Überraschende Lösung bei der Suche nach Flüchtlingswohnungen: Statt Millionen in einen Neubau zu investieren, kauft Aidlingen das alte Naturfreundehaus am Ortsrand.
Das Naturfreundehaus in der Gärtringer Straße 31 am Ortsrand von Aidlingen wird zur Flüchtlingsunterkunft. Das hatte Aidlingens Bürgermeisterin Helena Österle in der letzten Sitzung des Gemeinderats mitgeteilt. Die Gemeinde hatte das nicht mehr genutzte Gebäude für 595 000 Euro gekauft. Damit spart sich Aidlingen in finanziell angespannten Zeiten eine Millioneninvestition im Ortskern.
Unterbringung von Geflüchteten bleibt ein Thema in Aidlingen
Ursprünglich wollte die Gemeinde in der Berggasse, also direkt um die Ecke von Rathaus und Raiffeisenbank, für geschätzte 1,9 Millionen Euro ein Abbruchgebäude durch einen Neubau ersetzen. Raum für 20 Personen war hier angedacht. Ebenso viele Menschen passen laut Bürgermeisterin Österle ins Naturfreundehaus. „Das Gebäude wurde uns vom Verein Naturfreunde Stuttgart angeboten“, erklärt die Rathauschefin. Dort könnten laut Verwaltung sofort Menschen einziehen. „Aus meiner Sicht muss man da nichts machen“, ist Österle überzeugt.
Die Unterbringung von Geflüchteten bleibt in Aidlingen weiterhin Thema – wenn auch lange nicht mehr ein so heiß diskutiertes wie im Sommer 2024. Damals gab es massive Anwohnerproteste, weil die Gemeinde auf dem Verkehrsübungsplatz gegenüber der Sonnenberghalle Wohncontainer aufstellen wollte. Am Ende kam es gar nicht dazu – unter anderem, weil die Flüchtlingszahlen zuletzt eher rückläufig waren.
Dennoch bleibt die Suche nach Wohnraum für Geflüchtete weiterhin eine Pflichtaufgabe für die Gemeinde. „Es gibt keine konkreten Zahlen, aber aktuell liegt die vom Landratsamt ausgegebene Aufnahmequote für 2026 bei 43 Personen“, sagt Österle. Ob diese Menschen am Ende tatsächlich kommen, könne man aber nie mit Gewissheit sagen.
Aidlingen will sich die Berggasse als Option offen halten
Handlungsdruck besteht jedoch in jedem Fall, da das für die Flüchtlingsunterbringung angemietete Mutterhaus in der Sonnenbergstraße für ein Wohn- und Pflegezentrum weichen soll. Hier sind derzeit 50 Menschen untergebracht. Deshalb muss die Gemeinde nach Ersatz suchen. Mit dem Naturfreundehaus scheint nun für 20 Personen eine schnelle Lösung gefunden. Um an Fördermittel vom Land zu kommen, beschloss der Gemeinderat, das Gebiet beim Sanierungsprojekt „Ortskern II“ zu erweitern und das Naturfreundehaus mit einzubeziehen.
Die Frage, wo die übrigen 30 Menschen untergebracht werden können, bereitet der Verwaltung im Moment offenbar noch kein Kopfzerbrechen. „Wir haben keine Notlage“, sagt Österle. Aus bisher gemachter Erfahrung ziehe es Geflüchtete oft weg vom Dorf in Richtung Stadt, wodurch wieder Wohnraum frei werde. Außerdem baue sie auf die dezentrale Unterbringung in von der Gemeinde angemieteten Privatwohnungen.
„Stand heute ist die Berggasse deshalb zurückgestellt“, sagt Helena Österle. Aktuell nutzt die Gemeinde den Platz als Parkplatz für Rathausmitarbeitende. Je nach Entwicklung der Flüchtlingszahlen möchte man sich diese Option aber weiter offen halten, teilt die Verwaltung mit.