Kadavar aus Berlin haben das LKA mit einer rauschhaften, lysergischen Show direkt in ein Rock’n’Roll-Wurmloch geführt.
Als Gene Simmons von KISS vor einigen Jahren mal unüberlegt postulierte, Rock sei tot, outete er sich unfreiwillig als alter weißer Mann, der längst nichts mehr mitbekommt. Rock ist mitnichten tot, war es nie und wird es wahrscheinlich so bald auch nicht sein. Dafür sorgen unter anderem die Berliner Kadavar, die gemeinsam mit den Schweden Graveyard und den Finnen Polymoon durch Europa touren. Ihr Sound atmet den Geist von Led Zeppelin oder Black Sabbath, ihr Auftritt am Freitagabend im sehr gut gefüllten LKA findet vor einem durchschnittlich sehr jungen Publikum statt. Was sagen Sie dazu, Mister Simmons?
Kadavar sind mit Polymoon und Graveyard auf Tour
Vor Kadavar zeigen zunächst Polymoon ihren eigenwilligen und durchaus exzentrischen Prog Rock vor einem interessierten Publikum. Solche Musik braucht Nerds und die finden sich an diesem Abend im LKA. Mit psychedelischer Schlagseite geht es tief hinein in einen Kaninchenbau voller Referenzen an die frühen Pink Floyd oder King Crimson.
Eine andere Seite der Vergangenheit zeigen danach Graveyard. Die Band aus einem Vorort von Göteborg war vor über zehn Jahren maßgeblich am Retro-Rock-Boom beteiligt, löste sich Ende 2016 auf und kam Anfang 2017 wieder zusammen. Die letzte Platte ist zwar fünf Jahre her, doch verlernt haben die Schweden nichts: Schwerer, sehr vom Blues geprägter Rock füllt das LKA, die vier langhaarigen Herren verstehen sich blendend darauf, verzerrte Riffs, massiven Groove und eine gewisse Hendrix-Aura heraufzubeschwören.
Das passt alles ganz wunderbar zusammen
Könnte alles nicht besser zu Kadavar passen, die sich geschmacklich ebenfalls an den späten Sechzigern und frühen Siebzigern gütlich tun, aber schon wieder andere Referenzpunkte an ihrem Nachthimmel erstrahlen lassen. Hier schwingt die Megalomanie Led Zeppelins ebenso mit wie die frühe primitive Bosheit von Black Sabbath und der freie Geist von The Grateful Dead.
Mittlerweile um ein viertes Mitglied verstärkt, punkten die Berliner wie schon bei ihrem Auftritt im Wizemann vor rund einem Jahr mit ihrem kolossalen, dröhnenden alles niederwalzenden Sound. Es gibt wenige Bands, die live ein derart massives Gerüst aufbauen, an dem sie sich mit Chuzpe, Spielfreude und großen Gesten entlanghangeln. Hard Rock, Doom, Proto Metal oder wie auch immer man dazu sagen will: Kadavar stehen seit über zehn Jahren als lebender und sehr erfolgreicher Beweis dafür, dass Rock eben alles andere als tot ist.
Eine Lektion in bewusstseinserweiternder Rockmusik
Der tonnenschwere Groove von „A Thousand Miles Away From Home“ und das fiebrige Flackern von „Doomsday Machine“ gipfeln in einer ausufernden, lysergischen Zugabe, in der sich der Vierer in endlosen Kaskaden und rauschhaften Repetitionen wiederholt. Andere spielen Hits zum Schluss, Kadavar katapultieren das LKA in den Kosmos: Eine Lektion in bewusstseinserweiternder Rockmusik.