Arbeiter in der Fabrik von Dongfeng Honda Automobile Co. arbeiten am Fließband im chinesischen Wuhan. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa Foto: dpa

Die chinesische Wirtschaft ist auch im zweiten Quartal robust gewachsen. Ökonomen gehen aber von einer Abkühlung in der zweiten Jahreshälfte aus. Deutsche Firmen freuen sich über üppige Gewinne.

Peking - Nach einem Rekordstart ins Jahr hat sich Chinas Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal etwas verlangsamt. Die hinter den USA zweitgrößte Volkswirtschaft legte von April bis Juni im Vorjahresvergleich um 7,9 Prozent zu, wie das Pekinger Statistikamt am Donnerstag mitteilte.

China hat die Pandemie schon lange überwunden, weshalb die Wirtschaft boomt. Die neuen Wachstumszahlen liegen im Rahmen der Erwartungen, fallen jedoch geringer als im ersten Quartal aus, als die Wirtschaft im Vorjahresvergleich noch um einen Rekordwert von 18,3 Prozent gewachsen war.

Ungewöhnlich großer Zuwachs

Der ungewöhnlich große Zuwachs erklärte sich damals damit, dass die Konjunktur im Frühjahr 2020 wegen der Corona-Krise stark eingebrochen war, womit der Vergleichswert niedrig war. Nun ist das Wachstum Experten zufolge dabei, zum langfristigen Trend vor der Pandemie zurückzukehren. Zusammengerechnet lag das Wachstum im ersten Halbjahr bei 12,7 Prozent.

"Im Allgemeinen hat sich die Volkswirtschaft im ersten Halbjahr stetig erholt", hieß es in der Mitteilung des Statistikamtes, in der zugleich vor Unsicherheiten gewarnt wurde. Als Risiko wurde die unvorhersehbare Entwicklung der Pandemie genannt, die international auf dem Vormarsch sei. Ausbrüche in anderen Teilen der Welt könnten sich schnell auf Chinas Handel auswirken.

Steigende Binnennachfrage

Die Weltbank schätzte zuletzt, dass die chinesische Wirtschaft im Gesamtjahr um 8,5 Prozent zulegen könnte. Sowohl das Vertrauen von Verbrauchern als auch Unternehmen habe sich zuletzt weiter verbessert, weshalb von besseren Arbeitsmarktbedingungen und einer steigenden Binnennachfrage auszugehen sei. Auch Chinas Exporte dürften sich laut der Vorhersage gut entwickeln.

Die chinesische Regierung ist vorsichtiger und legte ihr offizielles Wachstumsziel im Frühjahr auf einen Wert von "über 6 Prozent" fest.

"Null-Covid-Strategie" zahlt sich aus

Die Regierung in Peking verfolgt eine "Null-Covid-Strategie". Mit Ausgangssperren, Massentests, Kontaktverfolgung, Quarantäne und strengen Einreisebeschränkungen hat das Land das Coronavirus weitgehend im Griff. Es gab seit dem vergangenen Sommer nur noch wenige, kleinere Ausbrüche, so dass sich die Wirtschaft und das Alltagsleben normalisieren konnten.

Auch andere am Donnerstag vorgelegte Daten zeigten eine weitgehend stabile Entwicklung auf. Die Industrieproduktion, ein Maß für die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe, legte im Juni im Vorjahresvergleich um 8,3 Prozent zu. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 12,1 Prozent. Beide Werte lagen über den Erwartungen.

Beeindruckende Außenhandelszahlen

Bereits am Dienstag hatte China stärker als erwartete Zahlen für den Außenhandel vorgelegt. Die Exporte stiegen im Vorjahresvergleich um 32,2 Prozent. Die Importe legten sogar um 36,7 Prozent zu.

Von der Erholung der chinesischen Wirtschaft profitieren auch deutsche Konzerne. Viele Unternehmen, die in China tätig sind, konnten sich im vergangenen halben Jahr über üppige Gewinne freuen. Laut einer im Juni veröffentlichten Umfrage der EU-Handelskammer profitierten die Firmen davon, dass China schneller als andere Weltregionen die Pandemie überwinden konnte und die Wirtschaft bereits im vergangenen Jahr wieder Fahrt aufnahm.

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