Die aktuellen Müllberge rund um die Landauer Straße in Stuttgart-Weilimdorf waren kein Einzelfall, sagen Anwohner. Wann erfuhr die Stadt von dem Problem?
Die Sperrmüllberge, die sich rund um die Landauer Straße in Weilimdorf in den vergangenen Wochen aufgetürmt haben, sind dort keine Einzelfälle, betonen Anwohner. Die Stadt, die den Müll nun weggeräumt hat, beteuert indes, nichts von der illegalen Müllablagerung gewusst zu haben.
Matratzen, alte Waschmaschinen, Möbel in Massen: Was sich in den vergangenen zwei bis drei Wochen an der Landauer Straße und darum herum angesammelt hat, ist der Hausstand gleich mehrerer großer Häuser.
Anwohner in Stuttgart-Weilimdorf sind stinksauer wegen des Sperrmülls
Der Anwohner, der ursprünglich auch unsere Zeitung über den Missstand informiert hatte, ist noch immer stinksauer: „Hier sieht es oft aus wie in Kalkutta“, sagt der 66-Jährige, der in der benachbarten Oppenheimer Straße wohnt. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Neben dem in diesem Fall größten Müllberg in der Landauer Straße fanden sich in den vergangenen Wochen auch viele kleinere Sperrmüllhaufen in den Seitenstraßen, ohne dass die Müllabfuhr tätig wurde.
„Hier liegen seit Jahren immer wieder die Sperrmüllhaufen wochenlang rum“, ärgert sich der Anwohner. Es sei ein Dauerzustand. Von Besuchern werde er schon abschätzig gefragt, wo er denn hier wohne. Der Mann ist sich sicher: Alles beginnt mit angemeldetem Sperrmüll, der aber von der städtischen Müllabfuhr nicht zügig weggeräumt werde. Die Folge sei ein „regelrechter Sperrmülltourismus“, wie er sagt: „Da kommen dann auch Autos aus dem Umland und legen ihren Sperrmüll dazu.“
Stadt: Haben erst spät von dem Haufen mit Sperrmüll an der Landauer Straße erfahren
Eine Mitarbeiterin eines Kindergartens in der Landauer Straße bestätigt die Vermutung: Sie betont, dass auch in diesem Fall alles mit angemeldetem Sperrmüll begann. Die Person, die die Sperrmüllabfuhr geordert hatte, sei ihr bekannt. Diese habe vor etwa drei Wochen ihren Sperrmüll ordnungsgemäß am Straßenrand abgelegt. Seitdem konnte der Müllberg ungestört anwachsen.
Ein Vorwurf, den das städtische Abfallwirtschaft (AWS) nicht auf sich sitzen lassen will. Auf Anfrage betont eine Sprecherin: „Es gab keinen angemeldeten Sperrmüll und somit auch keinen Termin.“ Widersprüchliche Aussagen also.
Dass in dem Weilimdorfer Wohnviertel überhaupt Müll abgelagert wurde, habe die AWS erst am Mittwoch erfahren. Mindestens Letzteres ist nachweislich zumindest nicht ganz korrekt. Denn die E-Mail, mit der der 66-jährige Anwohner die AWS und das Bezirksamt in Weilimdorf informiert hatte, trägt das Datum vom vergangenen Montag.
Hat die Stadt Stuttgart in der Vergangenheit auf Beschwerden wegen Müllablagerungen nicht reagiert?
In der Vergangenheit, so erklärt der Bewohner der Oppenheimer Straße, seien seine Versuche, die Stadt auf illegal abgelegten Sperrmüll aufmerksam zu machen, meist ohne Wirkung verpufft. „Über die Jahre habe ich schon mehrmals mit der Bitte um Beseitigung bei der Stadtverwaltung diese Zustände angesprochen – mit geringem Erfolg“, betont er.
Im aktuellen Fall ging es am Ende dann doch deutlich schneller. Nicht auszuschließen, dass das auch daran lag, dass der Bewohner gegenüber der Stadt angekündigt hatte, die Presse zu informieren.