Naturkinder brauchen keine richtigen Häuser, sie haben aber trotzdem bei Bedarf ein Dach über dem Kopf. Das zeigten sie beim Tag der offenen Tür. Foto: Diakonissenmutterhaus

Der Gemeinderat hat beschlossen, die Einrichtung nicht zu erweitern, es gebe keinen Bedarf. Die Plätze in der Gemeinde reichten aus.

Ohne Gegenstimme beschloss der Aidlinger Gemeinderat zuletzt eine Erhöhung der Mietkosten von 3,18 auf 5 Euro pro Quadratmeter für den Naturkindergarten „Pusteblume“ auf Basis der bestehenden Fläche. Gleichzeitig gibt es für die vom Diakonissen-Mutterhaus betriebene Einrichtung einen einmaligen Zuschuss von rund 30 000 Euro für bauliche Maßnahmen des Arbeitsschutzes. Das Ganze analog zum Waldkindergarten, womit die Gemeinde Aidlingen dem Gleichbehandlungsgrundsatz Rechnung trägt. Darüber hinaus aber: keine Erweiterung.

Gefordert hatte das Mutterhaus bereits im April vergangenen Jahres eine 100-prozentige Übernahme des Abmangels und außerdem weitere Kosten für die Erweiterung der „Pusteblume“ und deren Umwandlung in einen integrierten Naturkindergarten mit entsprechend zusätzlichem Raumbedarf. Damals nahm der Verwaltungsausschuss das Ansinnen zur Kenntnis, entschied sich aber dazu, die Entscheidung über eine etwaige Erweiterung abzuwarten, bis die aktuellen Zahlen der Kindergartenbedarfsplanung vorliegen. Aus gutem Grund, wie sich jetzt ein Jahr später herausstellte.

„Wir haben aktuell nicht den Bedarf“, stellte CDU-Gemeinderat Malte Schaub vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen fest, die zeigen, dass die vorhandenen Kindergartenplätze in Aidlingen und den Teilorten bis auf Weiteres ausreichen. Bevor man die „Pusteblume“ erweitere, müssten zuerst die freien Plätze in den kommunalen Kindergärten gefüllt werden, stellte auch Kämmerin Michelle Lang klar.

Ein Ü3-Platz ist teurer als in kommunalen Kitas

Einige Unruhe im Vorfeld hatte eine Petition verursacht, die Gerüchte anheizte, die Gemeinde wolle sich vom Naturkindergarten „Pusteblume“ zurückziehen. „Keiner will die ,Pusteblume’ abschaffen“, unterstrich Malte Schaub. Elke Anders, Bündnis 90/Grüne, betonte, dass man erst einmal miteinander reden solle, bevor Falschmeldungen die Runde machten.

Laut Gesetz sind Gemeinden verpflichtet, mindestens 63 Prozent der Betriebskosten nicht-kommunaler Kinderbetreuungseinrichtungen zu tragen. Zusätzlich bezuschusst die Gemeinde Aidlingen im Fall der „Pusteblume“ freiwillig 60 Prozent des entstehenden Abmangels, was in der Summe einer Übernahme von 80 Prozent der Gesamtkosten entspricht. „Die Pusteblume“ kostet 13 Prozent mehr als unsere kommunalem Kindergärten“, rechnete Grünen-Gemeinderat Siegmund Zweigart vor. Ein Ü3-Platz sei in der Pusteblume sogar 20 teurer als in den Aidlinger kommunalen Kindergärten und im vergleichbaren Waldkindergarten 30 Prozent billiger. „Wir müssen alle Kinder im Blick haben“, begründete demzufolge Fraktionskollegin Elke Anders die einvernehmlich getroffene Entscheidung des Gremiums.