Am Abend bevor Iron Maiden den Wasen erobern ging es im Schwarzen Keiler rund – Eindrücke aus Stuttgarts einzigem Heavy-Metal-Club.
Die große Iron-Maiden-Warm-up-Party im Schwarzen Keiler am Berliner Platz beginnt um 22 Uhr am Freitagabend. Kurz vor Öffnung sieht man nur wenige Fans, die an der Tür schon warten – kaum ist sie offen, werden es mehr und mehr, Getränke fließen, Musik donnert, die Gäste werden langsam locker. Jürgen Hess alias DJ Frank Drake legt auf und doziert zuvor schon gerne ein wenig über die große Wissenschaft vom klassischen Metal, über die Helden, die vor rund 45 Jahren eine Musik erfanden, die heute viele Tausend Fans nach Stuttgart wandern lässt.
Der Mann, der sich Frank Drake nennt, war ein Skater, in den frühen 1990er Jahren, entdeckte Iron Maiden als Musik auf Skater-Videos aus den USA, begann, zu forschen, grub sich zu vordigitaler Zeit tief ein in die Discografien der klassischen Metal-Bands, und will im Schwarzen Keiler nicht nur die großen Hits der Band des Abends abspielen, sondern auch viel Unbekanntes, Songs wie „Déjà Vu“ oder „Alexander the Great“ beide von 1986 – „Deep Cuts“, Stücke also, die vielleicht nicht jeder kennt, die Fans aber verzücken. Dazu viel „Artverwandtes“, also Judas Priest, Saxon, Manowar und natürlich Ozzy Osbourne. Der Schwarze Keiler, eröffnete im September 2022, als Stuttgarts erster und einziger Heavy-Metal-Club. Im Sommer 2022, als die Iron Maiden zuletzt den Wasen bespielten, gab es ihn noch nicht.
Die Fans freuen sich auf Iron Maiden
Jetzt ist er voll. Hinterm Tresen schauen künstliche Totenköpfe heiter in die Runde, künstlicher Nebel schießt auf die Tanzfläche, ein paar Fans haben begonnen, auf dem Boden des Clubs mit Klebeband ein Pentagramm zu zeichnen. Frank Drake beginnt seine Moderation, sprich von Ozzy, dem jüngst Verstorbenen, dem die Metal-Gemeinde an diesem Abend auch huldigen wird. „Afraid to shoot Strangers“ heißt der Song, der nun den Club füllt, und den die treuen Maiden-Fans sogleich erkennen.
Draußen, wo es leiser donnert, steht Juli aus Böblingen mit einer Freundin aus Calw und freut sich aufs Konzert – „Ich freue mich immer auf Konzerte“, sagt sie. „Iron Maiden wird sicher cool, die haben viele gute Lieder, vor allem die älteren Sachen sind super.“ In den Schwarzen Keiler kommen die beiden jungen Frauen oft und gerne, um zu feiern – lange werden sie es am Freitag nicht tun, denn irgendwann fährt sie dann auch, die letzte S-Bahn.
Iron Maiden – „Technisches Können und wahnsinns Bühnenshow“
Michael, Robert und Lars entstammen unterschiedlichen Gegenden der Welt – der eine ist gebürtiger Sachse und lebt seit langem in Stuttgart, der andere kommt aus Schwäbisch Gmünd, der dritte ist daheim auf dem Mieminger Plateau in Österreich (dort wurde „Der Bergdoktor“ gedreht) und reiste gut 300 Kilometer, um Iron Maiden in Stuttgart zu erleben. Begegnet sind sich die drei Fans zum ersten Mal vor Jahren auf Gran Canaria.
„Es ist einfach der Wahnsinn“, sagt Michael, der Österreicher. „Die Kompositionen, die Maiden haben, das ist richtiges Songwriting! Stücke von bis zu zehn Minuten Länge – das bringen viele der neuen Bands heut nicht mehr zustande! Und wenn man Maiden einmal live gesehen hat, dass will man sie immer wieder und wieder und wieder sehen, weil sie eine Wahnsinns-Bühnenshow abliefern, mit einem Wahnsinns-Bühnenbild.“ Das Besondere an Iron Maiden auch: „Die reitenden Gitarren, das galoppiert so richtig!“ Robert, als Stuttgarter Sachse, besuchte früher auch gerne die Ludwigsburger Rockfabrik, schwärmt vom technischen Können der Iron-Maiden-Musiker und den vielen Tempowechseln, die sie spielen. Und Michael, der Österreicher, möchte, schon einmal in Stuttgart, sicher auch noch einen Tag dort bleiben, sich die Stadt ansehen. Den Bahnhof vielleicht? „Nee nee, nee nee!“
Viele Fans kommen von weit her um Iron Maiden in Stuttgart zu sehen
Jackie und Moni, im fantasievoll düsteren Outfit, sind aus München angereist, um Iron Maiden auf der Bühne zu erleben. Für beide ist es das erste Konzert der Band – und sie sind gespannt. „Es ist eine Musik, die alle zusammenbringt“, sagt Jackie. Sie ist 27 und hört Iron Maiden schon einige Jahre. Moni ist erst seit jüngerer Zeit ein Fan. Beide bleiben bis Sonntag in der Stadt.
Für Simone Heinold, Geschäftsführerin im Schwarzen Keiler, war die Iron-Maiden-Vorparty zuletzt die Party des Jahres: „Wir hatten sehr viele auswärtige Gesichter hier“, meldet sie, um fünf Uhr morgens. „Fans aus allen Teilen Süddeutschlands waren da, aus der Schweiz, Österreich, England und Irland. Wir hatten sehr früh schon eine Granatenstimmung, die Leute sind ausgeflippt, haben getanzt und gesungen.“ Der Club war voll, die Tür schließen mussten die Veranstalter jedoch nicht: „Es war ein schöne Kommen und Gehen den ganzen Abend lang. Es kamen immer noch Leute nach, und andre haben Platz gemacht. Ich hatte den Eindruck, dass manche es nicht übertreiben und sich ein wenig Energie aufsparen wollten.“