Wenn Jugendliche oder junge Erwachsene einen Event-Managementkurs besuchen, dann kommt am Ende ein Konzert in Fellbach heraus. Wie geht das? Und wer tritt an?
Die coronabedingte Zwangspause war lang. Doch nun gibt’s an diesem Samstag, 18. Juni, im Fellbacher Jugendhaus endlich wieder eine Musikveranstaltung. Das Konzert ist das Ergebnis eines Eventmanagementkurses für Jugendliche an der Stuttgarter Musikschule. Da eine Band aus dem Proberaum des Fellbacher Jugendhauses an dem Workshop teilgenommen hat, lag es nahe, die Abschlussveranstaltung nach Fellbach zu bringen.
Das Ganze nennt sich „Music Cloud“ – ausgehend von diversen Fragen: Warum gehen Leute in ein Konzert? Was wollen sie dort erleben, denken, fühlen? Wie können Konzerte das Kulturleben und unsere Gesellschaft bereichern? Neun Jugendliche, darunter eben auch einige aus Fellbach, haben sich damit im Kurs Musik 21 befasst, der dieses Jahr zum ersten Mal an der Stuttgarter Musikschule stattfand.
Reeperbahn-Festival als Vorbild
Das Kursprogramm ist wiederum ein Projekt der Hamburger Kultur- und Bildungsinitiative Tonali und dem Reeperbahn Festival, das durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien gefördert wird. Bereits im vergangenen Jahr hatten im Rahmen eines Tonali-Projekts und unterstützt vom hiesigen Kulturamt insgesamt 19 Fellbacher Gymnasiasten und Realschüler zwei Gastspiele des Stuttgarter Kammerorchesters im großen Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle vorbereitet und vor Ort auch organisiert.
Der aktuelle Kurs wiederum richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren, die sich mit eigenen Kulturprojekten gesellschaftlich engagieren wollen. In sieben Modulen vermittelt Musik 21 die wichtigsten Grundlagen des Kultur- und Musikmanagements und gibt Einblicke in die Abläufe und Arbeitsbereiche der Branche. Ein besonderer Fokus liegt darauf, dass die Jugendlichen ein ganzheitliches Verständnis für die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur entwickeln.
Der Musik-Nachwuchs plant seit Wochen
Die Teilnehmenden des Stuttgarter Kultur- und Management-Kurses – junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 20 Jahren – planen, konzipieren und organisieren bereits seit mehreren Wochen in zwei Gruppen ihre Projekte. Unterstützung bekommen sie dabei von Claudia Cassel und Tamara Geißner. Die beiden sind Lehrkräfte für Violine und Klavier an der Stuttgarter Musikschule. Für den Musik-21-Kurs haben sie sich exklusiv bei Tonali in Hamburg zu Kursleiterinnen ausbilden lassen.
In der Kursarbeit sind zwei Konzertformate entstanden. Eines davon ist Music Cloud: inspiriert von Sound Cloud, einer kostenlosen Werbeplattform für Musikerinnen und Musiker, bietet dieses Projekt jungen Bands aus der Region die Möglichkeit, live aufzutreten und neue Fans für sich zu gewinnen. Drei Bands, die unterschiedlichsten Musikstile pflegen, werden im Music-Cloud-Konzert an diesem Samstag, 18. Juni, im Fellbacher Jugendhaus an der Esslinger Straße zu hören sein.
Ein Konzertabend – drei ganz unterschiedliche Bands
Konkret handelt es sich um folgende drei Bands: Den Abend eröffnen gegen 19 Uhr die Retro Rebels aus Stuttgart – es sind vier Jungs und ein Mädel in einer klassischen Bandbesetzung. Kennengelernt haben sie sich in der Stuttgarter Musikschule. Die Freundschaft und der Spaß am gemeinsamen Musikmachen führten sie zusammen, um eine eigene Band zu gründen. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, den Menschen Rockmusik – vor allem aus den 80ern – über Coversongs, aber auch durch eigene Songs im 80er-Style wieder näher zu bringen. Weiter geht es mit einer abwechslungsreichen Mischung, dargeboten durch die Band mit dem interessanten Namen Are We Used To It. Dabei handelt es sich um eine im Jahr 2014 gegründete, fünfköpfige Alternative-Band aus dem hessischen Rodgau. Die Musik der Jungs entwickelt sich aus verschiedenen Genreeinflüssen und ergibt eine abwechslungsreiche Mischung mit vielen Facetten aus Rock, Metal und Alternative, die die unterschiedlichen Charaktere der Band auf musikalische Weise zusammenfasst. „Ihre Musik ist mitreißend und bleibt im Ohr“, heißt es in der Ankündigung der jungen Konzertveranstalter.
Dem Höhepunkt entgegen geht es dann mit der Band Sündflut mit klassischem Punkrock und Metal-Elementen. „Wir können alles außer in den Schlaf wiegen“, so der freche Werbespruch der Combo. Und: „Kanten sind griffig und Teil unserer bewegten Biografie.“ Die Punkrockerin und die Punkrocker mit der völlig zufälligen Herkunft Bempflingen blicken auf eine mittlerweile beachtliche Live- und Albumhistorie seit nunmehr 15 Jahren zurück – und trotzdem markierte das Jahr 2022 einen Neuanfang der besonderen Art. Ihr Punk ist bedingungslos. Abgeleitet von der biblischen Metapher der Sintflut, die aufgrund verfallener gesellschaftlicher Werte eintrat, ist der Name zu einem Großteil inhaltliches Programm: „ Die Band macht immer reinen Tisch, nimmt kein Blatt vor den Mund und steht für Antifaschismus, Toleranz, Umweltschutz, Gerechtigkeit und eine klare Kante gegen rechts ein“, erklären die Veranstalter.
Aufleben nach der Pandemie
„Wer nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder ein gutes und selbstgemachtes Live-Konzert erleben und zusätzlich junge Bands aus der Region unterstützen will, ist bei Music Cloud genau richtig“, versprechen die jungen Organisatoren in ihrer selbst entworfenen Werbekampagne.
Die Music Cloud findet an diesem Samstag, 18. Juni, um 19 Uhr im Jugendhaus Fellbach an der Esslinger Straße, direkt vor dem Familien- und Freizeitbad F3 gelegen, statt. Der Einlass beginnt um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.