Nach dem plötzlichen Aus für die Geburtshilfe im Leonberger Krankenhaus hagelt es weiter heftige Kritik. Besonders beklagt wird der Vertrauensverlust.
Wenn die Geburtshilfe im Krankenhaus Leonberg zum 1. April geschlossen wird, dann gibt es für Hans Dieter Scheerer vor allem eine Konsequenz: „Die Mütter werden förmlich aus dem Kreis getrieben.“ Denn dass die Mehrzahl der Gebärenden aus dem Raum Leonberg sich dann vornehmlich an Stuttgarter Kliniken wenden und weniger an die einzig verbleibende Geburtshilfe in Böblingen, liegt für den FDP-Landtagsabgeordneten auf der Hand. „Gerade die Geburtshilfe steht wie kaum ein anderer Bereich für wohnortnahe Daseinsvorsorge.“
„Qualität und Erreichbarkeit in Einklang bringen“
Vor allem Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck und strukturelle Fehler würden kleinere Standorte massiv unter Druck setzen. Das ändere jedoch nichts daran, dass die Menschen vor Ort ein „berechtigtes Interesse an einer verlässlichen, gut erreichbaren Versorgung“ hätten. „Bereits in der Vergangenheit habe ich vor einer weiteren Zentralisierung der Gesundheitsversorgung gewarnt“, sagt der Freidemokrat aus Weil der Stadt. „Genau diese Entwicklung erleben wir nun.“
Ziel müsse nun sein, das Krankenhaus Leonberg „insgesamt zu stärken und klare Perspektiven für die verbleibenden medizinischen Angebote zu schaffen“, fordert Scheerer. „Wir brauchen eine Krankenhausplanung, die Qualität, Wirtschaftlichkeit und Erreichbarkeit in Einklang bringt. Zentralisierung darf kein Selbstzweck sein.“
Für Ottmar Pfitzenmaier ist es vor allem der „Vertrauensverlust“, der angesichts der kurzfristigen Schließung der Geburtshilfe besonders schwer wiegt. Unter solchen Umständen sei es nicht verwunderlich, wenn sich kaum ein Chefarzt für die Gynäkologie bewirbt, „sofern man überhaupt einen gesucht hat“. Der Chef der SPD-Fraktion im Gemeinderat räumt ein, dass eine Geburtshilfe in einem Haus mit Kinderklinik „medizinisch sinnvoll“ sei, wie es in Böblingen der Fall ist. Dennoch würden jetzt viele Mütter nach Stuttgart gehen.
Leonberg mit seinem großen Einzugsgebiet brauche „mindestens ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung“. Ein Medizinisches Versorgungszentrum direkt am Krankenhaus hat in Pfitzenmaiers Augen „viel Charme, ist aber ein dickes Brett“. Der neue Oberbürgermeister Tobias Degode, gehe das Thema „im Gegensatz zu seinen Vorgängern“ aktiv an und lasse sich nicht mit „wohlklingenden Absichtserklärungen abspeisen“.
„Krankenhaus wird demontiert“
Dass „Entscheidungen dieser Tragweite nicht hinter geschlossenen Türen im stillen Kämmerlein getroffen werden dürfen“, kritisiert Annette Gaber-Paul von der Leonberger SALZ-Fraktion. „Das Krankenhaus wird Stück für Stück demontiert.“ Die Menschen hätten „Anspruch auf vollständige und rechtzeitige Informationen, besonders wenn es um die Zukunft unseres Krankenhauses und die medizinische Versorgung geht“.
Geburtshilfe sei „nicht einfach ein Strukturposten“, sagt die Medizinerin. „Sie betrifft werdende Eltern, Familie und die Frage, wo in unserer Region neues Leben entsteht. Umso mehr hat mich die vorzeitige Schließung ohne transparente Information enttäuscht.“