Brigitte Thuß Foto:  

Die Goldberg-Senioren-Akademie muss wegen Corona vieles digital anbieten. Entmutigen lässt sie sich davon aber nicht.

Sindelfingen/Böblingen - Eine Einrichtung der Erwachsenenbildung wie die Goldberg-Senioren-Akademie (GSA) ist darauf angewiesen, dass sich ihre Nutzer persönlich treffen, sehen, austauschen. Dementsprechend liegen hinter der GSA zwei durch Corona schwer beeinträchtigte Semester. Aber sich davon entmutigen lassen? Das kommt für das elfköpfige Leitungsteam nicht in Frage. Also probieren die Damen und Herren aus, was digital geht. Die Herausforderung, sie solle auch Chance sein, sagt Dirk Steinfort, der als Chef der Katholischen Erwachsenenbildung (keb) Kooperationspartner der Akademie ist.

Rein äußerlich merkt man dem neuen Halbjahres-Programm wenig an. Gut, es ist eine Spur weniger dick, das handliche Heft. Und doch prall gefüllt mit Vortrags- und Kursangeboten wie eh und je. Problem: Die Pandemie und ihre Inzidenzzahlen stellen die persönliche Begegnung weiter in Frage.

Die Sprecher Horst Sprenger (Böblingen) und Franz Kugler (Sindelfingen) gehen deshalb davon aus, dass eher erst „Outdoor“-Veranstaltungen wieder möglich sind. Sei es das Boule-Spiel beim Wiesengarten im Sommerhofenpark oder seien es die beliebten Wanderungen. Acht Herren und eine Dame bieten Trips auf Schusters Rappen an – zum Beispiel vom Siebenmühlental zum Bärensee. Oder durchs Neckartal bei Horb. Die Klientel sei gewiss fit, lacht Rupert Metzger, „weil die alle zuletzt viel draußen waren“. Was hätte man auch sonst tun sollen, wenn zuhause die Decke auf den Kopf fällt.

Exkursionen haben Brigitte Gehne und Ulrike Pado diesmal bewusst in den April hinein gelegt; naheliegenderweise ins Freie. Zur Kunst im öffentlichen Raum in Sindelfingen geht es und zur modernen Kunst ins Schauwerk. Aber auch eine Führung im Stuttgarter Hafen steht auf dem Programm. Vorträge wie der von Siegfried Großmann über „Jerg Ratgeb und den Herrenberger Altar“ am 12. April sind geplant. Der große Saal von St. Maria auf dem Goldberg lässt ja 30 Besuchende zu. Oder sie müssen via „Zoom“ stattfinden.

Die IT-Fachmänner Ewald Lück und Rupert Metzger, Walter Morlock und Karl Gregor haben in vielen Jahren reichlich was dafür getan, dass Seniorinnen und Senioren an moderner Technik nicht scheitern, sondern sie zu nutzen wissen. Wie gut das im einzelnen klappt, hängt am Alter ebenso wie an der Berufserfahrung. So mancher klimpere auf seinem Smartphone herum nach dem Motto „denn sie wissen nicht, was sie tun“, sagt Walter Morlock. Der PC-/Internettreff und die Smartphone-Kurse verlangten zwingend die persönliche Eins-zu-eins-Betreuung, die derzeit eben nicht geht.

Andererseits habe man über die schwierigen Monate auch festgestellt, dass man über die digitale Welt teils neue Nutzer erreiche. Dirk Steinfort berichtet von Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt seien, aber gerne an den Monitor kämen. Oder die sagten, jetzt bräuchten sie nicht im kalten Winter und in der Dunkelheit lange Strecken zurücklegen.

Steinfort empfiehlt auch ein neues Highlight seiner kirchlich-katholischen Erwachsenenbildung. Einmal im Monat geht „Menschen, Themen, Horizonte“ an den Start, donnerstagabends um 19.30 Uhr. Wer beim Online-Forum dabei sein will, bekommt einen Link zugemailt. Es geht um brennende Fragen der Gesellschaft, um Ethik, Kultur, Religion – Horizonterweiterungen eben (Anmeldung Telefon 0 70 31/66 07 16, E-Mail info@keb-boeblingen.de).

17 Jahre lang hat Brigitte Thuß im Sekretariat der Senioren-Akademie Anmeldungen entgegengenommen und Teilnahmebeiträge kassiert. Versteht sich von selbst, dass die „gute Seele des Hauses“ immer Zeit für ein kleines Schwätzle hatte. Sorgen mit der Gesundheit oder dem verwitweten Alleinsein, Freuden mit den Enkelkindern – das fand hier Zeit und Raum. „So was ist ja auch der Kitt der Gesellschaft“, loben die GSAler Brigitte Thuß, die nun in den Ruhestand geht. Die aber dem Leitungsteam erhalten bleibt. Dort will sie Ansprechpartnerin für die Kursleiter(innen) sein. Derzeit lernt die Frau, die mit Ruhe, Einfühlsamkeit und Organisationstalent das Sekretariat schmiss, ihre Nachfolgerin ein. Nina Block, 38-jährige dreifache Sindelfinger Mutter, war zuvor beim Diakonischen Werk tätig. Sie fühle sich, sagt sie, „den Menschen und der Kirche sehr verbunden“.

Weitere Infos unter der Internet-Adresse www.goldberg-seniorenakademie.de