Die Jugendfarm soll einen neuen Stall bekommen, der wird aber deutlich teurer als geplant. Foto: Torsten Schöll

Das Umspannwerk Birkach muss modernisiert werden. Das wirkt sich auf die benachbarte Jugendfarm aus: deren Weide wurde verlegt, der geplante Stall wird teurer.

Am 18. Juni beginnen die Bauarbeiten am neuen Umspannwerk Birkach. Das Infrastrukturprojekt mit einem Volumen von 30 Millionen Euro hat erhebliche Auswirkungen auf die benachbarte Jugendfarm. So kommt jetzt der in diesem Zusammenhang geplante neue Stall den Jugendfarmverein voraussichtlich deutlich teurer als ursprünglich kalkuliert.

Seit Jahren ist klar, dass das Umspannwerk Birkach am nördlichen Ortsrand grundlegend modernisiert werden muss. Nachdem anfangs von einer Bauzeit zwischen 2023 und 2025 die Rede war, hat der Betreiber, Stuttgart Netze, den tatsächlichen Baustart nun für 18. Juni angekündigt. Das neue Umspannwerk soll die Stadtbezirke, Plieningen, Sillenbuch sowie Teile von Möhringen und Degerloch verlässlich mit Strom versorgen.

Das neue Umspannwerk entsteht direkt neben dem alten

Weil das alte Umspannwerk während des Neubaus in Betrieb bleiben muss, entsteht die neue Anlage direkt neben der alten. Erst wenn das neue Umspannwerk fertiggestellt ist, kann das alte rückgebaut werden. Das hatte schon bereits lange vor Baustart Folgen für die Jugendfarm.

Denn die Fläche, auf der die neue Anlage entsteht und die weitgehend in Besitz von Stuttgart Netze ist, konnte die Jugendfarm bis vor kurzem kostenlos als Tierweide nutzen. Ersatz hierfür fand sich neben der bisherigen Pferdeweide, wo die Stadt der Jugendfarm ein Wiesengrundstück zur Verfügung stellte, das zuvor landwirtschaftlich genutzt worden war. Auch der Zugang zur Jugendfarm musste neu angelegt werden: Zu diesem Zweck führt nun von der Zufahrt zum alten Umspannwerk ein mit befahrbaren Matten ausgelegter Weg auf das Farmgelände.

Stefan Wille, der Erste Vorsitzende des Trägervereins Jugendfarm. Foto: Torsten Schöll

Ein anderes Problem harrt allerdings noch der Lösung: Weil wegen der Baumaßnahme auch ein Kaninchenstall weichen musste, hatte der Jugendfarmverein schon vor rund drei Jahren den Entschluss gefasst, eine neue Stallanlage für alle Kleintiere zu bauen. Kalkulierte Kosten damals: rund 200 000 Euro.

Wie der Erste Vorsitzende des Vereins, Stefan Wille, jetzt berichtet, sind diese Schätzungen inzwischen Makulatur: „Wir rechnen jetzt mit Kosten von etwa 350 000 Euro“, sagt Wille. Verantwortlich hierfür seien die in den vergangenen Jahren enorm gestiegenen Baukosten.

Der Zuschuss der Stadt dürfte nicht ausreichen

Nicht ausreichen dürfte damit auch der bereits bewilligte Zuschuss der Stadt von 150 000 Euro. „Wir haben deshalb für den Haushalt 2026/27 noch einmal 130 000 Euro beantragt“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Die restliche Summe soll durch Eigenmittel und Spenden aufgebracht werden. Zu diesem Zweck habe sich auch ein Fundraising-Team gebildet.

Ob und wie sich Stuttgart Netze an den Kosten beteiligt, kann Wille aktuell nicht sagen. Auf Anfrage betont der Sprecher des Netzbetreibers, Moritz Oehl, dass sich das Unternehmen „im regelmäßigen Austausch mit Vertretern der Jugendfarm“ befinde. Dasselbe gelte in Bezug auf die Frage, ob die Jugendfarm nach Fertigstellung des neuen Umspannwerks die frei werdende Fläche nutzen kann.

Klar ist nur: Die gesamte Baumaßnahme in der Aulendorfer Straße wird „voraussichtlich vier Jahre dauern“ und kostet, wie Sprecher Oehl weiter erklärt, rund 30 Millionen Euro.