Bäume vor der Stadtbibliothek in Stuttgart: Von 2026 an könnte das Budget für Bäume deutlich kleiner ausfallen. Foto: Imago/NurPhoto

Stuttgart will zwei Millionen Euro für Bäume sparen. Ausgerechnet, sagt ein Experte, der schon bei vielen Gartenschauen mitgemischt hat. Der Trend sei längst ein anderer.

Reiner Bierig war überrascht, dass in Stuttgart für 2026 und 2027 rund zwei Millionen Euro für neue Stadtbäume eingespart werden sollen. „Das kann man nicht nachvollziehen in der heutigen Zeit“, sagt er. „Paris oder Wien nehmen gigantische Mittel in die Hand, um die Stadt lebenswerter zu machen.“

Bierig ist der Geschäftsführer des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg. Dass in Stuttgart an Bäumen gespart werden soll, kann er angesichts der immer heißer werdenden Sommer aufgrund des Klimawandels nicht verstehen. Ohne mehr Grün „wird die Stadt förmlich leer gekocht“.

250 Betriebe aus der Region Stuttgart

Dem Verband gehören 800 Betriebe aus Baden-Württenberg an, in der Region Stuttgart allein 250. Er organisiert unter anderem die Landesgartenschauen mit. Und wenn Bierig aus seiner mehr als 30-jährigen Erfahrung eines sicher sagen kann: Bei diesen Gartenschauen spielt die Klimaanpassung in Form einer blau-grünen Infrastruktur, also mehr Wasser und Grün, inzwischen eine große Rolle. „Das hat sich durchgesetzt.“

2014 war die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd. Die letzte solche Ausstellung in Stuttgart war 1993. Foto: Archiv Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Sein persönliches Aha-Erlebnis habe er bei der Landesgartenschau in Ostfildern 2002 gehabt. Mit dem Scharnhauser Park entstand damals ein Viertel, in dem kein Tropfen Regenwasser in der Kanalisation landet.

Ob die Landesgartenschauen 2014 in Schwäbisch Gmünd, 2019 im Remstal oder 2024 in Wangen im Allgäu – renaturierte Gewässer, mehr Grünfläche, Hochwasserschutz werden zum zentralen Thema. Heilbronn, sagt Bierig, wurde vor Kurzem sogar zur Grünen Hauptstadt Europas gekürt. Nur in Stuttgart, „da könnte man viel mehr machen“.

Zwar ist im Gespräch, ob Stuttgart gemeinsam mit Esslingen, Ludwigsburg und dem Verband Region Stuttgart den Neckar bei einer Bundesgartenschau mehr ins Zentrum rückt. „Das wäre aber frühestens Anfang der 2040er-Jahre“, sagt Reiner Bierig. Und damit 50 Jahre nach der letzten Ausstellung dieser Art in der Landeshauptstadt: der Internationalen Gartenschau im Jahre 1993.

Bis 1993 habe sich Stuttgart regelmäßig beteiligt, viele wunderbare Orte seien so entstanden, wie der Killesberg oder der Schlossgarten. „Seither ist diesbezüglich nichts mehr passiert.“