Freudiges Spektakel oder der blanke Horror: Beim Thema Feuerwerk scheiden sich die Geister. Foto: picture alliance/dpa

Ein Leser aus Weil im Schönbuch hat eine klare Meinung zur Silvesterknallerei – und schickt dazu einen Meinungsbeitrag in Form eines Gedichts.

In der Silvesternacht begrüßen die Menschen das neue Jahr mit lauten Donnerschlägen und glitzernden Explosionen am Nachthimmel. Was den einen große Freude bereitet, löst bei anderen viel Unmut, teils sogar starkes Unbehagen und Ängste aus. Ganz zu schweigen von der Tierwelt, die wohl am meisten unter dem Silvesterknallen leidet.

Ein Leser dieser Zeitung aus Weil im Schönbuch hat zum Thema Feuerwerk eine klare Meinung. Diese Meinung sieht er voll und ganz bestätigt in dem Gedicht einer Bekannten aus Waldkirch in der Nähe von Freiburg. Ihr Name ist Katherina Springer. Ihr Gedicht – geschrieben aus der Perspektive des Feuerwerks – hat sie als Leserbrief an ihre Heimatzeitung im Südschwarzwald eingeschickt. Mit ihrer freundlichen Genehmigung und auf Empfehlung des Lesers aus Weil im Schönbuch veröffentlichen wir diesen Beitrag in unbearbeiteter Form auch auf unserer Homepage.

Ich bin das FEUERWERK!

Ich bin das Feuerwerk.

Ich zerreiße die Nacht mit Knall und Rauch.

Ich verpeste die Luft,

fülle Straßen mit Schutt

und verbrenne in Sekunden Geld,

das anderswo dringend gebraucht würde!

Wer zündet mich am längsten?

Die, die am wenigsten haben!

Die, die kaum über die Runden kommen,

blasen ihr Geld in den Himmel,

als ob der Knall ihnen Würde zurückgibt.

Ich bin falscher Stolz, Lärm, teure Sekunden!

Währenddessen:

Hunde kauern zitternd unterm Tisch,

Katzen fliehen panisch

und Vögel stürzen orientierungslos zu Boden.

Im Schwarzwald-Zoo starb ein Hirsch,

erschreckt in den Tod!

Ich bin Verletzung!

Ich sprenge Finger und Hände ab!

Verbrenne Gesichter!

Nehme das Augenlicht!

Ich lande in Gärten, auf Balkonen,

in Wäldern,

wo ich Angst und Feuer hinterlasse!

Unschöner Anblick: der Obere See in Böblingen am Neujahrstag. Foto: Stefanie Schlecht

Ich bin Feinstaub, der die Luft vergiftet.

Müll, der in Flüssen treibt.

Reste, die am Morgen als graue Asche

auf den Straßen liegen.

Und trotzdem haltet ihr an mir fest!

Selbst Menschen mit Haustieren

werfen mich in die Nacht,

als wäre Mitgefühl nur eine Last,

als gäbe es kein Morgen.

Ich bin das Feuerwerk und ich sage euch:

Ihr klatscht, wenn ich explodiere,

aber es ist euer Geld, eure Umwelt,

eure Gesundheit, die in Rauch aufgeht!

Ich bin das Feuerwerk und ich frage euch:

Wie laut muss ich noch knallen,

damit ihr endlich versteht, dass ein neues Jahr,

OHNE MICH, nur besser sein kann?

Katherina Springer, Waldkirch