Neutralität in Wahlkampfzeiten OB „Käptn“ Tobias Degode hat auf das Einladen der Landtagskandidaten verzichtet. Foto: Simon Granville

Aus Neutralitätsgründen hat die Stadt keine Bewerber fürs Stuttgarter Parlament auf der offiziellen Gästeliste

Promi-Alarm beim Leonberger Pferdemarkt kurz vor der Landtagswahl? Zumindest der Gedanke liegt nahe, dass die Frauen und Männer, die den Leonberger Wahlkreis im künftigen Stuttgarter Parlament vertreten wollen, sich am höchsten Feiertag leibhaftig blicken lassen.

So hatte sich etwa Albrecht Stickel aus dem fernen Herrenberg, der für die CDU den Wahlkreis gewinnen will, schon mal am Sonntag beim Rathaussturm einen Eindruck verschafft, wie die Leonberger zu feiern pflegen. Von den heimischen Ratsveteranen Elke Staubach und Wolfgang Röckle wurde er nicht nur mit Oberbürgermeister „Käptn“ Tobias Degode bekanntgemacht, sondern auch mit der nachmittäglichen Pferdemarkt-Dolce Vita vor der Vinothek Ardas Grand Cru, wo man sich bei edlen Tropfen trifft.

Landtagsfreie Zone auf der Ehrentribüne

Ganz offiziell werden die Landtagsaspiranten beim Pferdemarkt keine Bühne haben. „Wir haben bewusst keine Kandidaten eingeladen“, erwähnt OB Degode am Randes des Festtreibens. Die Ehrentribüne am Marktplatz ist sozusagen landtagsgfreie Zone. Was auch verständlich ist, gerät eine zur Neutralität verpflichtete Behörde ganz schnell auf das dünne Eis einer möglichen Bevorzugung.

So werden sich der FDP-Abgeordnete Hans-Dieter Scheerer, sein Grünen-Kollege Peter Seimer oder die SPD-Bewerberin Farina Semler beim großen Spektakel am Dienstag unters Volk mischen müssen, wollen sie ihre Popularität erhöhen. Eine Art Heimspiel wäre dies übrigens nur für Scheerer. Der Rechtsanwalt der Liberalen kommt aus Weil der Stadt und ist in Leonberg bestens bekannt wegen seines Einsatzes für den Rettungshubschrauber Christoph 41. Seimer wohnt in Aidlingen, Semler in Herrenberg.

Da drängt sich schon so ein bisschen die Frage auf, warum CDU, Grüne und SPD keine Kandidaten aus der Leonberger Region am Start haben. Aber solche Themen wollen wir ja nicht ausgerechnet am Pferdemarkt erörtern.