Wem es im Bierkönig auf Mallorca zu langweilig wird, kann sich an der Weiler Würm austoben: Hier hat ab sofort der Fasnetskönig geöffnet. Foto: Simon Granville

Ufos, Waschsalon, Yoda und Ballermann: Beim großen Fasnetsumzug in Weil der Stadt sind besonders die selbstgebauten Wagen ein Hingucker. Auch in diesem Jahr haben die Narren gut 30 000 Besucher angelockt.

In der Keplerstadt meint man es ernst mit der Fasnet: „Wer hier Fasching sagt, kriegt den Hintern versohlt!“, werden am Sonntag all jene Menschen ermahnt, die mit der S-Bahn von außerhalb anreisen und sich die Treppen des S-Bahnhofs hochschieben. Die Spielregeln sind jetzt also auch den Fasnetsanfängern klar.

Ganz so ernst ist die Sache für die Narren dann aber doch nicht – schließlich ist die Laune am höchsten Feiertag der Weil der Städter bestens, angefeuert vom strahlenden Sonnenschein. Traurige Mienen gibt es also kaum zu sehen in der Keplerstadt, weder unter den gut 30 000 Besuchern, noch bei den 70 teilnehmenden Gruppen und Kapellen, die sich für den großen Fasnetsumzug angemeldet haben – letzte Zahl ein neuer Rekord, zumindest seit den coronabedingten Ausfällen der Veranstaltung 2021 und 2022.


Schabernack am Straßenrand

Und sowohl Gäste als als auch die Weiler Gruppen sind für diesen Tag zu Hochtouren aufgefahren. Auf dem Pflaster der Altstadt werden fleißig Hexenpyramiden gebaut, es wird mit Peitschen geknallt, Schnaps verteilt, Süßes geworfen – und natürlich auch allerlei Schabernack getrieben. Die Schomberle der Narrenfreunde Seebronn etwa schießen aus den Nasenlöchern ihrer hölzernen Masken Wasser in die Zuschauerreihen, während die Hirrlinger Schlosshexen mit ihren Reisigbesen freundlich in die Menge sticheln.

Kommentiert wird all das in diesem Jahr vom ehemaligen Vizezunftmeister Tobias Reim: Mit Headset und Mikrofon bewaffnet stürzt er sich am Rande der Rathausarkaden immer wieder in das Getümmel, spricht mit den vorbeiziehenden Narren, feuert die Menge mit den Verschiedenen Schlachtrufen der Gruppen an und sorgt dafür dass Bürgermeister Christian Walter, der sich auf der Zuschauerbühne zeitweise bedeckt hält, auch sein Fett weg bekommt: „Wenn ihr ein Opfer sucht, dahinten ist unser Schultes“, dröhnt es durch die Lautsprecherboxen. „Normalerweise steht der Bürgermeister doch in der ersten Reihe!“

Filmreife Fasnetswagen rollen durch die Straßen

Hingucker sind beim großen Fasnetsumzug aber natürlich: Die Festwagen. Ein gutes Dutzend von ihnen bauen die Weiler Narren jedes Jahr selbst. Auch in diesem Jahr sind ihre Kreationen filmreif – im Hier und da sind nämlich Motive aus Film und Fernsehen zu entdecken, allen voran auf dem Star-Wars-Wagen, it dem die Narren schon beim Leonberger Pferdemarkt waren: Yoda wird von „Mudda Vader“ angeschoben, ein Gabelstabler hebt derweil einen riesigen „Death Star“ in die Höhe. Und auch die Aliens haben Weil der Stadt heimgesucht: Auf einem der Wagen schwebt ein großes Ufo über der Keplerstadt. Die außerirdische Besatzung: Auffällig weiblich. „Die Weiler Frauen greifen schon immer nach der Macht“, erklärt Tobias Reim über die Lautsprecher. „Und hier zeigen sie, dass sie es ernst meinen.“

Die Gruppe der „Alten Sägg“ hatte bereits bei der Narreten Sitzung am Donnerstag ihr Verkehrskonzept für die Stadt vorgestellt, als alternative zur Hermann-Hesse-Bahn, deren Bau sich immer weiter verzögert. Auf ihrem Festwagen gibt es gleich die passende Visualisierung dazu: Vom Bahnhof verläuft eine Seilbahn über die Spitze der Kirche St. Peter und Paul bis hinauf zum Wasenhof.

Narren waschen sich bei „Narra Wäsh“ und trinken im „Narrenkönig“

Und auch sonst haben die Narren zum Umzug einige nützliche Etablissements mitgebracht: Durch die Straßen rollt etwa ein großer Irish Pub, flankiert von Leprechauns. Die „Narra Wäsh“, eine überdimensionale Waschstraße, verspricht von der Arschpolitur bis zum „Wäxing“ eine Vielzahl von Services.

Wem der Bierkönig auf Mallorca zu weit weg ist, kann einfach den „Narrenkönig“ besuchen, dessen Logo den biertrinkenden Zunftmeister der Weiler Narren ziert. Und Licht ins Dunkel bringt schließlich eine gigantische 70er-Jahre-Lampe mit Wackelkontakt, die sogar Funken in den Himmel sprüht.

Bevor die 70 Gruppen und Kapellen schließlich an den Zuschauern vorbeigezogen sind, bekommt Tobias Reim den Weiler Schultes dann noch noch vors Mikrofon. Der freut sich über die vielen gut gelaunten Besucher. „Das spricht für die Stadt und das spricht für die Fasnet.“