Die Kicker der Spvgg Warmbronn posieren mit Bäcker Zacherts Brezeln. Foto: Geronimo Schmidt

Jugendkicker der Spvgg Warmbronn lassen sich die nachhaltige Brotproduktion vom Leonberger Bäckermeister Rainer Zachert erklären. Die Aktion ist Teil eines größeren Projektes.

In der globalisierten Welt des Fußballs steht das Thema Nachhaltigkeit in der Regel eher hintenan. Passen diese beiden Themen überhaupt zusammen? „Das muss zusammenpassen“, findet Andreas Wagner. Gemeinsam mit weiteren Eltern führt er das Projekt „Waldkicker“ bei den Jugendfußballern der Spvgg Warmbronn durch. Dahinter steht die gleichnamige Non Profit Organisation aus Sinsheim. „Nachhaltigkeit kickt! Wir suchen Deutschlands nachhaltigstes Fußballteam (U7 - U10)“ verlautet die Organisation auf ihrer Webseite. Die Spvgg Warmbronn geht für dieses Projekt mit der U10 an den Start.

Wie es dazu kam, weiß Bianca Feichtenschlager, deren Gatte Thomas den Startschuss im Verein gab. „Mein Mann wollte in erster Linie die Kinder und Eltern als Team stärken“, erzählt sie. Ursprünglich hatte Thomas Feichtenschlager nach einer Teambuildingmaßnahme für die Jugendmannschaft gesucht, doch er entschied sich gegen Hochseilgarten oder Kanufahren. Es habe auch einfach zum Verein gepasst, findet Bianca Feichtenschlager. Nicht nur der Sportplatz der Spvgg, der ganze Ort selbst ist von Wald umgeben.

Rege Beteiligung in der Backstube. Foto: Geronimo Schmidt

„Das verkörpern wir“, meint Bianca Feichtenschlager, die als Teil des Orga-Teams schon diverse Aufgaben mit den Kindern absolviert hat, vorrangig geht es um die Unterstützung nachhaltigkeitsbewusster Initiativen vor Ort. Kürbisse ernten mit Bauer Martin Gommel auf dem Warmbronner Birkenhof, Bäume pflanzen mit dem Leonberger Förster oder Müll sammeln und trennen. Dabei, erzählt Andreas Wagner, lernen die Kinder immer auch, warum sie dies tun und welche Wirkung sich aus der nachhaltigen Handlung ergibt.

Die Kinder bewundern den großen Sauerteig. Wie alt der wohl ist? Foto: Geronimo Schmidt

Eine besondere Attraktion ist der Besuch der Bäckerei Zachert. Hier setzt sich Inhaber Rainer Zachert schon lange für Nachhaltigkeit ein, wie er den acht Jungen im Alter von neun bis elf Jahren erzählt, die in seiner Backstube stehen. Zachert erzählt vom sogenannten Blütenkorn, bei dessen Anbau mehrere Blühstreifen freigehalten werden, welche Bienen als Futterquelle und bodenbrütenden Vögeln als Quartier dienen. „Nachhaltigkeit ist nicht nur was für uns“, sagt Zachert und erzählt von seinen Aufenthalten in Tansania, wo er die Bauern vor Ort bei der lokalen Getreideproduktion unterstützt. Das meiste Getreide werde dort aus der Ukraine importiert, berichtet er.

Woher kommt das Essen eigentlich?

Spielerisch hilft er den Kindern zu verstehen, woher die Zutaten für die alltäglichen Backwaren kommen. Die jungen Fußballer raten emsig um die Wette, wenngleich Anregungen wie Orangen, Bananen oder Pfirsiche nicht in die Reihe lokal produzierter Lebensmittel fallen. Bäckermeister Zachert erzählt vom Konflikt zwischen Nachhaltigkeit und Preis sowie von den Problemen bei der Ernte von heimischen Nüssen oder Kirschen, wo es an Erntehelfern mangele. „Wir müssen wieder bereit sein, Kirschen zu pflücken und Nüsse zu sammeln“, sagt er. Dann zeigt er einen großen Bottich, in welchem sein Sauerteig brütet, und lässt raten, wie alt dieser wohl sei. Die Gebote fliegen durch den Raum, drei Tage, drei Wochen, alles ist dabei.

Zachert enthüllt, sein Sauerteig wird dreimal täglich neu angefüttert, der ursprüngliche Starter sei bereits 1960 angesetzt worden. Die Kinder löchern den 61-Jährigen mit Fragen, die teils skurril anmuten. Wie lang das Tuch sei, mit dem der Sauerteig abgedeckt wird, wann Zachert das Backen begann und mit welchem Geld damals bezahlt wurde. Nach einem Abstecher in die Kühlräume zeigt der Meister, wie seine Brezeln hergestellt werden. Während die schwäbischen Köstlichkeiten im Ofen brutzeln, erläutert der Bäckermeister seine Öfen, die mit Gas betrieben werden und eine Vorrichtung zur Wärmerückgewinnung eingebaut haben.

Nachhaltigkeit hat viele Facetten

Für Zachert spielt beim Thema Nachhaltigkeit vor allem Regionalität eine große Rolle, er setzt auf lokal produzierte Rohstoffe, kurze Transportwege, auch seine Mitarbeiter sollen möglichst kurze Arbeitswege haben. „Nachhaltigkeit beginnt hier“, betont er. Wie dieses Thema mit dem Fußball zusammenpasst? „Fußballer essen auch“, schmunzelt der Bäckermeister, verweist zudem auf die Außenwirkung, die Fußballer in jeder Stadt hätten. Er glaubt, dass die Kinder bei ihrem Besuch vor allem mit Spaß gelernt hätten, woher ihre täglichen Lebensmittel kommen.

Die Kinder, die zum Schluss nicht nur auf Grund der von Bäcker Zachert spendierten Backwaren kaum noch stillstehen können, bestätigen den Eindruck. Was ist für die jungen Fußballer denn nun Nachhaltigkeit? Der zehnjährige Matti erklärt: „Nachhaltigkeit heißt, gute Sachen für die Umwelt zu tun.“ Mitspieler Moritz, neun Jahre alt, findet: „Nachhaltigkeit ist wichtig, das kann man ganz einfach machen und damit die Welt schützen.“

Auch süße Sachen produziert Bäcker Zachert nachhaltig. Foto: Geronimo Schmidt/Geronimo Schmidt

Darin sind die Warmbronner Waldkicker übrigens ziemlich gut. Nachdem sie unter über 2000 Bewerbern als eine von 50 Teilnehmer-Teams ausgewählt wurden, belegen sie in der auf der Homepage des Projektes geführten Rangliste aktuell den zehnten Platz.