Der baden-württembergische Landtag beschließt strengere Handy-Regeln für Schulen. Eine Böblinger Schulleiterin erklärt, warum Verbote für Kinder so wichtig sind.
Im Dezember hat der baden-württembergische Landtag strengere Regeln für die Nutzung von Handys an Schulen beschlossen. Besonders strikt soll das ganze an Grundschulen gehandhabt werden: Dort empfiehlt das Kultusministerium, Handys grundsätzlich zu verbieten. Wie ist die Situation an Grundschulen im Kreis Böblingen?
Bis zum nächsten Schuljahr müssen die Schulen in Baden-Württemberg verpflichtend regeln, wie sie mit Handys auf dem Schulgelände umgehen wollen. Die Rektorin der Justinus-Kerner-Schule in Böblingen, Jasmin Kellermann, gibt einen Einblick in den Grundschulalltag: Bei ihnen sei die Nutzung von Handys längst in der Schulordnung geregelt. Sie vermutet, dass auch andere Grundschulen dazu bereits freiwillig Regelungen getroffen haben. Trotzdem findet es die Rektorin gut, dass es nun ein explizites Verbot gibt.
„Verbote müssen her, um Kinder zu schützen“
Die Sichtweise, statt eines Verbotes, die Medienkompetenz der Kinder zu stärken, sieht sie als zu kurz gegriffen. „Für Kinder sind soziale Medien hochtoxisch“, sagt sie. Selbst Erwachsene hätten Schwierigkeiten, sich durch den Dschungel an Information zu kämpfen. Bei Heranwachsenden helfe auch keine Medienkompetenz mehr, wenn sie es mit Algorithmen zu tun hätten, die darauf angelegt sind, Suchtverhalten zu fördern, erklärt die Rektorin. „Deshalb müssen Verbote her, um die Kinder zu schützen“, sagt Jasmin Kellermann.
Grundschulen haben sich schon selbst Regeln gegeben
Dass die Kinder unablässig während der Schulzeit am Handy hängen – dieses Problem gebe es an ihrer Schule nicht, erklärt die Rektorin. In der Schulordnung sei verankert, dass Kinder Handys ausgeschaltet im Schulranzen haben dürfen. Wer das Gerät allerdings während der Schulzeit benutzt, muss es abgeben und bekommt es erst am Ende des Schultages wieder zurück.
Auch andere Schulen haben derartige Regelungen: In der Eichendorffschule in Böblingen etwa gibt es sogenannte Handyhotels – dort werden die Handys abgegeben und bleiben dort bis zum Unterrichtsende. „Wir müssen sehr selten Kindern das Handy wegnehmen“, sagt Jasmin Kellermann. Auch von Eltern höre sie keinen Widerspruch zu den Vorgaben.
Auch wenn die jungen Schülerinnen und Schüler nicht unmittelbar auf dem Schulgelände Handys nutzen, sind soziale Medien trotzdem Thema im Schulalltag, erklärt Jasmin Kellermann. Viele der Grundschüler würden während ihrer Freizeit durchaus Medien konsumieren – teils auch problematische Inhalte wie Pornografie.
Dass die Kinder mit Inhalten konfrontiert werden, die sie noch nicht verarbeiten können, das entlädt sich dann teilweise im Unterricht. Bevor gelernt werden könne, müssten Lehrkräfte – ebenso wie Schulsozialarbeiter – dann zunächst mit den Kindern aufarbeiten, was sie auf ihrem Handy gesehen oder gehört haben.
Dass es nun auch von Seiten der Politik eine klare Ansage zu Smartphones und dergleichen in der Schule gibt, findet Jasmin Kellermann gut. „In der Grundschule haben Handys einfach nichts zu suchen“, sagt die Böblinger Rektorin.