Abgeschieden im Grünen liegt das Diakonissenmutterhaus. Manche Gebäude werden nicht mehr gebraucht, auf diesen Flächen könnte ein Gymnasium entstehen. Fotos: Eibner/Roger Bürke Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke/Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

Die Freie Evangelische Schule Böblingen will in Aidlingen ein Gymnasium bauen. Noch ist diese Vision vor allem eines: eine Vision. Von der Baugenehmigung bis zur Finanzierung müssen noch viele Hürden übersprungen werden.

Aidlingen - Die Freie Evangelische Schule Böblingen will in Aidlingen ein gewaltiges Projekt stemmen. Sie plant am Hummelberg, auf dem Gelände des Diakonissenmutterhauses, den Neubau eines Gymnasiums, in dem künftig etwa 600 Schüler unterrichtet werden sollen.

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag waren die drei Projektpartner versammelt: Der Schwesternrat sei grundsätzlich mit dem Projekt einverstanden, signalisierte die Schwester Oberin Regine Mohr, und der Aidlinger Bürgermeister Ekkehard Fauth freut sich, dass seine Kommune neben einer Werkrealschule nun auch eine zweite weiterführende Schule bekommt.

Neben der Hilfe Gottes muss auch Vater Staat Hilfen bereitstellen. Für die private sogenannte Bekenntnisschule trägt der Staat etwa 80 Prozent der Kosten, die übrigen 20 Prozent muss die Schule durch Schulgeld und Spenden erwirtschaften. Das Schulgeld fällt jedoch dabei moderat aus, sagte der Schulleiter Moritz Widmaier.

Erste Gespräche hat die Freie Evangelische Schule bereits im März des vergangenen Jahres mit der Schwesternschaft geführt. Der Aidlinger Gemeinderat war Mitte April in einer nichtöffentlichen Sitzung informiert worden und stimmte mit breiter Mehrheit dem Projekt zu.

Die Schule steht allen Konfessionen und Religionen offen

Und jetzt? Jetzt müssen etliche weitere Hürden übersprungen werden. Das Gelände der Schwestern auf dem Hummelberg östlich von Aidlingen liegt in einem Landschaftsschutzgebiet, wo nicht einfach gebaut werden kann, auch muss die Finanzierung noch geklärt werden. Allerdings ist die Evangelische Schule ziemlich erfolgreich darin, ihre Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.

Denn seit dem Jahr 2000 ist die Evangelische Schule auf Expansionskurs. Damals wurde sie mit einer Lehrerin, die gleichzeitig Schulleiterin war, und 15 Schülern gegründet, jetzt hat sie sich auf zwei Standorte in Holzgerlingen und in Böblingen ausgedehnt mit einer Grundschule, einer Werkrealschule und einer Realschule. Zur Zeit werden etwa 450 Schüler unterrichtet. Das Gymnasium würde daher das Portfolio ideal ergänzen. Die Schule steht allen Konfessionen und Religionen offen und arbeitet nach einem Leitbild, in dem der Mensch zuerst kommt und dann erst die Leistung.

Der Aidlinger Bürgermeister Ekkehard Fauth freut sich, wenn seine Gemeinde durch ein Gymnasium zum regional bedeutsamen Schulstandort aufgewertet wird. Als weiterführende Schule gibt es im Ort bisher nur eine Werkrealschue. Alle Gymnasiumskinder müssen nach Böblingen oder Sindelfingen pendeln, meist mit dem ÖPNV. „Wenn Sie bedenken, dass wir als Kommune die ersten fünf Wochen eines Schuljahres nur die Beschwerden über den ÖPNV abarbeiten“, sagt Fauth, dann wäre die kürzere Fahrstrecke auf den Hummelberg sicher die bessere Lösung für die Schulkinder und Nachbargemeinden.

Denn auch die Gemeinde wird ihren Obolus zum Projekt beitragen müssen. Sie wird für die Infrastruktur zuständig sein, also Versorgungs- und Entsorgungsleitungen, genauso wie für eine Zufahrtsstraße, denn der asphaltierte Feldweg, der von der Böblinger Straße zum Hummelberg führt, wird dann nicht mehr ausreichen.

Moritz Widmaier bezeichnet den Plan als dreifache Win-Win-Win-Situation. Die Schule will erweitern, die Gemeinde freut sich über ein größeres Bildungsangebot, die Schwestern können nicht mehr benötigte Flächen anders nutzen. Dennoch haben sich die Schwestern ihre Entscheidung nicht leicht gemacht.

Werbung machen die Schwestern nicht

„Was hat Gott mit uns vor“, fragte sich die Schwester Oberin Regina Mohr. Die Schwesternschaft, die seit 1927 in Süddeutschland das Evangelium verbreitet durch den Dienst am Nächsten, sei es im Unterricht, sei es in der Pflege, war bis in die 1990er Jahre gewachsen, doch dann ging die Zahl der Frauen, die ehelos und in Gütergemeinschaft leben wollten, zurück auf heute 220 Schwestern. Werbung für ihren Stand und ihre Berufung machen die Schwestern nicht. „Gott muss den Suchenden den Weg zu uns zeigen“, sagt Regine Mohr, die einst ebenfalls durch das Gebet auf den Hummelberg gefunden hat.

Für die Entscheidung, eine neue Nachbarschaft mit der Evangelischen Schule einzugehen, hat sie auch die Bibel befragt. Verschiedene Verse darin sprechen von einem „belebten Berg“. Das hat der Schwesternrat zusätzlich als Fingerzeig gesehen, die Schule willkommen zu heißen. Denn die 600 Schüler, die möglicherweise in zehn Jahren den Hummelberg bevölkern, werden das bislang abgeschiedene Dasein der Schwestern mit Sicherheit neu beleben.

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