Er reicht auf dem Krämermarkt in Leonberg einiges über den mobilen Verkaufstresen: Daniel Strohbach ist Händler aus Filderstadt. Foto: Geronimo Schmidt

Der Krämermarkt Leonberg mit seinen vielen Ständen und unzähligen Waren ist vom Pferdemarkt nicht wegzudenken. Stellenweise ging es für Kunden am Dienstag nur in Trippelschritten voran.

Früh aufstehen? Stört Daniel Strohbach nicht. Für den Krämermarkt beim Leonberger Pferdemarkt stellt sich der 40-jährige Händler den Wecker sogar noch früher als gewöhnlich – auf 3 statt auf 4 Uhr. „Eine größere Tradition gibt es nicht“, sagt Daniel Strohbach mit Blick auf das Geschehen in Leonberg. Dann erzählt er, sein Job bereite ihm „eine Riesenfreude“. Für ihn und seine Frau Sabrina sei immer klar gewesen, dass sie das Geschäft ihres Großvaters und später des Vaters übernehmen. Wenngleich es mitunter auch viel Kraft koste, Waren auf Märkten feilzubieten.

Sabrina und Daniel Strohbach führen „Haushaltswaren Strohbach“ in jetzt dritter Generation. Sabrina Strohbachs Großvater zog einst von Haus zu Haus, mit Reisekoffer voller Kleiderbügel, ehe er vor gut 70 Jahren erstmals Märkte besuchte und das Sortiment erweiterte. Während die 36-Jährige eher im stationären Laden in Filderstadt (Kreis Esslingen) steht, tingelt ihr Mann gern von Ort zu Ort. Er mag es, draußen unterwegs zu sein, heute hier, morgen dort, berichtet der Zimmermann. Im Jahr kommt das Paar auf rund 180 bis 190 Markttage.

Krämermarkt-Händler setzt auf Holz und Stroh statt Silikon

Zu den Kunden gehören sowohl Kinder, die Ausstecherformen kaufen, wie Ältere, die einen Schäler oder ein Schneidebrett brauchen. Nicht jeder könne oder wolle das Internet nutzen, sagt Strohbach. Zugleich würden zunehmend Fachhändler für Haushaltswaren schließen oder auf der Kippe stehen.

Die Familie Strohbach aus Filderstadt verkauft seit gut 70 Jahren auf Märkten Holz- und Haushaltswaren. Foto: Geronimo Schmidt

Auf die Frage, wie das Geschäft laufe, antwortet Daniel Strohbach: „Wir sind zufrieden.“ Wichtig sei, dass die Kommunen die Werbetrommel rührten und viele Menschen lockten – die auf Freundlichkeit, Beratung und Qualität Wert legen würden. „Ich bin zu jung, um Müll zu verkaufen. Mit Ramsch kommt man nicht weit“, sagt er. Vielmehr versuchten seine Frau und er zudem, bewusst „altmodisch“ zu bleiben, indem sie auf Materialien wie Holz und Stroh setzen und „nicht ganz den Trend mitgehen“ – womit Daniel Strohbach zum Beispiel Produkte aus Silikon meint.

Der Krämermarkt in der Steinstraße gehört zum Leonberger Pferdemarkt so fest wie der Rummel, der Umzug und die Veranstaltungen rund um die Keller und Pferde. Stellenweise ging es am Dienstag nur noch in Trippelschritten voran.

Ein Krämermarkt-Händler ist pessimistisch: „Der Markt ist tot“

Stöbern und shoppen, schlemmen und schwätzen – mit Freunden, Bekannten, Nachbarn, die sich dort oft zufällig treffen: Es gibt viele Gründe, warum es zwischen den weit mehr als 100 Ständen in der Steinstraße voll wird. Viele Menschen kommen, weil es Tradition ist. Manche auch gezielt, weil sie etwas Bestimmtes benötigen, andere finden zufällig etwas, für sich oder zum Verschenken.

Es sind aber auch andere Töne zu hören, pessimistische. „Es ist sehr schwer. Der Markt ist tot“, sagt ein Händler, der Gemüseschäler verkauft. Viele Ältere, die überwiegend zu seinen Kunden zählten, würden ihr Geld zusammenhalten – und Jüngere das Angebot im Internet nutzen. Aufgeben mag der 23-Jährige dennoch nicht. Er sagt, er arbeite viel und besuche mittlerweile 80 Märkte – damit doppelt so viele wie früher, damit es ihm zum Leben reicht: „Man kämpft sich durch.“