Acht Niederlagen in Folge in der Fußball-Landesliga, Staffel II, waren den Vereinsverantwortlichen des GSV Maichingen dann doch zu viel. Der Klub aus dem Allmend trennt sich mit sofortiger Wirkung von seinem Trainer Giuseppe Iorfida, hat aber bereits einen Nachfolger.
Bereits seit einigen Wochen hatten es die Spatzen von den Dächern gepfiffen, jetzt ist es wirklich passiert. Der GSV Maichingen aus der Fußball-Landesliga, Staffel II, hat sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Giuseppe Iorfida getrennt. Der simple Grund laut Werner Klauß: Erfolglosigkeit. „Wir hatten uns mehr erhofft, auch er selbst“, nickt der Abteilungsleiter. „Dass die Tabellensituation so sein würde wie jetzt – damit hat keiner annähernd gerechnet.“
In der Tat sprechen die Zahlen nicht gerade für den Coach, der sein Amt erst am 1. Januar angetreten hatte, nachdem er kurz zuvor vom TV Echterdingen entlassen worden war. In der Rückrunde der Verbandsligasaison 23/24 holte er mit dem späteren Absteiger aus dem Allmend 17 Punkte aus 15 Partien, 24/25 sind es eine Klasse tiefer sechs Zähler aus zehn Partien. Ergibt zusammengerechnet einen Schnitt von 0,92. Zuletzt verlor das Team gar achtmal in Serie. Böse Zungen im Umfeld hatten bereits angemerkt, dass man dies auch unter seinem im Dezember 2023 entlassenen Vorgänger Giuseppe Vella geschafft hätte. Bruddler gibt es immer, allerdings muss man auch die Gesamtsituation betrachten.
Vor der Saison hatte es einen großen Umbruch beim GSV gegeben. Etliche Kicker verließen den Verein, fast ebensoviele neue kamen. Ein bunter Mix aus vermeintlich talentierten und erfahrenen Leuten, die jedoch nie den Eindruck erweckten, eine homogene Einheit zu sein. „Das ist ein grundsätzliches Problem“, räumt auch Werner Klauß ein. „Das sind viele verschiedene Charaktere, alles super Jungs – aber warum auch immer kein gutes Team.“
Ob das auch an der Kaderzusammenstellung liegt? „Wenn wir wüssten, warum es so ist, könnten wir es ändern und würden nicht da stehen, wo wir jetzt stehen“, antwortet der Abteilungsleiter, betont aber auch, dass damit zu rechnen gewesen sei angesichts der hohen Zahl von Ab- und Zugängen. „Unser Anspruch war nie der direkte Wiederaufstieg. Aber eben auch nicht der Abstiegskampf.“ Ins Gewicht seien bei der jüngsten Negativspirale zusätzlich die vielen Verletzten gefallen, die ein ständiges Improvisieren erforderten.
Giuseppe Iorfida hat, wie er sagt, gefasst auf den Anruf reagiert, der sein Ende beim GSV besiegelte. „Ich bin ja kein kleines Kind und erkenne Strömungen“, merkt er an. „Ich bewerte das alles jetzt für mich im engen Kreis, aber ich muss es nicht mit jedem besprechen“, fügt er hinzu. „Die oberste Prämisse ist ein respektvoller Umgang. Ich werde in mich gehen, wenn Ruhe eingekehrt ist.“
Der Energieeinsatz in den vergangenen Wochen sei exorbitant hoch gewesen. Seine bislang längste Negativserie waren vier Niederlagen in Folge. „Jede Woche habe ich versucht, mit meinem Werkzeugkoffer der Mannschaft zu helfen“, spricht Giuseppe Iorfida von harten und weichen Maßnahmen aus dem Bauch heraus. „Aus vielen Gründen hat aber keine gegriffen.“
In solchen Situationen kommt meistens auch die Frage auf, ob die Mannschaft gegen ihren Trainer gespielt hat. „Der Kader, der am Sonntag dabei war, hat das absolut nicht getan“, verneint Giuseppe Iorfida. „So viel Herz auf den Platz zu bringen, ist nicht möglich, wenn die Chemie nicht stimmt.“ Ob die Betonung darauf, dass er speziell von den Akteuren beim jüngsten Auftritt spricht, im Umkehrschluss heißt, dass es mit denen, die da nicht dabei waren, weniger gut lief, möchte er nicht kommentieren.
Einen Nachfolger hat der Verein schon verpflichtet
Der Nachfolger von Giuseppe Iorfida steht auch schon fest. Es ist Thomas Wohland, der bereits einige Jahre die zweite Mannschaft des Klubs trainiert hatte und zuletzt beim TSV Dagersheim in der Kreisliga A arbeitete. „Er wird sich der nicht ganz einfachen Aufgabe mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln annehmen und weiß auch, was wir von ihm erwarten“, sagen Werner Klauß und der sportliche Leiter Marius Güra, die sich die Entscheidung zu Giuseppe Iorfidas Entlassung nicht leicht machten.
„Wir kamen vorige Woche als kleines Gremium zusammen und haben einstimmig beschlossen, dass er eine weitere Chance bekommt. Wir haben extra noch abgewartet“, erklärt der Maichinger Fußballchef. Was folgte, war die 0:2-Pleite bei der SG Bettringen. „Danach blieb uns nichts mehr anderes übrig. Da müssen Veränderungen her.“ Eines ist Werner Klauß dabei bewusst: „Der Trainer ist halt immer das schwächste Glied. Wenn man richtig aufräumen würde, könnte man fünf Spieler gleich hinterher schicken. Aber das geht halt nicht, weil immer elf auf dem Platz stehen müssen.“
Den Umschwung soll nun also Thomas Wohland herbeiführen. „Er kennt das Umfeld und weiß, dass wir so schnell wie möglich da unten rauskommen müssen“, nickt Werner Klauß. „Es muss so sein, wie wenn man einen Schalter umlegt. Aber wir brauchen trotzdem Geduld.“ Für den künftigen Trainer, der bei den Verantwortlichen erste Wahl war, sprachen auch seine sofortige Verfügbarkeit und die Tatsache, dass er den Zeitaufwand bei einem Landesligisten stemmen kann.
„Giuseppe Iorfida war pro Einheit zweieinhalb Stunden auf der Straße unterwegs. Er ist selbstständig und hat drei Kinder“, erklärt Werner Klauß. „Er wollte spürbar allem gerecht werden. Aber der Tag hat halt nur 24 Stunden, und man muss Abstriche machen.“ Das sei allerdings keinesfalls negativ gemeint, stellt er klar.
Thomas Wohland selbst war nach eigener Aussage überrascht, so weit oben auf der Kandidatenliste zu stehen, habe sich aber richtig über den Anruf gefreut. „Das ist mein Heimatverein, und ich will dazu beitragen, dass wir die Kurve kriegen.“ Er werde die Aufgabe („dass es eine schwere wird, kann man ja an der Tabelle ablesen“) demütig und mit Respekt angehen, aber auch mit großer Vorfreude.
Zunächst wolle er viele Gespräche mit der Mannschaft führen. „Wir müssen uns persönlich kennenlernen und einen guten Draht zueinander finden“, sagt der Übungsleiter, der eine erste Maßnahme gegen die Tristesse am liebsten gleich am Sonntag gegen den MTV Stuttgart umsetzen würde: „Fußball ist ein Ergebnissport, also brauchen wir ein Erfolgserlebnis fürs Selbstvertrauen.“ Leichter gesagt als getan.