In Heimsheim ist er umstritten – in anderen Altkreis-Gemeinden bereits fester Bestandteil der Meinungsbildung: der Kindergartenausschuss.
Nach heftiger Diskussion im Gemeinderat und Ablehnung durch die Verwaltung und den Bürgermeister hat kürzlich in Heimsheim eine Gemeinderatsmehrheit die Einrichtung eines Kindergartenausschusses per Beschluss durchgesetzt. Das neue Gremium soll in der Hauptsatzung verankert werden und Themen rund um Kindertageseinrichtungen und Schulkindbetreuung vorberaten und zur Beschlussfassung in den Gemeinderat tragen. Mitglieder sollen Gemeinderäte und „sachkundige Einwohner/innen“ sein.
Zwar gab es in der Schleglerstadt früher bereits einen Kindergartenausschuss, für den aber offensichtlich länger keine Notwendigkeit mehr gesehen wurde. Anders verhält es sich in den drei Nachbargemeinden Wimsheim, Mönsheim und Friolzheim, wo solche Einrichtungen Tradition haben. Diese sind dort, wie zu hören ist, fester Bestandteil der kommunalpolitischen Meinungsbildung.
Als „absolut adäquat und tauglich in unserer Situation“ bezeichnet etwa Mario Weisbrich das örtliche Kuratorium Kindergarten. Der Wimsheimer Bürgermeister – der in 2026 übrigens erneut kandidieren möchte – weist auf die lange Geschichte dieser freiwilligen Einrichtung bis 1968 hin, als die Kirche noch Träger des Kindergartens war. Aus der Tradition heraus ist heute noch der Pfarrer Mitglied des Kuratoriums. Dazu kommen drei Gemeinderäte, das Leitungsteam von Kita und Kernzeitbetreuung, alle Elternsprecher von Kita und Schule – ein großer Kreis also. Trotzdem seien in den nun fast 16 Jahren seiner Amtszeit als Bürgermeister der knapp 3000 Einwohner zählenden Gemeinde die Beschlüsse des Kuratoriums immer einstimmig gefasst worden und gehen als Empfehlung an den Gemeinderat.
Es geht ums Geld, die Öffnungszeiten – aber auch ums Personal
Inhaltlich geht es bei den ein Mal pro Jahr stattfindenden nichtöffentlichen Sitzungen um die Gestaltung der Elternbeiträge, Veränderung bei den Betreuungskonzeptionen oder Öffnungszeiten, aber auch um Personalthemen. Vertraulichkeit wird vorausgesetzt und erwartet. „Das funktioniert gut“, so sein Fazit.
Auch in Friolzheim mit rund 4300 Einwohnern hat sich der in der Hauptsatzung verankerte Ausschuss für Kindertagesstätten laut dem Hauptamtsleiter Eberhard Enz „gut bewährt und macht Sinn“. Themen wie Bedarfsplanung oder Personal werden dort besprochen. Das nehme dem Gemeinderat Arbeit ab, der vor vielen Jahren diesen Ausschuss ins Leben gerufen hat. Mitglieder sind vier Gemeinderäte, der örtliche Pfarrer, eine Elternbeirätin und die Kindergartenkoordinatorin der Gemeinde. Das Gremium trifft sich zu zwei bis drei nichtöffentlichen Sitzungen im Jahr.
Ähnlich verhält es sich in Mönsheim, wie Margit Stähle erklärt, die als stellvertretende Bürgermeisterin derzeit die Geschäfte knapp 3000-Einwohner-Gemeinde führt. Die Gemeinderätin ist selbst stellvertretendes Mitglied im Kindergartenausschuss, den es dort ebenfalls schon lange gibt. Ihm gehören neben dem Bürgermeister zwei Gemeinderäte an, die Leitungen der beiden Kindergärten, vier Elternvertreter, der örtliche Pfarrer sowie zwei Kirchengemeinderäte. Ein bis zwei Mal pro Jahr kommen sie zusammen, was aktuell wieder der Fall war, so Margit Stähle. Es werden Beschlüsse als Empfehlungen an den Gemeinderat gefasst, etwa wie jetzt, als es darum ging, ob mit großen Bannern an den Ortseingängen für Kindergartenpersonal geworben werden soll. „Der Kindergartenausschuss macht Sinn und ist sehr gut, weil dort alle Beteiligten in Sachen Kinderbetreuung an einem Tisch sitzen“, so ihre Einschätzung.