Björn Klein hat genug von den monatelangen Verkehrsbehinderungen aufgrund einer gesperrten Fahrspur in Gablenberg. Er sammelt im Internet Unterschriften und fordert Maßnahmen.
Wie ein Lauffeuer hat es sich am Dienstag in Stuttgart-Ost herumgesprochen, dass ein verärgerter Anwohner einen offenen Brief an Oberbürgermeister Frank Nopper geschrieben hat. Grund für das Schreiben sind eine marode Fassade am unteren Ende der Gablenberger Hauptstraße und die damit verbundenen Fahrbahnsperrungen und Verkehrsbehinderungen.
Weil sich an einem Gebäude im vergangenen November nach einem Sturm Mauerwerk gelöst hatte, wurde die Rechtsabbiegerspur sicherheitshalber gesperrt und das Haus wenige Wochen später eingerüstet. Verkehrsteilnehmer, die in Richtung Gaskessel unterwegs sind, müssen sich in der Spur, die eigentlich zum Ostendplatz führt, einreihen. „Seit Anfang des Jahres kommt es an dem Nadelöhr nahezu ganztägig zu Staus. Und ein Baufortschritt ist nicht zu erkennen“, moniert Björn Klein, der Verfasser des Schreibens. Er fordert den OB auf, „diese unnötige Katastrophe zu beenden“, wird er in seinem Brief deutlich. Weil eine Beschwerde bei der Stadt ohne Resonanz geblieben ist, sammelt er bis Ende Juli auf seiner Internetseite Unterschriften – innerhalb von zwei Tagen waren es bereits knapp 500 Unterzeichner. Anfang August will er die Liste dem Stadtoberhaupt überreichen.
Die Verkehrsbehinderungen sind so immens, dass die Stuttgarter Straßenbahnen AG die Busse der Linie 42 in Richtung Erwin-Schoettle-Platz seit rund einem halben Jahr nicht mehr durch Gablenberg fahren lässt, sondern sie über die Schwarenberg- und Wagenburgstraße zur Ostendstraße umleitet. „Ich kann die Maßnahme nachvollziehen, weil die Busse auf Stuttgarts längster Linie regelmäßig aus dem Takt geraten sind“, sagt Björn Klein. Er begrüßt, dass im Stadtteil Parkplätze für mehr Aufenthaltsqualität gestrichen worden sind, aber dann müsse der öffentliche Personennahverkehr funktionieren.
Anwohner schlagen Lösungen vor
„Es ist nicht hinnehmbar, dass man aus dem ganzen Stadtteil den Hauptbahnhof nur noch durch Umsteigen erreichen kann. In Gablenberg ist man zu Fuß oft schneller unterwegs als mit dem Bus. Insbesondere ältere Menschen und Familien mit Kinderwagen leiden erheblich unter der Situation“, so der 46-jährige Fotograf. Er schlägt vor, dass die Stadt die Schutznetze direkt an der Fassade anbringen – und das Gerüst zeitnah abbauen lässt. Eine Alternative, die ein anderer Anwohner einbringt, ist ein Konsolgerüst. Es wird an der Hauswand befestigt und benötigt aufgrund der Bauart weniger Standfläche, sodass die Fahrbahn möglicherweise nicht mehr gesperrt werden müsste. „Wie man das Problem löst, ist mir eigentlich egal. Hauptsache es passiert endlich etwas“, so Klein.
Karin John-Schünemann, die im eingerüsteten Gebäude das Kiosk „Karin’s Presse Ecke“ betreibt, begrüßt das Engagement des Anwohners. Zugleich sagt sie, dass man die Sache nur noch mit Humor nehmen könne. „Wenn es so weiter geht, eröffne ich bald auf der abgesperrten Fahrspur ein kleines Café.“ Bis auf einige wenige Schönheitsreparaturen habe sich an der Fassade seit Monaten nichts getan. „Ein Witz ist auch, dass der Überweg gesperrt und die Fußgängerampel abgedeckt worden ist.“ Regelmäßig komme es zu sehr gefährlichen Situationen, wenn Schüler dort die Fahrbahn überqueren wollen. Auch Rentner würden den beschwerlichen Umweg meist nicht in Kauf nehmen.
Umsatzeinbußen habe sie trotz des Baugerüsts und der Sperrung „dank treuer Stammkunden nicht“, so John-Schünemann. Auf die Kasse des benachbarten Maultaschenhäusles wirkt sich der Stillstand vor der Tür bislang ebenfalls nicht aus. „Die Leute kommen immer noch zu uns, sind aber oft genervt vom Stau und dem Gehupe“, sagt Betreiberin Elke Klein, „das Ganze ist sehr ärgerlich für Stuttgart-Ost.“
Der offene Brief und die Unterschriftenliste ist unter https://bjoernklein.de/offenerbrief/ zu finden.