Die Hebammenpraxis von Theresa Orlob, die selbst gerade schwanger ist, ist in der Renninger Stadtmitte. Foto: Simon Granville

Theresa Orlob hat in Renningen ihre Hebammenpraxis eröffnet. Außer Geburtsvorbereitung und Rückbildung soll es ein breites Angebot für Frauen in allen Lebenslagen geben.

Die Räume in der Jahnstraße 39 in Renningen erinnern kein Stück mehr an die Apotheke, die hier bis vor einigen Jahren beheimatet war. Keine dunklen Regale an den Wänden, kein Tresen. Stattdessen ein großzügiger, offener Raum, weiße Wände und helle Einrichtung. Die Hebamme Theresa Orlob hat hier ihre Zelte aufgeschlagen.

An diesem Sonntag, 11. Januar, feiert sie die Eröffnung ihrer Hebammenpraxis mit einem Tag der offenen Tür. Bis dahin hat die 31-Jährige noch einiges zu tun. Während der Kursbereich bereits fertig eingerichtet ist mit Sitzen, Sitzbällen und einem Regal voller Kissen und Stillkissen, ist die andere Seite gefüllt mit kleinen Tüten und Päckchen, die auf dem Boden verteilt sind. „Das sind die Preise für die Tombola“, sagt Theresa Orlob.

Mit viel Liebe und Fürsorge für Mutter und Kind

Zwischen Windelpaketen liegen einige VfB-Stuttgart-Strampler. Andere Tüten enthalten Proben oder Gutscheine, die lokale Unternehmen gespendet haben. „Der Erlös geht zu 100 Prozent an die Stiftung Dein Sternenkind“, sagt Orlob.

Denn als Hebamme sieht sie oft genug zwei Seiten. Die Mütter mit gesunden Kindern und ebenso die Mamas mit Fehl- oder Stillgeburten. „Das alles gehört zum Leben und zum Beruf dazu“, sagt sie. Deshalb hat sie sich in diesem Bereich weitergebildet und betreut auch Eltern von Sternenkindern.

Das ist nur eines von vielen Angeboten, die sie in ihrer Praxis namens Aroha machen will. „Aroha kommt aus der Maori-Sprache“, erklärt sie, also der Sprache der Ureinwohner Neuseelands. „Es bedeutet Liebe. Aber es steht auch für Nächstenliebe und Fürsorge.“ Die Erläuterung des Praxisnamens steht auch außen an der Fensterscheibe.

Theresa Orlob inmitten der Preise für die Tombola, die es am Sonntag beim Tag der offenen Tür geben wird. Der Erlös geht an den Verein Dein Sternenkind. Foto: Simon Granville

Und es ist für Theresa Orlob nicht nur ein Name, sondern ein Konzept. Denn in ihrer Praxis in der Renninger Stadtmitte soll es nicht nur Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse geben oder Schwangerenberatung. „Mein Ziel ist es, hier etwas für alle Generationen aufzubauen“, sagt sie.

 

Von Kinderwunschberatung über Babykurse und Krabbelgruppen bis hin zu Massagen und Vorträgen. Für die meisten dieser Angebote hat sie eine ganze Reihe an Kursleiterinnen als Untermieterinnen gewinnen können. Dafür gibt es weitere Räume in der Praxis. Den Um- und Ausbau hat ihr Lebensgefährte Ronnie Kedves verantwortet, der in Renningen ein Bauträgergeschäft hat. „Wir machen das hier als Team“, sagt Kedves.

Auch Theresa Orlob hatte schon Verbindungen nach in Renningen. „Ich hatte ab 2021 schon einmal eine kleine Praxis in Renningen im Industriegebiet“, erzählt Theresa Orlob. Dann ging es für zwei Jahre an den Bodensee, wo sie ebenfalls selbstständig war. „Dort war es aber nicht so einfach. Ich musste wirklich schauen, dass ich auf sechs Frauen im Monat gekommen bin, die ich betreut habe.“ Denn nur ab dieser Zahl habe sich die Arbeit gerechnet.

Große Nachfrage nach Hebammen in der Region Stuttgart

In der Region Stuttgart sei es ganz anders. „Hier muss ich vier bis sechs Frauen absagen – am Tag“, berichtet die Hebamme. Denn bis auf Weiteres wird sie keine aufsuchende Wochenbettbetreuung übernehmen: Die 31-Jährige und ihr Freund erwarten Mitte Februar selbst ein Kind. Wann sie wieder Frauen direkt nach der Geburt betreuen wird, das weiß sie jetzt noch nicht. Als Ersatz ist eine Hebammensprechstunde in der Praxis geplant, zudem hat sie sich mit Rebecca Nemetz und Lena Villgrater zwei weitere Hebammen ins Boot geholt.

Die Praxis hat Theresa Orlob mit ihrem Lebensgefährten Ronnie Kedves geplant. Bald erwartet das Paar ein Kind. Foto: Simon Granville

Solange ihr eigener Nachwuchs noch klein ist, wird auch der Bereich ruhen, der ihr als Hebamme besonders am Herzen liegt: Hausgeburten. „Die ständige Rufbereitschaft dafür, und man weiß nie, wie lange es dauern wird – das kann ich in der Familienphase nicht leisten“, erklärt Theresa Orlob. Dabei hat sich die finanzielle Situation für Hebammen, die Hausgeburten anbieten, erst verbessert. „Die Versicherungsbeiträge sind zwar immer noch hoch, aber man kann sie sich vom GKV, dem Spitzenverband der Krankenkassen, einen Sicherstellungszuschlag auszahlen lassen. Der ist aber dennoch um einiges geringer.“

Verbesserungen gibt es seit November auch beim Honorar für Kurse und Hausbesuche. „Vorher war das eine Pauschale, egal ob der Termin 30 Minuten oder anderthalb Stunden gedauert hat. Jetzt kann ich das gestaffelt auf angefangenen fünf Minuten abrechnen“, berichtet die Renningerin. Der Hebammenhilfevertrag bringe dagegen vor allem große finanzielle Nachteile für Beleghebammen in den Krankenhäusern. „Ich weiß von vielen, die deshalb gekündigt haben.“

Ein Shop mit Hebammen-Produkten soll Angebot ergänzen

Obwohl sie selbst ihre Ausbildung in einer Klinik in Karlsruhe gemacht hat und anschließend in Herrenberg und Böblingen im Krankenhaus gearbeitet hat, sei Geburtshilfe in Kliniken nie ihr Ding gewesen.

Stattdessen erfüllt sie sich mit der neuen Praxis und dem umfangreichen Angebot einen Traum. Dazu gehört auch ein Shop, der derzeit noch aufgebaut wird und „Mutterschiff“ heißen soll. „Ich möchte da aber nur anbieten, was wirklich von Hebammen empfohlen wird.“ Auch da will sich Theresa Orlob treu bleiben.

Praxiseröffnung

Tag der offenen Tür
Am Sonntag, 11. Januar, von 13 bis 17 Uhr in der Jahnstraße 39 in Renningen. Unter anderem gibt es Kinderschminken und Spiel- und Tanzangebote für Kinder. Außerdem gibt es eine Tombola, deren Erlös an den Verein Dein Sternenkind geht. Mehr im Internet auf www.aroha-renningen.de.