Die Themen Digitalisierung, Energie und Klima treiben auch die Menschen im Kreis Böblingen um. In unserer Umfrage schneidet diese Kategorie allerdings nicht allzu gut ab. Die Einschätzungen der Teilnehmen liegen teilweise weit auseinander.
Digitalisierung, Energie, Klima – wenig wird in Deutschland zurzeit so kontrovers diskutiert wie diese Themen. Kein Wunder also, dass die Kategorie in unserer Umfrage Heimat-Check mit Platz elf eher mäßig abschneidet. Von zehn möglichen erreichte sie 5,57 Punkte. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, gibt aber spannende Einblicke in die Gedanken der Bürger.
Beim Thema Digitalisierung sehen sie vor allem beim Internetausbau noch Luft nach oben. „5G Netzausbau wäre längst überfällig“, schreibt etwa ein Teilnehmer aus Holzgerlingen in den Freitext-Antworten. Aus Weil im Schönbuch bemängelt jemand: „Glasfaserausbau fehlt noch immer“. Und in Weissach kommt man ohne viele Worte auf den Punkt: „Internet Katastrophe“.
Bis 2028 alle Gewerbe- und Wohngebiete ans Breitband angeschlossen
Sascha Meßmer, Wirtschaftsförderer des Landkreises Böblingen, stellt dazu schlicht fest: „Die Digitalisierung ist im Landkreis Böblingen unterschiedlich weit fortgeschritten.“ Beim Glasfaser-Ausbau mache der Landkreis Tempo. „Bis 2028 werden wir dank des Zweckverbands im Landkreis flächendeckend alle Gewerbe- und Wohngebiete ans Breitband angeschlossen haben.“ Beim Funknetz sehe es ähnlich aus. „Hier haben Mobilfunkbetreiber den Ausbau mit 5G seit einiger Zeit forciert“, so Meßmer. Allerdings sei es oft notwendig, dass Kommunen und Unternehmen in der Bevölkerung Überzeugungsarbeit für die nötigen Masten leisten.
Dabei sehen sich Böblingen und die Umgebung als Vorreiter in Sachen Künstliche Intelligenz (KI). „In diesem Bereich gibt es im Landkreis zahlreiche Leuchttürme“, sagt Meßmer, und nennt das KI-Lab Region Stuttgart, das Gründerzentrum AI xpress und „Europas leistungsstärksten Quantencomputer im industriellen Kontext in Ehningen“. Die Bürger im Kreis – die laut Umfrage einfach nur möglichst schnelles Internet nutzen wollen – scheint das nur mäßig zu beeindrucken.
Deutlich mehr Freitext-Kommentare gibt es zum Thema Energie und Klima. Am meisten beschäftigt die Teilnehmer die E-Ladesäulen. Davon – so der Tenor – gibt es zu wenige, egal ob öffentliche oder private. Der Blick nach Böblingen: „Aktuell betreiben die Stadtwerke Böblingen 30 Ladepunkte in öffentlichen Parkhäusern, sowie private Ladepunkte an größeren Unternehmensstandorten, etwa dem Technologiepark H 130 auf der Hulb“, teilen die Stadtwerke mit. Zudem sei für 2024 ein weiterer Ausbau im öffentlichen Bereich mit 60 Ladepunkten geplant.
Landkreis Böblingen überdurchschnittlich bei privater Ladeinfrastruktur
In den umliegenden Gebieten sei das Bild sehr unterschiedlich. Weitere Ladepunkte seien etwa in Ehningen und Schönaich geplant. Jedoch: „Viele Kommunen haben den Bedarf und die Dringlichkeit des Themas noch nicht erkannt“, so die Stadtwerke.
Was die private Ladeinfrastruktur angeht, stehe der Landkreis Böblingen weit über dem Landes- und Bundesdurchschnitt. „Da rund 70 Prozent der Ladevorgänge im privaten Bereich (Laden zu Hause oder beim Arbeitgeber) stattfinden, ist dies ein Wert, der bei fast allen Betrachtungen komplett vergessen wird“, lassen die Stadtwerke mitteilen. „Insgesamt ist – aus unserer Sicht – aktuell die Ladeinfrastruktur in Böblingen und Umgebung ausreichend.“ Allerdings werde die Zahl an E-Fahrzeugen weiter zunehmen und somit auch der Aufbau von Ladepunkten stetig weitergehen müssen.
Windkraft erhitzt die Gemüter
Natürlich geht es nicht nur um das Aufladen von E-Autos. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien ist ein Thema, das die Bürger beschäftigt. Von dem Wunsch nach „mehr“ bis hin zu „Keine Windkrafträder aufbauen“ ist in den Kommentaren alles zu finden. Im Landkreis Böblingen liegt der Anteil der erneuerbaren Energien derzeit bei sieben Prozent, in den nächsten Jahren soll er steigen. Das Thema erhitzt allerdings sichtlich die Gemüter. Erst im Juli war ein Versuch von Böblingen, Holzgerlingen und Ehningen, über einen gemeinsamen Windpark auch nur nachzudenken, im Keim erstickt worden – der Ehninger Gemeinderat hatte den Antrag abgelehnt.
Rutesheim, Holzgerlingen und Magstadt führen die Kategorie an. Ganz hinten stehen Weil im Schönbuch, Grafenau und Weissach. Woran das liegen könnte? „Eine direkte Erklärung dafür habe ich nicht“, sagt Wirtschaftsförderer Sascha Meßmer zur Digitalisierung. Bei den Stadtwerken kann man sich aus der Aufteilung ebenfalls keinen Reim machen. Dort betont man allerdings noch einmal, dass viele Kommunen etwa in Sachen E-Ladeinfrastruktur großen Nachholbedarf haben. Es bleibt also viel zu tun.
Worum es beim Heimat-Check geht
Stimmungsbild
Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.
Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.