Der Ausbau der Glasfaserkabel im Rems-Murr-Kreis kommt voran, allerdings mit großen Unterschieden von Ort zu Ort. Foto: dpa

Der Rems-Murr-Kreis macht Tempo beim Ausbau der Gigabitnetze – doch nicht alle Orte surfen auf der Erfolgswelle.

Im Rems-Murr-Kreis wird digitale Zukunft verlegt – Meter für Meter, Glasfaser für Glasfaser. Der Landkreis zählt nach Angaben des Landratsamts zu den schnellsten Aufholern Baden-Württembergs beim Breitbandausbau: Von 32 Prozent gigabitfähiger Anschlüsse Ende 2023 auf 41,6 Prozent im Jahr darauf – ein Sprung, der Platz vier im Landesvergleich bedeutet.

Doch der Blick auf die Landkarte offenbart: Während in Städten wie Fellbach und Weinstadt der Fortschritt sichtbar in die Erde gelegt wird, verharren viele ländliche Gemeinden im digitalen Schatten. Was nach Erfolg klingt, ist nur die halbe Wahrheit. Denn zwischen ambitionierten Ausbauzielen und realer Versorgung liegen Stolpersteine – und die heiße Phase beginnt jetzt.

Die Zahlen zum Glasfaser-Ausbau im Rems-Murr-Kreis, die das Landratsamt nennt

  • 41,6 Prozent gigabitfähige Anschlüsse Ende 2024 – ein Sprung um 9,6 Prozentpunkte.
  • Mehr als 91 000 Haushalte und Unternehmen können laut Amt inzwischen einen Glasfasertarif buchen. Von diesen entfallen 75 500 Anschlüsse auf die Telekom, weitere 15 600 verteilt auf Wisotel, Stadtwerke Schorndorf und Co.
  • Die Telekom dominiert das Tempo durch eigenwirtschaftlichen Ausbau, weshalb der Verband seine Fördermittel runterschrauben konnte – 50 000 Euro fließen nun zurück in den Kreishaushalt.
Mit Abstand die meisten Anschlüsse macht die Telekom Foto: Jacqueline Fritsch

Landrat Richard Sigel betont, der Zweckverband setze auf „Nachdruck“, um digitale Infrastruktur auszubauen, Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und Lebensqualität zu sichern. So jedenfalls heißt es in einer Mitteilung aus dem Landratsamt.

Wo der Glasfaser-Ausbau im Rems-Murr-Kreis stockt

Es gibt aber auch Orte, in denen die Realität hakt. Laut dem offiziellen Breitbandatlas liegen in Auenwald, Weissach im Tal, Urbach und Althütte weniger als zehn Prozent Abdeckung zugrunde. Ein Befund, den das Landratsamt zwar als „Weiße Flecken“ benennt, aber eher als zu bearbeitende Zielgruppe denn als tatsächliche Defizite.

UGG & Co.: Anlaufprobleme im Eigenbau im Rems-Murr-Kreis

Zwar bewirbt die Landratsamtsmitteilung den Einstieg von Drittanbietern wie TNG Stadtnetz, NetCom BW oder Wisotel als zusätzlichen Motor, doch spätestens in der Prognose für das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) zeigt sich die Wirklichkeit: „Die UGG hat … den Baubeginn nochmals verschoben. Ein Baustart wurde für Anfang des Quartals 2026 angekündigt“, heißt es im Sachstandsbericht Breitbandausbau. „Wir beobachten das mit wachem Auge“, sagt Michael Murer, der Breitbandkoordinator des Kreises – ein Hinweis darauf, wie fragil Pläne noch sind.

Diese Verspätungen dürfen nicht unterschätzt werden: Wenn von 34 000 geplanten Anschlüssen über UGG bisher noch keine einzige Gemeinde profitierte, liegt der Erfolg noch in der Ferne. Der Verband verfolgt zwar vereinbarte Dreifachstrategien – kooperativer Ausbau mit der Telekom, eigenwirtschaftlicher Dritter und Fördermaßnahmen –, doch wenn ein Standbein wankt, kann die gesamte Zielerreichung ins Rutschen geraten.

Die „Weiße Flecken“-Strategie zum Glasfaser-Ausbau

Förderverfahren zielen auf Schulen oder unterversorgte Haushalte – so etwa im Rahmen der „Weiße Flecken“-Strategie oder des neuen Lückenschlussprogramms. Förderquote: 50 Prozent Bund, 40 Prozent Land, zehn Prozent Eigenmittel.

Die „Weiße Flecken“-Strategie zielt unter anderem auf unterversorgte Schulen. Foto: picture alliance/dpa

Kommunen wie Welzheim, Spiegelberg und Auenwald haben Verfahren abgeschlossen, auch Schorndorf will über 3400 Haushalte versorgen – vorrangig in Stadtteilen mit Leitungskapazitäten von weniger als 100 Mbit/s. Doch Förderbescheide aus Großerlach oder Spiegelberg liegen zwar vor – aber die tatsächlichen Baumaßnahmen lassen oft auf sich warten. Förderfähigkeit ist noch kein Anschlussnetz.

Die Probleme beim Glasfaser-Ausbau im Rems-Murr-Kreis

Inflation, Baukostenexplosionen um bis zu 35 Prozent, Fachkräftemangel – sie sind dieses Jahr die großen Stolpersteine. Sie zwingen Firmen zu Projektstopps oder Verschiebungen in spätere Jahreshälften, was wiederum den gesamten Ausbauplan gefährden kann. Kommunen sollen demnach „ihr Interesse für eigenwirtschaftlichen Ausbau steigern“.

Zwischenbilanz und Ausblick

  • Der aktuelle Versorgungsgrad liegt laut Landratsamt bei 41,6 Prozent – ein Spitzenwert in Baden-Württemberg.
  • Das Ziel: 50,3 Prozent Glasfaserabdeckung bis Ende 2025 – laut Zweckverband eine „Punktlandung“.
  • Die Voraussetzung: Telekommunikationsunternehmen müssen ihre Zusagen einhalten, insbesondere beim eigenwirtschaftlichen Ausbau.
  • Problematisch: UGG verschiebt den Baustart auf 2026, was den Fortschritt in ländlichen Gebieten stark verzögert.
  • Weitere Baustellen: Förderlücken in abgelegenen Kommunen, teils unter zehn Prozent Versorgung.
  • Zusätzliche Herausforderungen: Preissteigerungen, Fachkräftemangel, begrenzte Baukapazitäten.
  • Die Hoffnung liegt auf: Ausbauallianz aus Telekom, Stadtwerken und neuen Anbietern wie Wisotel und TNG – ergänzt durch gezielte Fördermaßnahmen.

Rems-Murr-Kreis vorne dabei

Der Rems-Murr-Kreis ist bei der Gigabit-Versorgung im Südwesten vorne mit dabei – das zeigt das Rennen auf Platz vier. Doch zwischen den landesweiten Erfolgen lauert das Risiko absackender Ausbauwerte im ländlichen Raum. Die Landratsamtsmitteilung malt das Bild eines gut abgestimmten Vorstoßes, doch Michael Murers Worte im Kreistagsausschuss weisen ebenfalls auf Unsicherheiten hin: Der Erfolg hängt nicht zuletzt daran, dass Firmen, Förderbringer und Kommunen zeitnah und effizient liefern.

Ein bundesweites Vorzeigeprojekt bleibt der Landkreis nur, wenn jene Gemeinden, die noch bei null oder einstelligen Prozentzahlen dümpeln, im Ausbau echte Fortschritte machen – und nicht erst zu Beginn des Folgejahres.