Der Blick in alte Stadtarchiv-Unterlagen soll für alle möglich sein. Foto: Archiv/Bischof

Wegen ihrer Kritik am Ausbau des Fleischermuseums befürchten geschichtsinteressierte Bürger Nachteile bei der Stadtarchiv-Nutzung – die Verwaltung reagiert und weist die Befürchtungen zurück.

Das Fleischermuseum am Marktplatz soll ausgebaut werden und sich stärker aktuellen Fragen rund um das Thema Nahrung widmen. Von dieser Konzeption samt der deutlich höheren Kosten hat Museumsleiter Christian Baudisch den Böblinger Gemeinderat vor Kurzem überzeugt.

Das sorgte aber nicht nur für Begeisterung. Wir berichteten von der Kritik geschichtsinteressierter Bürger an diesem Kurs, da gleichzeitig immer noch kein Museum für die Böblinger Stadtgeschichte existiert. Diese Kritiker wollten aber nicht mit ihrem Namen in der Zeitung genannt werden, da sie befürchten, dann keinen Zugang mehr zum Stadtarchiv Böblingen zu erhalten. Darauf hat nun die Stadtverwaltung mit einer Erklärung reagiert. Denn diese Sorgen wollte man offensichtlich nicht so stehen lassen.

Die Befürchtung der geschichtsinteressierten Bürger weist die Stadt zurück. „Das Stadtarchiv“, heißt es in der Erklärung, „steht grundsätzlich allen Bürgerinnen und Bürgern offen.“ Dieses Recht sei auch im Landesarchiv-Gesetz geregelt. „Jedermann hat nach Maßgabe der Benutzungsordnung das Recht, das Archivgut nach Ablauf der Sperrfristen zu nutzen […]“, stehe dort geschrieben.

Eine willkürliche Einschränkung des Zugangs für Einzelpersonen sei damit ausgeschlossen, betont die Stadt. Grenzen des Zugangs gebe es lediglich dann, wenn beispielsweise das Archivgut an sich eine Benutzung nicht zulässt (materieller Zustand, Schutzfristen, Erschließungszustand, Verwaltungsaufwand), das Gemeinwohl oder das Wohl einzelner, auch Dritter, dadurch gefährdet würde oder sich die Nutzer nicht an die Vorgaben der Archivordnung (zum Beispiel durch ihr Verhalten im Lesesaal) hielten.

Wenn Bürgerinnen und Bürger in Böblingen Angst vor einer Art Hausverbot im Archiv haben, sei das bedauerlich. „Sie können sich gerne an das Stadtarchiv wenden, um sich zu vergewissern, dass das Stadtarchiv ein Ort der Dienstleistung für die Bürgerschaft mit gepflegter Willkommenskultur ist“, so die Stadt weiter. Diese Willkommenskultur zeige sich auch in den Kooperationen, beispielsweise mit der AG Flughafengeschichte. Erst kürzlich sei im Amtsblatt der Artikel „Stadtgeschichte in Zusammenarbeit“ veröffentlicht worden, „bei dem die Arbeitsgemeinschaft intensive Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt sowie dem Stadtarchiv deutlich wird“, heißt es abschließend. red/mis

Die Archivordnung (Stadtrecht-Nr. 044.410) findet sich hier.