Der Leonberger Lions Club veranstaltet seine 28. Weihnachtstombola im Leo-Center. Die Spendenbereitschaft ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen.
Im Leo-Center herrscht vorweihnachtliche Stimmung: Von Hektik und Geschenkestress ist hier an diesem Samstagnachmittag nicht allzu viel zu spüren. Die Menschen schlendern durch die Ladenpassage, bleiben vor dem einen oder anderen Schaufenster stehen, unterhalten sich. Für die kleinen Besucher gibt es Mitmachaktionen, stilvoll geschmückte Weihnachtsbäume stimmen auf die Feiertage ein.
Mittendrin im Geschehen haben sich die Mitglieder des Lions Club Leonberg mit Eimern postiert. „Kaufen Sie Lose für den guten Zweck“, ruft Kai Scholl, bis vor einem halben Jahr Präsident der Leonberger Lions, mit kräftiger Stimme. Mit Erfolg, ein Mann bleibt stehen, kauft drei Lose für fünf Euro.
„Das ist inzwischen der Klassiker“, sagt Iris Rambow-Englert. Im Sommer hat sie das Präsidentenamt von Scholl übernommen– als erste Frau überhaupt in der 50-jährigen Geschichte des Lions Club Leonberg. Die pensionierte Oberstudienrätin aus Leonberg ist eng mit dem Club verbunden, kennt ihn wie ihre Westentasche. Ihr Mann Ulrich Englert ist Gründungsmitglied, die Lions gehören sozusagen zur Familie. Und damit auch die alljährliche Weihnachtstombola, die die Lions auch an diesem dritten Adventswochenende wieder auf die Beine gestellt haben.
Leonberger Lions helfen direkt vor Ort
Der Erlös fließt stets in soziale und kulturelle Projekte im Altkreis Leonberg. Darauf legen die Club-Mitglieder großen Wert. „Es ist wichtig, dass wir vor Ort helfen“, sagt die Präsidentin. Und der Bedarf ist groß. Mit den Spenden unterstützt der Club beispielsweise das stationäre Hospiz und die Leonberger Tafel, Ausfahrten mit den Bewohnern des Seniorenzentrums werden organisiert und auch die Klasse 2000, ein Projekt zur Gesundheitsförderung, bekommt einen Zuschuss.
Und auch Menschen in akuten Notlagen wird geholfen. So bekam Iris Rambow-Englert von der Diakonie Leonberg eine Anfrage, ob die Lions eine ausstehende Heizkostenabrechnung übernehmen könnten. Der soziale Arbeitskreis, der über die Vergabe von Zuwegungen entscheidet, stimmte zu, die 450 Euro aus der Spendenkasse zu bezahlen. „Wir können die Frau jetzt im Winter doch nicht frieren lassen“, sagt die Präsidentin entschieden.
Iris Rambow-Englert ist Samstagnachmittag mit Elan bei der Sache, geht freundlich aber bestimmt auf die Menschen zu. Sie weiß: „Anders geht es nicht. Wir müssen die Leute aktiv ansprechen.“ Die Bereitschaft, bei der Weihnachtstombola Lose zu kaufen, sei zurückgegangen. Der eine oder andere kaufe auch für zehn Euro. Doch die Zeiten, in denen mal eben für 50 Euro Lose gekauft wurden, sind vergangene. Dabei winken wieder attraktive Hauptgewinne, etwa zwei Karten für das Championsleague-Spiel des VfB Stuttgart gegen Paris St. Germain im Januar.
„Die Spendenbereitschaft nimmt ab, das Geld sitzt nicht mehr so locker wie noch vor zehn Jahren“, sagt die dynamische Präsidentin. Das weiß auch Serge Micarelli, der gerade den Klassiker „Drei Lose für fünf Euro“ gekauft hat. Seit November leitet er das Leo-Center. Bislang laufe das Weihnachtsgeschäft ganz gut, erklärt der Center-Manager. Dennoch: „Insgesamt nimmt die Kaufkraft etwas ab. Es herrscht eine schwierige geopolitische Lage.“
Doch gerade das scheint die Clubmitglieder anzuspornen. Seit Oktober haben sie viel Zeit und Energie in die Organisation der Tombola gesteckt, alles ehrenamtlich, versteht sich. Die erste Tombola fand 1995 statt, seither ist sie nur zweimal ausgefallen. „2020 und 2021 mussten wir wegen Corona pausieren“, sagt Iris Rambow-Englert. Dabei kommt in der Regel ein fünfstelliger Betrag zusammen. 2022 waren es 18 000 Euro, 2023 mehr als 20 000 Euro.
Ehrenamtlicher Einsatz lohnt sich
Damit, und mit Privatspenden von „treuen Spendern“ und dank einiger Firmenspenden („Wir schreiben Bettelbriefe“) kommt der Club übers Jahr. Von den beiden Partner-Clubs aus Österreich und dem Elsass haben die Leonberger Lions zum 50. Bestehen zwei Schecks in Höhe von je 1000 Euro bekommen. „Das war großartig, das Geld konnten wir direkt weitergeben“, sagt die Präsidentin.
Zwei anstrengende Tage liegen nun hinter den Lions. In stundenlangen Verkaufsschichten haben sie Menschen angesprochen und für die gute Sache geworben. Teils auch bei eisigen Temperaturen auf dem Wochenmarkt. „Das ist anstrengend, vor allem körperlich“, erklärt die Präsidentin, gerade auch mit Blick auf das gehobene Alter einiger Mitglieder. „Aber der Einsatz lohnt sich.“