Im Naturschutzgebiet Eichenhain in Sillenbuch werden weiterhin Schutzzäune durchgeschnitten. Foto: Caroline Holowiecki

Der Zank im Naturschutzgebiet Eichenhain in Sillenbuch wird immer absurder. Für die von der Stadt aufgestellten Zäune fehlt eine Genehmigung. Manche Bürger fühlen sich gegängelt.

Die einen brechen einen Streit vom Zaun, die anderen winken nun mit dem Zaunpfahl. Der Zoff um den Zaun im Naturschutzgebiet Eichenhain im Stuttgarter Stadtbezirk Sillenbuch kennt kein Ende – und erfährt regelmäßig neue Wendungen. Jetzt geht es darum, ob die Zäune überhaupt legal sind – und um die Frage, ob das Regierungspräsidium womöglich verstärkt die Polizei in das Gebiet schicken wird.

Letztlich handelt es sich bei den Zäunen im Eichenhain um schlichte Drähte an naturbelassenen Holzpfosten, aber seit bald einem Jahr sind sie das Streitthema Nummer eins im sonst so friedlichen Sillenbuch. Die Absperrungen wurden Ende 2024 im 34 Hektar großen Eichenhain von der Stadt aufgestellt. Sie hat als Eigentümerin der Fläche die Verkehrssicherungspflicht.

Astbruch stellt vielerorts eine Gefahr für Passanten dar. Eigentümer haben deshalb eine Verkehrssicherungspflicht. (Symbolbild) Foto: imago/Depositphotos

Sind die Bäume im Eichenhain eine Gefahr für Spaziergänger?

Bei einer Kontrolle der 200 knorrigen Eichen hatten Fachleute Schäden an den bis zu 400 Jahre alten Bäumen festgestellt. Es bestehe Astbruchgefahr, manche der prägnanten Eichen seien nicht standfest. Da das Regierungspräsidium Stuttgart als übergeordnete Behörde umfassende Schnittmaßnahmen im Naturschutzgebiet jedoch nicht genehmigt, sind Teile des Eichenhains eingezäunt. Zum Schutz der Bevölkerung.

Viele Menschen jedoch wollen gar nicht geschützt werden. Mancher stört sich an der neuen Ästhetik im beliebten Naherholungsgebiet, mancher fühlt sich gegängelt, mancher wähnt sich gar in „Guantanamo“. „Barbarisch“, „eiskalte Freiheitsbeschränkung“ und „extrem besucherfeindlich“ heißt es in E-Mails an unsere Redaktion. Die Zäune werden seit Monaten durchgeschnitten, Plakate mit Sicherheitshinweisen werden abgerissen. Seit Juli versuchen es die Behörden auf die sanfte Tour und mit Aufklärung durch neue Wegmarken oder Informationstafeln. Die Idee dahinter: Man liebt und schützt, was man kennt. Doch auch Schilder und Piktogramme werden regelmäßig beschädigt.

Darf der Zaun im Naturschutzgebiet in Sillenbuch stehen bleiben?

Jetzt droht neuer Ärger, denn streng genommen stehen die Zäune momentan ohne Genehmigung. „Die Zäune sind nur bis 30. September 2025 vom Regierungspräsidium genehmigt“, schreibt eine Leserin an unsere Redaktion. Sie spricht von einer Farce. Die Behörde bestätigt, dass eine befristete Befreiung von der NSG-Verordnung (kurz für Naturschutzgebiet) bis Ende September erteilt worden sei. „Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt hat einen Antrag auf Verlängerung gestellt, der eine Befreiung von der NSG-VO für das Belassen der Zäune bis zum 31. März 2026 vorsieht“, erklärt eine Sprecherin. Der Antrag sei am 25. September eingegangen und daher noch in Prüfung.

Zur abschließenden Bewertung fehlten noch Informationen, unter anderem im Zusammenhang mit einem Rechtsgutachten, das klären soll, wer haftet, wenn jemandem im Eichenhain ein Ast auf den Kopf fällt.

„Die Landeshauptstadt Stuttgart hat sich in der Sache durch einen Rechtsanwalt beraten lassen, der eine vorläufige Einschätzung gegeben hat“, teilt ein Sprecher mit. Nach einem Austausch mit dem Regierungspräsidium soll es eine abschließende Regelung geben. Details nennt er nicht.

Stadt Stuttgart will Polizei in den Eichenhain in Sillenbuch schicken

Derweil verschärft sich aber auch im Regierungspräsidium der Ton. In den vergangenen Wochen seien wiederholt Beschädigungen an den Beschilderungen festgestellt worden. „Fälle von Vandalismus treten bundesweit zunehmend auch in Naturschutzgebieten auf – insbesondere in Form von Schäden an Zäunen und Schildern“, sagt die Sprecherin. Die Behörde habe Strafanzeige gestellt. In einem nächsten Schritt sei vorgesehen, das Besucherverhalten sowie die Entwicklung der Lebensräume im Eichenhain stichprobenartig zu überprüfen. „Zusätzlich wird angestrebt, nach Möglichkeit die Kontrolldichte durch die Polizei beziehungsweise das Ordnungsamt zu erhöhen.“