Kunst aus dem Kreis schmückt derzeit die Wände des Landratsamtes. Foto: Eibner//Duddek

Die traditionelle Sammelausstellung „Kunst unter 888“ läuft bis Ende Januar im Böblinger Landratsamt. 54 Kunstschaffende zeigen ihre Werke.

Als es die D-Mark noch gab, hieß die Ausstellung „Kunst unter 999“, nach der Euro-Umstellung dann „Kunst unter 555“ – Tendenz steigend. Mittlerweile ist man bei „Kunst unter 888“ angekommen, quasi ein Abbild der stetigen Preissteigerungen. „Währungen und Geldwerte ändern sich, die Tradition aber bleibt“, sagte Landrat Roland Bernhard bei der Eröffnung der Sammelausstellung, mit der das Landratsamt seit jeher zwei Aspekte verbindet: zum einen den hiesigen Künstlerinnen und Künstlern, die im Ausstellerkreis der Behörde versammelt sind, eine Plattform zu liefern und zum anderen dem lokalen Publikum eine Möglichkeit zu bieten, Kunst zu einem überschaubaren Preis – derzeit auf alle Fälle unter 888 Euro – erstehen zu können.

Insgesamt 54 Kunstschaffende zeigen bis Ende Januar ihre Werke im Erdgeschoss des Böblinger Landratsamtes. Die Coronapandemie hat zwar viel unmöglich gemacht – darunter auch Vernissagen –, aber gleichzeitig auch manches gefördert. Zum Beispiel die Kunstproduktion in den eigenen vier Wänden oder im Atelier – für manche Zeitgenossen während der langen Lockdowns die ideale Beschäftigung.

Online-Ausstellerkatalog kommt gut an

Hinzu kommt eine technisch-organisatorische Neuerung, die beibehalten wird. Denn während der Pandemie gaben die Verantwortlichen erstmals einen Online-Ausstellerkatalog heraus. „Das wurde sehr positiv angenommen“, berichtet Landkreis-Sprecherin Simone Hotz, „und ist eine gute Alternative, noch mehr Kunstinteressierte zu erreichen und damit die Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen.“ Also gibt es den Online-Katalog auch in diesem Jahr auf der Website des Landkreises.

In der Ausstellung sind zumeist aktuelle Werke vieler lokal bekannter Namen zu sehen. Der Altdorfer Hans Bäurle ist genauso dabei wie der Nebringer Lutz Ackermann, Gérard Krimmel aus Weil im Schönbuch, Ingrid Zerfaß aus Altdorf oder die Böblingerin Ines Scheppach.

Auch der Sindelfinger Joachim Kupke ist vertreten mit seiner stets ironisch-augenzwinkernden Collage-Technik. „Ceci n`est pas un Magritte“ spielt auf den französischen Maler René Magritte und sein Bild „Ceci n’est pas une pipe“ an. Für 450 Euro ist der Druck zu haben. Surreale Motive bietet Joachim Lehrer: „Die Flugreise“ zeigt einen Campingwagen auf einem Brocken Erde durch die Lüfte schweben – ein Hinweis auf das Befinden während der Pandemie?

Ehrenamtliches Aufbauteam aktiv

Claudia Fischer-Walter aus Weil im Schönbuch hat sich bei ihren filigranen Zeichnungen dem Federvieh verschrieben. Rotraut Heyder, die auch im Böblinger Galerieverein engagiert ist, präsentiert mit „November“ abstrakte Malerei. Und Birgit Feil zeigt eine ihrer Mensch-Skulpturen, die oft unscheinbar daherkommen, aber doch enorme Kraft besitzen – wie hier „Schieflage“. Damit alles am rechten Platz steht, ist ein ehrenamtliches Aufbauteam aktiv: Künstlerinnen und Künstler, die Jahr für Jahr die Anordnungen und Hängungen selbst organisieren. „Ohne diese Gruppe geht es nicht“, betont Simone Hotz.

Der Verweis auf die aktuellen Krisen der Welt durfte bei der Eröffnung nicht fehlen. Die Auseinandersetzungen mit Kultur im weiteren Sinne und der Kunst im Speziellen könnten bei aller Hoffnungslosigkeit wirksame Gegenmittel sein, befand die Böblinger Galerieleiterin Corinna Steimel in ihrer Einführungsrede und sprach von der „Beständigkeit im Unbeständigen“. Kunst sei stets lebendig „und das Mittel, das am augenfälligsten Missstände anprangern kann“.

Online-Katalog

Zu finden unter
https://www.lrabb.de/site/LRA-BB-2018/get/params_E-1974181211/20208147/OnlineKatalog_Kunstunter888_2022%20%281%29.pdf