nationen haben teilgenommen, neue Sportarten sind dazugekommen, andere sind von der olympischen Bühne verschwunden. Mal, weil es dem Image der Spiele geschadet hat, mal, weil Tierschützer protestiert haben, oder einfach weil die Disziplin für Kindergeburtstage besser geeignet war. Sieben kuriose Beispiele.

Taubenschießen

Triggerwarnung an alle Tierfreunde: Bitte erst bei der nächsten Disziplin weiterlesen. Denn anders als man erahnen könnte, wurde in dieser skurrilen olympischen Disziplin nicht auf Tontauben, sondern auf lebende geschossen. Und dann auch noch in Paris, der Stadt der Liebe. 1900 bei den Olympischen Spiele war von Liebe zu Tauben jedoch wenig bis gar nichts zu spüren: Über den gesamten Verlauf der Spiele schossen die Athleten 300 Tauben vom Himmel. Für zwei Goldmedaillen mussten jeweils 21 Tauben dran glauben: Mit dieser Anzahl holten sich der Australier Donald Mackintosh und der Belgier León De Lund in zwei Wettbewerben den Sieg. Die Proteste von Tierschützern ließen allerdings nicht lange auf sich warten – und die olympische Disziplin wurde nach ihrer Premiere sofort wieder abgeschafft.

Tauziehen

Wer heute Tauziehen hört, denkt wohl zuerst an den Schulsport und schmerzende Handinnenflächen – oder an die Highland Games aus Schottland mit ihren kuriosen Disziplinen. An den Regeln hat sich bis heute nichts verändert: Ein Seil, beziehungsweise Tau, ein Team an jedem Ende, und wer den Gegner über eine bestimmte Marke zieht, hat gewonnen. Von 1900 bis 1920, insgesamt sechsmal, war Tauziehen olympisch. Als die besten Tauzieher galten die Athleten aus dem Vereinigten Königreich: Die Männer gewannen jeweils zweimal Gold und Silber sowie einmal die Bronzemedaille. Was aber auch daran lag, dass sie sich im olympischen Finale 1908 einen entscheidenden Vorteil sicherten: Sie befestigten Nägel unter ihren Sohlen für den besseren Halt. Die Deutschen setzten sich im Tauziehen einmal an die Spitze: Bei den Olympischen Spielen 1906 in Athen holten sie die Goldmedaille.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Novak Djokovics Traum vom Golden Slam

Kunstdisziplinen

Ob Architektur, Musik oder Bildhauerei – zwischen 1912 und 1948 waren das drei der olympischen Kunstdisziplinen, in denen die Athleten, äh die Künstler, gegeneinander antraten. Immerhin einen Bezug zum Sportlichen mussten die Werke jedoch vorweisen. So gewann zum Beispiel Alfréd Hajós 1924 die Silbermedaille für seinen Entwurf des Budapester Schwimmstadions. Nach den Olympischen Spielen 1948 in London war dann aber Schluss für die Künstler, weil der Andrang auf die künstlerischen Disziplinen stark nachgelassen hatte. Zudem störte sich das Internationale Olympische Komitee daran, dass die Künstler echte Profis waren. Ja, richtig gehört, denn in den sportlichen Disziplinen traten ursprünglich ausschließlich Amateure gegeneinander an.

Tabak-Weitspucken

Der Name ist schon Erklärung genug. Bei der dritten Auflage der Olympischen Spiele, 1904 in St. Louis (USA), war diese Disziplin tatsächlich Teil des olympischen Sportprogramms. Welche Athleten aus welchen Ländern besonders weit spucken konnten, ist nicht überliefert. Das Tabak-Weitspucken bescherte den Olympischen Spielen einen so schlechten Ruf, dass es schon zwei Jahre später die sogenannten „Zwischenspiele“ gab. Sie sollten das Image von Olympia wieder aufpolieren. Vermutlich haben aber auch gesundheitliche Aspekte bei der Abschaffung der Sportart eine Rolle gespielt.

Tonnenspringen

Beim Tonnenspringen handelte es sich um einen 400-Meter-Hindernislauf, bei dem die Teilnehmer durch an Seilen aufgehängte Fässer springen mussten – alle 50 Meter und mit dem Kopf voraus. Auch diese kuriose Disziplin war Teil der Olympischen Spiele 1904. Als „Westernshow“ wurde das damalige Sportereignis angesichts der drei skurrilen Sportarten (Tonnenspringen, Sackhüpfen, Tabak-Weitspucken) bezeichnet. Aber auch generell sind die Wettkämpfe von damals nicht mit den heutigen zu vergleichen. Das weltgrößte Sportereignis dauerte damals fünf Monate – und nur zwölf Länder zählten zu den Olympia-Teilnehmern. Zum Vergleich: Bei den Sommerspielen in Tokio messen sich Athleten aus 206 Nationen in nur knapp drei Wochen.

Seilklettern

Nichts für Sportler mit Höhenangst: Ohne eine Sicherung ging es an einem Seil 14 Meter in die Höhe. In die Bewertung flossen beim Seilklettern neben der Geschwindigkeit auch die Technik und Ästhetik mit ein. Nikolas Andriakopoulos hieß der erste Olympiasieger in dieser Disziplin: 1896 in Athen war er der schnellste Kletterer. 1932 hatte das Seilklettern dann aber ausgedient – die Olympischen Spiele in Los Angeles waren die letzten, bei denen die Disziplin im olympischen Wettkampfprogramm enthalten war.

Sackhüpfen

Auf Kindergeburtstagen ein Klassiker: Sackhüpfen. Doch auch 1904 bei den Olympischen Spielen in St. Louis mussten die Sportler in dieser Disziplin gegeneinander antreten. Heute wie damals: Die Regeln beim Sackhüpfen blieben über die vielen Jahre hinweg unverändert.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: