Neue Stadtbahnen ergänzen die SSB-Flotte (li.): Die geänderte Ausstattung sorgt zum Teil für Kritik bei Fahrgästen. Foto: Christian Milankovic

Stuttgart bekommt neue Stadtbahnen. Das neue Modell für den öffentlichen Nahverkehr kommt jedoch nicht bei allen Stuttgartern gut an. So reagiert die SSB AG auf die Kritik.

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) erweitert ihre Fahrzeugflotte um 30 neue Stadtbahnen. Das kündigte das Unternehmen kürzlich an. Die neuen Züge sollen alte Bahnen ersetzen und gleichzeitig die neuen Anforderungen, die sich durch die geplanten Streckenerweiterungen ergeben, bedienen.

Dass es neue Stadtbahnen gibt, darüber freuen sich die Stuttgarterinnen und Stuttgarter. Gleichzeitig stoßen die neuen Flitzer für den öffentlichen Nahverkehr bei vielen Fahrgästen auf Kritik. Grund dafür ist vor allem die geänderte Ausstattung der Züge. In einem Video unserer Zeitung gibt es erste Einblicke in die neuen Waggons. Denn das neue Modell unterscheidet sich in einigen Punkten von seinem Vorgänger.

Auf Social Media sorgen diese Neuerungen nicht unbedingt für Begeisterung. Mehrere Nutzer kritisieren die neue Farbgebung der Sitze, die nun in einem Grauton gestaltet sind. „Stadtbahn ist jetzt auch depressiv“ schreibt etwa eine Nutzerin. „Die Mehrzweckbereiche verstehe ich ja, aber der alte Sitzpolsterstoff ist so iconic. Warum austauschen gegen diesen grauen Scheiß?“, fragt sich ein anderer.

Barrierefreiheit – oder doch nicht?

Kritik ernten auch die neuen Haltestangen, die sich nun nicht mehr, wie zuvor zentral in der Mitte des Waggons befinden, sondern an der Decke befestigt sind. „Und kleinere Leute machen dann Klimmzüge, um sich festzuhalten oder wie?“, kommentiert ein Nutzer.

„Ich finde es sehr schade, dass die Haltestangen in der Mitte wegfallen. Wer schon mal mit kleinen Kindern in einer vollen Bahn stand, weiß, wie wichtig es ist, dass die Kinder schnell eine Möglichkeit zum Festhalten haben“, ergänzt eine andere Nutzerin.

Vom Gesamtpaket enttäuscht zeigt sich eine dritte Nutzerin. Sie ergänzt: „Die Haltemöglichkeiten sind viel zu hoch! Für wirklich viele Menschen!!! Und gerade die vielen Schulkinder werden hier null Berücksichtigt! Und das ganze in tiefer Trauerfarbe. Mega verschlimmbessert!“

Blick in den Innenraum des neuen Stadtbahn-Modells. Foto: Christian Milankovic

SSB reagiert auf Kritik

Auf Anfrage unserer Zeitung äußert sich die SSB AG zum Bedenken und der Kritik der Fahrgäste. Die Haltestangen an der Decke seien nicht die einzigen Möglichkeiten zum Festhalten in der Bahn. „Haltestangen mit niedriger Griffhöhe sind wie bisher zwischen den Sitzen und im Eingangsbereich“, heißt es seitens der SSB AG. „Wer größer ist, kann zusätzlich die Haltestangen unter der Decke nutzen.“

Das Unternehmen verweist in dem Zusammenhang auf eine größere Barrierefreiheit ohne Haltestangen in der Mitte des Einstiegsbereichs. „Rollstühle und Kinderwagen kommen besser ins Fahrzeug. Sie haben mehr Platz zu manövrieren, was auch anderen Fahrgästen mehr Platz lässt.“

Und wo kann das Gepäck abgestellt werden? Auch diese Frage beschäftigt einige Nutzerinnen und Nutzer. Denn im Vergleich zu S-Bahnen gibt es in der neuen Stadtbahn nach wie vor keine Ablagemöglichkeiten oberhalb der Sitze. „Gepäck kann unter den Sitzen oder im Mehrzweckbereich untergebracht werden“, gibt die SSB AG zur Antwort.

Grautöne als neuer Trend?

Dem größten Aufreger auf Social Media – der neuen Farbgestaltung – begegnet die SSB AG gelassen. „Bei den vielen Kommentaren zur Farbgebung ist das Projekt-Team hin- und hergerissen“, heißt es. „Dass viele Leserinnen und Lesern die Sitzpolsterfarbe der aktuellen Fahrzeuggenerationen kult finden, freut die SSB-Mitarbeitenden natürlich sehr. Aber Stuttgart und seine Fahrgäste waren schließlich schon immer Trendsetter: Sicherlich kommt die neue Farbpalette besser rüber, wenn man sie im Original sieht.“

Zwei weitere Kritikpunkte – nämlich, dass in den Waggons alte USB-Anschlüsse anstatt USB-C-Anschlüsse verbaut und es künftig keine Info-Monitore mehr gebe, kann die SSB AG immerhin entkräften. „Ins Fahrzeug werden USB-C-Anschlüsse eingebaut“, heißt es. Die Monitore hängen laut SSB AG künftig nicht mehr in den Durchgängen unter der Decke. „Sie sind nun seitlich in die Dachschrägen eingelassen, also besser verteilt und gut sichtbar.“

Erste neue Stadtbahnen ab 2026

Was das Video unserer Zeitung zeigt, sei ein Arbeitsmodell im Keller der SSB. „Das Modell hat dem Projekt-Team dabei geholfen, die unterschiedlichen Ansprüche der Fahrgäste an die neue Fahrzeuggeneration praktisch miteinander zu vereinbaren.“

40 neue Züge hat die SSB bereits bestellt, die Option auf 30 weitere wurde im März dieses Jahres gezogen. Die ersten Züge der neuen Stadtbahnen sollen laut SSB dann im Jahr 2026 an die SSB ausgeliefert werden.

Und was kosten die neuen Stadtbahnen? Bei einem Stückpreis von mehr als fünf Millionen Euro belaufen sich die Kosten alleine von diesen auf rund 160 Millionen Euro. Wie die Stuttgarterinnen und Stuttgarter das Live-Fahrerlebnis dann beurteilen, bleibt abzuwarten.