Mit der Alterung der Gesellschaft wächst der Anteil älterer Passagiere. Flughäfen müssen sich darauf einstellen. Foto: Oliver Berg/dpa

Sie haben viel Zeit, oft genügend Geld, aber womöglich besondere Bedürfnisse: Wie Flughäfen sich auf ältere Reisende einstellen sollten.

Genf - Flughäfen sollten sich einer Analyse zufolge stärker auf die Bedürfnisse älterer Reisender einstellen. SITA, ein IT-Dienstleister der Luftverkehrsbranche, sieht dies als einen von zwölf Megatrends, die die Industrie in den nächsten zehn Jahren beschäftigen werden. "Ältere brauchen öfter so etwas wie Servicedienste, Hilfe bei der Routenplanung, beim Gepäck und der Mobilität am Flughafen", sagte Sumesh Patel, der sich mit den Trends beschäftigt und bei SITA für die Region Asien-Pazifik zuständig ist, der Deutschen Presse-Agentur. "Die gute Nachricht ist, dass die älteren Reisenden heutzutage mit neuer Technologie und Smartphones sehr vertraut sind."

Drei Problembereiche

Patel nennt drei Problembereiche: lange Wege, lange Wartezeiten und den Weg etwa zum Flugsteig zu finden. "Dabei hilft Technologie." Wenn der Flughafen von der Fluggesellschaft möglichst viel über Passagiere, ihre Konstitution und ihre Präferenzen wisse, könnten gezielt Informationen auf ihre Smartphones gepusht werden.

Wenn der Flughafen wisse, welcher Passagier schlecht laufen kann oder sich regelmäßig Medikamente spritzen muss, könne diesen Kunden direkt auf ihr Handy geschickt werden, wo etwa der nächste Sanitätsraum, eine rollstuhlgerechte Toilette oder das Restaurant mit dem kürzesten Anlaufweg ist. Wenn die Airline diese Informationen noch gleich mit Abflug-, Umsteige- und Ankunftsflughäfen teile, könnten Passagiere auf der ganzen Reise so versorgt werden. Versuche mit solchen Anwendungen liefen bereits, sagte Patel.

Mehr ältere Passagiere

Mit der Alterung der Gesellschaft wächst der Anteil älterer Passagiere. Viele Menschen heben sich Reisepläne für die Zeit ab Rentenbeginn auf. Während Unternehmen in der Pandemie virtuelle Konferenzen etwa per Zoom oder Teams kennengelernt und beibehalten und in der Folge dienstliche Reisen reduziert haben, sind ältere Reisende wieder unterwegs. 2021 seien 36 Prozent der Passagiere weltweit über 56 Jahre alt gewesen, verglichen mit 25 Prozent 2019, berichtete SITA unter Berufung auf den Airline-Verband IATA.

Was das Warten angeht, werde schon einiges getan, etwa mit dem Angebot des Eincheckens und Ausdruckens der Bordkarte zuhause, sagte Patel. Am Changi-Flughafen in Singapur könnten Passagiere ein Zeitfenster für die Sicherheitskontrolle buchen, um lange Schlangen zu vermeiden. Immer mehr Flughäfen hätten Dienstleister, die Koffer vom Gepäckband holen und ins Hotel oder nach Hause bringen.

In Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt die Zahl der 65-Jährigen und Älteren seit 1991 von 12 Millionen auf 18,4 Millionen im Jahr 2021 gestiegen. Die Zahl der über 60-Jährigen weltweit wächst nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von rund einer Milliarde 2019 auf 1,4 Milliarden bis 2030 und 2,1 Milliarden 2050.