Enttäuschung bei den Spielern von Union Berlin Foto: IMAGO/Matthias Koch

Erfahrung mit wichtigen Siegen am letzten Spieltag haben sie bei Union Berlin. Sonst ging es dabei um Europa, diesmal um den letzten Funken Hoffnung. Ein Langzeit-Begleiter drückt die Daumen.

Den historischen Club-Mythos der unbeugsamen Schlosserjungs aus Oberschöneweide werden sie beim 1. FC Union Berlin jetzt mächtig strapazieren. Nicht aufgeben, weitermachen, weiter dran glauben. Mehr bleibt den Eisernen auch nicht mehr. Wie eine Kernschmelze aller über Jahre gepflegten Tugenden fühlte sich das 2:3 beim 1. FC Köln an. Wille, Kampfkraft, Stabilität - alles hat sich verflüchtigt bei den Köpenickern. Die Schlussphase in Köln mit zwei späten Gegentoren und einer vergebenen Großchance war nur der nächste Siedepunkt in einer Saison voller negativer Kettenreaktionen. 

„Wir schaffen es nur zusammen. Das war bei Union immer so. Und wir müssen daran glauben“, sagte Kapitän Christopher Trimmel, der als einziger Spieler in der Mixed Zone in Köln sprach. Nur zusammen. Eine (Durchhalte-)Parole. Das Credo strapazieren sie seit Wochen bei Union. Herausgekommen ist dabei zuletzt nur ein Zusammen-Verlieren. Und damit der Absturz auf Platz 16 der Fußball-Bundesliga. Den konnte auch Interimscoach Marco Grote nicht verhindern. Bock und Energie hatte er versprochen.

Grote ist nicht der Typ, der sich in statistische Details verliert. Er agiert mit seinen Emotionen. „Dass wir nach 2:0-Führung noch verloren haben, das fühlt sich relativ an. Das ändert aber nichts an unserem Vorhaben. Der Weg ist jetzt klar“, sagte der 52-Jährige, der erst am vergangenen Montag den glücklosen Nenad Bjelica abgelöst hatte. 

Der Weg für Union ist tatsächlich klar. Mit einem Sieg am Samstag gegen den SC Freiburg ist die Rettung noch möglich. Bei einem Remis geht es definitiv in die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten. Bei einer Niederlage kann Köln noch vorbeiziehen und die Berliner könnten im Unterhaus beim lange belächelten Lokalrivalen Hertha BSC landen. 

Ex-Union-Trainer Urs Fischer meldet sich zu Wort

Trimmel will daran nicht denken. Er glaubt an seine Kollegen und deren Kämpferqualitäten wie bei den Schlosserjungs. Dreimal in Serie sicherte man sich in den vergangenen Jahren durch Siege am letzten Spieltag das bestmögliche Europacup-Ticket. Daran glauben, an das Mögliche, das will Trimmel auch jetzt. 

„Wenn es Spieler gibt, die nicht daran glauben, dann brauchen sie nicht mehr zu kommen. Aber ich glaube, dass da keiner dabei sein wird“, versicherte der Österreicher, der als einziger verbliebener Unioner schon in der erfolgreichen Aufstiegsrelegation gegen den VfB Stuttgart 2019 auf dem Platz stand. 

Der Trainer damals war Urs Fischer. Und nach monatelangem Schweigen, meldete sich der Schweizer nun auch zu seinem Ex-Club zu Wort, den er im November in der Krise verlassen musste. In einem Lobes-Interview für Kollege Christian Streich im Stadionheft des SC Freiburg sprach Fischer über Union. „Am Ende muss es für Union einfach reichen, die Bundesliga zu halten. Es ist noch einmal eng geworden“, sagte er - noch ohne zu wissen, wie eng es nach den Kölner Ereignissen nun wirklich wird. 

Noch einmal auch für Fischer zu spielen, könnte eine Motivation für Trimmel und seine Kollegen sein. Für den Ex-Coach hätte nur dann sein Abschied Sinn ergeben. „Ich drücke natürlich am letzten Spieltag Union die Daumen und hoffe, dass sie oben bleiben. Das war ja Sinn und Zweck, warum wir uns am 15. November getrennt haben. Das muss ich dann schon betonen!“, sagte er.