Schülerinnen der Hedwig-Dohm-Schule bei der Pflanzaktion – hier im Steingarten – vor dem Naturkundemuseum. Foto: Iris Frey

Schülerinnen und Schüler aus Stuttgart und der Region haben vor dem Museum am Löwentor fünf Mini-Landschaften gestaltet. Die Aktion hat einen ernsten Hintergrund.

Bereits am Morgen ist unweit der beiden Plateosaurus-Dinos vor dem Museum am Löwentor geschäftiges Treiben angesagt: Denn hier entstehen vor dem Verwaltungs- und Wissenschaftsgebäude neue Mini-Landschaften, gestaltet von Naturplaner Sebastian Frey zusammen mit der Parkpflege der Wilhelma und dem Naturkundemuseum Stuttgart. „Das besondere ist, dass wir im Herzen Stuttgarts auf ganz kleinem Raum sehr viel Artenvielfalt unterbringen“, sagt Frey.

Schüler sind von der Pflanzaktion in Stuttgart begeistert

Aktiv mitgestalten dürfen auf der zuvor artenarmen Wiese mit 320 Quadratmetern Schüler von fünf verschiedenen Schulen aus Stuttgart und der Region. So sind am Morgen schon Schüler der 5. Klasse der Jahnrealschule aus Bad Cannstatt da und Schüler der Hedwig-Dohm-Schule, einer Berufsschule im Stuttgarter Norden mit angehenden Erziehern. Eine davon ist die 20-jährige Laura Polap. „Ich finde es toll, dass wir hier sein dürfen. Wir freuen uns alle, etwas Neues zu lernen und finden es auch später wichtig, dass Kinder es im jungen Alter lernen.“

Naturplaner Sebastian Frey (links) und Katja Siegmann von der Parkpflege der Wilhelma gaben Pflanztipps. Foto: Iris Frey

Tipps fürs Anpflanzen und Setzen der Pflanzen bekommen sie von Sebastian Frey und Gärtnern der Wilhelma, der Parkpflege. „Das Naturkundemuseum war schon immer ein Hotspot der Artenvielfalt und wir sorgen dafür, dass es so bleibt und nichts ausstirbt, wie die Dinos hier hinter mir“, sagt Direktor Lars Krogmann, der sich über das Engagement seiner Beschäftigten, der Wilhelma und der Schüler am Aktionstag freut. Die Idee dafür ist in der Nachhaltigkeits-AG des Naturkundemuseums entstanden.

Fünf verschiedene Beete vor dem Museum am Löwentor geschaffen

Vor dem Museum wurden fünf verschiedene Beete gestaltet: ein artenreiches Wildstaudenbeet, eine magere Kräuterwiese und ein Steingarten sowie ein Schattenbeet ähnlich wie an einem Waldrand und einen Übergang von der Wiese und Gebüsch. Die Naturinseln werden begehbar sein. Auch sind Führungen geplant.

Die Raubwanze unter dem Mikroskop am Aktionstag. Foto: Iris Frey

Sie sollen nicht nur Blickfang, sondern auch Lernort sein, um hier heimische Tiere und Pflanzen zu entdecken. Und welche Pflanzen und Tiere dort beheimatet sind, dass konnten die Schüler am Stand der Umweltbildung des Naturkundemuseums zusammen mit dem Verein Bunte Wiese bestaunen – sowohl in Schaukästen wie auch durchs Mikroskop. „Das ist eine Raubwanze“, erklärte Sebastian Görn vom Naturkundemuseum, Wissenschaftler des Bereichs Entomologie, der Insektenkunde, den Schülern am Mikroskop. Sie mögen Trockenrasen. In den Schaukästen wurde gezeigt, wie viele Insekten einzelne Pflanzen beheimaten.

Und vor dem Wissenschaftsgebäude des Naturkundemuseums wird indes weiter fleißig gepflanzt. Schon ist die nächste Klasse da. Nun erklärt die Leiterin der Parkpflege der Wilhelma, Katja Siegmann, wie Blumenzwiebeln gepflanzt werden und wann sie austreiben. Und so ermuntert Lars Krogmann die jungen Pflanzhelferinnen und -helfer: „Ihr werdet Teil unseres Gemeinschaftsprojekts, um die biologische Vielfalt zu erhöhen.“ Auch Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin machte klar: „Hier gibt es Anregungen, auch etwas zu Hause zu machen. Auf Euch kommt es an, Ihr sei die Artenschützer der Zukunft.“

Pflanztipps für die heimische Artenvielfalt

Im Wildstaudenbeet
Hier wachsen gerne Königskerze, Schafgarbe, Aster, Fetthenne, Küchenschelle, Thymian und Weinbergtulpe.

Im trockenen Saum
Dort gedeihen Blutstorchschnabel, Akkelei und Großer Ehrenpreis.

In der Magerwiese
Flockenblume, Färberginster, Wiesensalbei, Glockenblume, Schlüsselblume und Traubenhyazinthe gedeihen hier.

Im Steingarten
Nelken, Mauerpfeffer, Hauswurz und Schnittlauch fühlen sich hier wohl.

Im Schattenbereich
Stechpalme, Liguster, Fingerhut, Wurmfarn, Taubnessel, Walderdbeere, Märzenbecher, Immergrün, Waldmeister, Bärlauch und Leberblümchen sind in dieser Umgebung geeignet.