Matthias Gründler war lediglich ein gutes Jahr im Amt – nun muss er bei Traton gehen. Foto: Traton SE

Die VW-Lkw-Tochter Traton setzt ihren Vorstandschef auf die Straße. Der Stuttgarter Matthias Gründler verlor einen Machtkampf mit Ex-VW-Betriebsratschef Osterloh.

München/Stuttgart - Zur Welt kam er 1965 in Stuttgart, in Fellbach hat er sein Abitur gemacht – bei Daimler startete er seine Karriere. Diese führte Matthias Gründler bis auf den Chefsessel der Volkswagen-Lkw-Tochter Traton. An diesem Donnerstag hatte er dort allerdings seinen letzten Arbeitstag. Denn der 56-Jährige musste nach mehrmonatigen Querelen gehen.

Wie Traton-Aufsichtsrats­chef Hans Dieter Pötsch erklärte, wird Gründler gegen den bisherigen Chef des schwedischen Lkw-Bauers Scania, Christian Levin, ausgetauscht. Der 54-jährige Levin sei eine starke Führungskraft. „Er hat meine volle Unterstützung, den Weg zu stärkerer Rentabilität und Wachstum zu gestalten“, so Pötsch. Levin bleibt auch Scania-Chef. „Das ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit“, gratulierte Volkswagen-Chef Herbert Diess via Twitter.

Konsequenz eines Machtkampfes mit Osterloh

Der Abgang von Gründler ist aber auch Folge eines Machtkampfes mit seinem Personalvorstand Bernd Osterloh, dem langjährigen Gesamtbetriebsratsvorsitzenden von VW, der erst im Mai in den sechsköpfigen Traton-Vorstand gewechselt war. Gründler war offenbar sehr verärgert über die Personalie Osterloh, mit der ihn die VW-Spitze vor vollendete Tatsachen gestellt hatte. Berichten zufolge zweifelt er dessen Kompetenzen an. Doch sein Protest in Wolfsburg nützte nichts; seither galt das Verhältnis zu Osterloh als zerrüttet. Dass Gründler den Kürzeren ziehen könnte – darüber war in den vergangenen Wochen schon spekuliert worden.

Erst im Juli 2020 war er Vorstandsvorsitzender der Traton SE geworden – als Nachfolger von Andreas Renschler, einem weiteren Stuttgarter mit prominenter Daimler-Vergangenheit. Auch Gründlers Aufstieg erfolgte bei den Schwaben: Von 1986 an hat er dort eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. 1993 erhielt er seine erste Führungsposition.

Bis 2015 Finanzvorstand in der Daimler-Trucksparte

2008 wurde er Finanzvorstand der Mitsubishi Fuso Trucks & Bus mit Sitz in Japan, eines Tochterunternehmens des Daimler-Konzerns. 2012 wurde er Finanzvorstand bei Daimler Trucks & Buses, bevor er 2015 für drei Jahre in dieselbe Rolle bei Traton wechselte.

Zu seinem Rücktritt bei der VW-Tochter erklärt Gründler nun, man habe die Strategie eines „Global Champions“ schneller als erwartet umsetzen können. „Jetzt geht es darum, Traton in eine nachhaltige Zukunft über konventionelle Geschäftsmodelle und Denkweisen hinaus zu führen.“

Sein Nachfolger Levin will bis Ende des Jahres einen umfassenden Plan vorlegen – dabei bezog er sich unter anderem auf den Trend zu elektrischen Fahrzeugen und weiteren Investitionen in China.